10.02.2021

„Jetzt Wettbewerbsvorteile für nachher sichern“

Wie sieht ein Post-Corona-Szenario für die Hotellerie aus? Stammgast.Online sprach mit dem Strategie- und Unternehmensberater Dr. Christoph Nussbaumer.

Zu den wichtigsten Kennzahlen der Hotellerie gehören der erzielte Preis pro Nacht und die Auslastung. So weit so logisch. Noch ist die Öffnung der Hotellerie Zukunftsmusik, aber es zeichnet sich zumindest eine Perspektive ab. Aber bevor Hotels wieder ihre Pforten öffnen und die Gästezimmer belegen dürfen, geistern schon die Mutmaßungen durch den Raum, in denen von Rabattschlachten und Zimmertarifen zu Schleuderpreisen die Rede ist, um nur ja die Auslastung zu steigern. Kein Wunder, die größte Möbelhauskette mit den vielen X in ihrem Namen hüpft das Thema vor: 50 Prozent Rabatt zum Winterschluss und nochmal 33 Prozent als Bonus fürs Wiederaufsperren. Irgendwann wird die Kette wohl noch Geld auszahlen, um Gäste in die Möbelpaläste zu locken. Auch in der Hotellerie wird der Versuch groß sein, Gäste mit Rabatten anzulocken. Stammgast.Online sprach diesbezüglich mit dem Vorarlberger Unternehmens- und Strategieberater Dr. Christoph Nussbaumer.

Stammgast.Online: Herr Dr. Nussbaumer, warum stellt das Wiedereröffnen mit großzügigen Rabatten nach dem Shutdown für viele Unternehmer so eine süße Versuchung dar?

Nussbaumer: Manche werden versuchen durch Preisnachlässe mehr Auslastung zu erzielen, in der Hoffnung, verlorenes Geschäft wieder aufzuholen.

Wenn Sie nun ein pessimistisches Wiedereröffnungs-Szenario zeichnen, wie könnte das aussehen?

Nussbaumer: Der Shutdown ist zur Normalität geworden. Die Sicherheit steht an erster Stelle. Für Aus- und Einreisen brauchen wir Genehmigungen oder umständliche Visumverfahren. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Auslöser drastischer Maßnahmen, von Grenzschließungen bis zu regionalen Isolationen. Hotelbetriebe und Restaurants bleiben mit wenigen Ausnahmen geschlossen, Insolvenzen nehmen zu, Betriebe geben auf. Die Arbeitslosigkeit steigt. Andere Hotelbetriebe setzen auf die Zeit nach Corona und investieren, um ihre Wettbewerbsvorteile auszubauen und bereit zu sein, wenn die Pandemie vorüber ist. Eine leichte Erholung mit weiteren Rückschlägen wird erst ab 2022 einsetzen. Erst 2023 oder 2024 kann wieder mit einer Rückkehr zu einem Leben wie vor Corona gerechnet werden.

Und wie würde Ihrer Meinung nach ein optimistisches Szenario aussehen?

Nussbaumer: Im Laufe des Jahres 2021 wird sich der Tourismus sukzessive erholen. Die Impfungen nehmen zu und sind erfolgversprechend, die Pandemie wird zurückgedrängt. 2021 wird eher verhalten anlaufen, mit leichten Steigerungen bis Jahresende. Der Sommertourismus wird zunehmen und zu ähnlichen Effekten wie 2020 führen. Die Wintersaison 2021/22 wird wieder Vor-Corona-Nächtigungszahlen erreichen. Auch der internationale Tourismus nimmt Fahrt auf, internationale Gäste, Kongresse und Reiseveranstaltungen führen zu einer Erholung des Städtetourismus. 2022 werden neue Nächtigungsrekorde erreicht. Die Arbeitslosigkeit im Tourismus geht deutlich zurück, nicht alle Stellen können besetzt werden.

Worauf müssen sich die Hoteliers auf jeden Fall einstellen?

Nussbaumer: Das Urlaubsgeschäft wird dann wieder Fahrt aufnehmen können, wenn die Kunden sich frei bewegen und reisen können und wenn die behördlichen Einschränkungen aufgehoben sind. Das bedingt niedrige Fallzahlen – nicht nur in Österreich, sondern auch in den Quellmärkten. Und die werden wohl erst durch eine breite Durchimpfung gewährleistet werden.

Was kann ein Hotelier jetzt tun, um beim Wiedereröffnen optimal gerüstet zu sein?

Nussbaumer: Der Treiber der Nachfrage nach Hotelleistungen ist das Kundenbedürfnis. Die Kunden haben ein Bedürfnis nach Entspannung, nach Erholung, nach Zeit mit dem Partner oder der Partnerin, mit der Familie zu verbringen, nach sportlicher Betätigung, nach kulinarischen Erlebnissen, in der Natur zu sein, nach Urlaub mit dem Hund etc. Diese Bedürfnisse sind da und haben sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt, und zwar qualitativ und quantitativ. Jeder Unternehmer, der das jetzt berücksichtigt, seine Hotelleistungen darauf ausrichtet, wird dann zu den Gewinnern zählen. Es geht darum, genau jetzt seine Wettbewerbsvorteile für nachher zu sichern.

Was, glauben Sie, wird wirklich eintreten, die pessimistische oder die optimistische Variante?

Nussbaumer: Die Realität wird wahrscheinlich irgendwo dazwischen liegen.

Herr Dr. Nussbaumer, vielen Dank für das Gespräch.

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