30.09.2020

Kaffee ist krisenfest

Die Pandemie verändert das Konsumentenverhalten nachhaltig. Johann Brunner, Geschäftsführer des Österreichischen Kaffee- und Teeverbandes, gibt einen Ausblick zur aktuellen Lage der Kaffeewirtschaft und erklärt, womit die Branche diesen Herbst rechnet.

Am 1. Oktober 2020 wird österreichweit bereits zum 19. Mal der „Tag des Kaffees“ gefeiert. Die Aktivitäten und Aktionen stehen heuer unter dem Motto „Kaffee – Dein treuer Begleiter“. Der Kaffeekonsum in Österreich ist mit einem pro Kopfverbrauch von rund 162 Liter im Jahr oder auch 2,6 Tassen Kaffee pro Tag stabil. Mit einem Verbrauch von 7,2 Kilo Kaffee pro Kopf und Jahr zählen die Österreicher zu den fleißigsten Kaffeetrinkern überhaupt. 

Stammgast. Online: Was suchen die Konsumenten in Zeiten wie diesen?
Johann Brunner: Der Konsum ist mit rund 1.000 Tassen bzw. 162 Liter pro Kopf jährlich stabil. Dynamisch präsentieren sich hingegen die Vielfalt der Zubereitungsarten und Trends. Neben einem hohen Qualitätsanspruch und individuellem Genuss wird für den österreichischen Konsumenten auch das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Kaffee immer wichtiger.

Das heißt, das Interesse am Produkt selbst nimmt zu?
Das Qualitätsbewusstsein der österreichischen Kaffeetrinker ist bereits seit einigen Jahren sehr hoch. Der Konsument beschäftigt sich mit dem Grundprodukt – der Kaffeebohne, in puncto Herkunft, Röstung und Mischung, wie auch mit den Zubereitungsarten, also den unterschiedlichen Maschinen, Mahlungen und Kaffeespezialitäten. Der Genuss steht dabei mehr denn je im Vordergrund und dieser ist ganz individuell. Den einen perfekten Kaffee gibt es nicht. Erlaubt ist, was schmeckt. Und dies kann je nach Tagesmoment und Anlass variieren, vom Klassiker bis hin zum Trend.

Welche Produkte liegen derzeit im Trend?
Aktuell sind Cold-Brew-Kreationen stark gefragt, die ein breites Geschmacksprofil mit vielen Aromen und Nuancen bieten. Der allgemeine gesellschaftliche Trend zu verantwortungsbewusstem und nachhaltigem Konsum wirkt sich auch auf die Kaffeewirtschaft aus. So stieg international das Produktionsvolumen von UTZ-zertifiziertem Röstkaffee seit dem Jahr 2002 mit 33.900 Tonnen auf 1.102.826 Tonnen, was einen Zuwachs von 3.153 Prozent bedeutet (Anm.: laut Tchibo Kaffeereport 2020). Auch der österreichische Konsument wünscht sich entlang der Wertschöpfungskette in der Kaffeewirtschaft Transparenz, Fairness und Ressourcenschonung. Dies zeigt sich in der steigenden Nachfrage nach zertifiziertem Kaffee. Dem Konsumenten bieten Siegel wie Fairtrade, Rainforest Alliance oder auch UTZ Orientierung für eine bewusste Einkaufsentscheidung. Wir begrüßen es sehr, dass alle unsere Mitglieder in ihrem Portfolio entsprechende Produkte anbieten und sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichten.

Variieren die präferierten Zubereitungsarten?
Der Wunsch nach Individualität in der Tasse spiegelt sich auch in den aktuellen Entwicklungen in den Kaffeesegmenten und Zubereitungsarten wider. So finden sich zwar immer weniger klassische elektrische Filterkaffeemaschinen in den österreichischen Haushalten – 2019 weniger als ein Drittel –, allerdings verzeichnete im Jahr 2019 die Zubereitung im Handfilter erstmals wieder starke Zuwächse von 4,9 Prozent in 2018 auf 7,8 Prozent in 2019. Nach wie vor ungebrochen ist der Aufwärtstrend im Kapselbereich: Besaßen 2009 nur rund 11,7 Prozent aller österreichischen Haushalte eine solche Maschine, waren es 2019 bereits 44 Prozent (Anm.: laut Maschinenbesitzstand GFK 2019). Am häufigsten vertreten sind jedoch, wie schon in den vergangenen Jahren, Vollautomaten und elektrische Espressomaschinen, die zusammen rund 46 Prozent des Marktes abdecken.

Haben sich hier die Ansprüche der Konsumenten verändert?
Wir sehen, dass die Ansprüche der österreichischen Kaffeetrinker immer breitgefächerter werden, ob Kapselmaschine, Vollautomat oder Handfilter, von Espresso über Cold Brew bis hin zur Filterkaffeevariationen. Allen gemein ist: Er muss qualitativ hochwertig sein und aromatischen Geschmack bieten. Konsumiert wurden 2019 hierzulande am Stärksten das Segment Röstkaffee mit 54 Prozent Marktanteil, gefolgt vom Espresso und Crema Segment mit 32 Prozent (Anm.: jeweils Wachstum gegenüber Vorjahr, Quelle: Maschinenbesitzstand GFK 2019).
 
Inwiefern wandelt sich der Konsum in Privathaushalten durch Corona, Stichwort Home-Office?
Obwohl die Gastronomie ja über einen längeren Zeitraum während des Shutdowns komplett geschlossen war und sich viele Konsumenten darüber hinaus für viele Woche im Home-Office aufgehalten haben, ist der Kaffeekonsum gleichgeblieben. Sprich, die Menschen trinken immer Kaffee – aktuell eben vermehrt zu Hause! Kaffee hat sozusagen eine gewisse Krisenfestigkeit bzw. gerade wenn die Zeiten unsicher und bewegend sind, setzt der Mensch auf Gewohntes, Vertrautes. Kaffee ist dabei ein wichtiges Ritual in unserem Tagesablauf, auch wenn dieser unter anderen Vorzeichen steht.

Was erwarten Sie für den bevorstehenden Herbst? Werden Maskenpflicht und Abstandsregeln den sozial motivierten Kaffeekonsum beeinträchtigen?
Das Kaffeehaus ist seit je her ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, des gesellschaftlichen Zusammenkommens. Wir alle beobachten, dass Maskenpflicht und Abstandregeln die Lust der Menschen in diesen Punkten eindämmt. Wir gehen weniger in Restaurants, wir gehen weniger im stationären Handel einkaufen und ja, auch weniger in Kaffeehäuser. Nichtsdestotrotz – die Österreich wollen nicht auf ihr Lieblingsgetränk verzichten, der Konsum wird also weiterhin stark auch in den eigenen vier Wänden stattfinden.

Danke für das Gespräch.

Informationen zu den Aktivitäten zu Ehren der Bohne am 1. Oktober finden Sie auf www.kaffeeverband.at 

(Autorin: Sandra Seck)

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