16.04.2021

Kein Vorrang den Ahnungslosen

Warum eine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln in der Gastronomie abzulehnen ist. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

„Liebe Gäste! Der Zwiebelrostbraten auf Ihrem Teller stammt von der Kuh Lisi, die beim Huberbauern in Hatschenbrunn geboren und aufgewachsen ist …“ So oder so ähnlich, vielleicht etwas weniger prosaisch könnte es bald auf den heimischen Speisekarten zugehen. Wobei ich das generell für diskriminierend halte, denn Schweine bekommen in Mastbetrieben in den seltensten Fällen Namen. Drum wird es auch nie heißen: „Vor Ihnen liegt das Schnitzel von der Sau Rosi, geboren, gemästet, geschlachtet und verarbeitet am Voitlgut aus Niedernzell.“ Nein, sowas werden Gäste nie zu lesen bekommen, denn Tiere zum Essen mit Namen sind ein No-go.

Geht es nach dem Willen von gewissen Interessensgruppen, namentlich von Vier Pfoten, WWF, Global 2000 und Land schafft Leben, dann soll es möglichst bald schon eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln (Fleisch, Ei, Milch) im Außer-Haus-Markt (Gastronomie, Hotellerie, GV) geben. Damit soll gewährleistet werden, dass in Österreich gehaltene Nutztiere auch auf den Tisch kommen. Und zwar nachvollziehbar und garantiert. Bei uns gelten EU-weit die strengsten Standards für Nutztierhaltung.

Der gesamte Außer-Haus-Markt wird des Betrugs bezichtigt

Das ist alles recht und schön. Jedes Tier soll artgerecht leben dürfen und die naturgegebene Allianz zwischen Landwirtschaft und Gastronomie wird ein den weitesten Teilen des Außer-Haus-Marktes ohnedies intensiv und fruchtbar für beide Seiten gepflegt. Wogegen ich mich im Sinne von Wirtinnen und Wirten, von Köchinnen und Köchen aber verwehre, ist jede Art von Zwang. Noch dazu von Leuten und Gruppierungen, die von dieser Branche absolut keine Ahnung haben, sich aber anmaßen Vorschriften machen zu können. Die Wahl der Mittel ist dabei von einer besonderen Perfidie gekennzeichnet. So heißt es in einer Aussendung des europäischen Dachverbandes der Bio-Landbaubewegung (IFOAM Organics Europe), der auch von Bio-Gastronomen mitunterzeichnet (!) wurde: „… dabei darf auch der wichtige Außer-Haus-Bereich nicht ausgeklammert werden, immerhin versorgen sich Millionen Menschen täglich in Gastronomie und öffentlichen Küchen. Auch dort müssen wir schnell und einfach erkennen können, was uns aufgetischt wird. Dem systematischen Betrug muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden …“ Eine ganze Branche unter den Generalverdacht des Betrugs zu stellen, das ist also die neue Sachlichkeit in dieser Diskussion.

Österreich ist keine Insel

Ein weiteres Argument, weshalb eine eventuelle Verpflichtung abzulehnen ist, liegt darin, dass – sollte es dazu kommen – ein ähnliches Fiasko droht, wie bei der Allergenverordnung, nach der heute ohnedies kein Hahn mehr kräht. Im Goldplating, also der Übererfüllung von EU-Verordnungen und -gesetzen, lachte halb Europa über Österreich, weil aus einer eher harmlosen Kennzeichnungspflicht der sprichwörtliche Elefant gemacht wurde. Sollte so eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel in der Gastronomie kommen, sehe ich schon die Heerscharen von Beamten, die deren Umsetzung in der Praxis „begleiten“ werden – von den Kammern über diverse Ministerien bis zu den BHs. Das ist von vornherein strikt abzulehnen, weil es ausschließlich auf dem Rücken der Gastronomie ausgetragen wird. Außerdem würde es der Vernaderung Tür und Tor öffnen. Jeder Wirt, der nicht nachweisen kann, dass das gute Stück Fleisch aus heimischer Haltung ist, wird vor den Kadi gezerrt.

Wer sagt überhaupt, dass unsere heimischen Produkte das Maß aller Dinge sind? Was ist mit den herrlichen Rohmilchkäsen aus Frankreich, irischer Butter, slowenischem Lammfleisch, italienischen Rohwürsten? Selbstverständlich gibt es das auch aus österreichischer Produktion. Aber wollen wir wirklich diesen Produktnationalismus, der alles hinter dem Schlagbaum Herkommende ausschließt? Ich nicht. Diesen Gedanken zu Ende gedacht würde das umgekehrt das Gleiche bedeuten. Kein Vieh und keine Milch aus Österreich nach Italien oder wer weiß wohin. Dann würden die heimischen Bauern schön schauen und à la longue keine Perspektive haben. Ein Verein wie „Land schafft Leben“ wäre somit obsolet. Österreich war immer schon eine Exportnation. Ob das nun Motoren oder Milch sind, sollte ziemlich egal sein und nicht der Idealismus-Keule unterworfen werden.

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