27.01.2022

Keine Angst vorm nächsten Level

Der Weltverband der Sommeliervereine ASI hat zwei neue Prüfungslevel eingezogen. Was das für österreichische Sommeliers bedeutet, analysiert HGV PRAXIS.

Vor wenigen Tagen ließ der Weltverband der Sommeliervereine (ASI – Association de la Sommellerie Internationale) mit einer Neuerung aufhorchen. Um die weltweiten Ausbildungsstandards in diesem Berufsfeld transparenter und vergleichbarer zu machen, zog die ASI zwei neue Prüfungslevel ein – Level 1 und den höherwertigeren Level 2. Diese zwei Zertifikate bilden die Basis für das ASI-Diplom, das 2012 vom italienischen Sommelierweltmeister Giuseppe Vaccarini eingeführt wurde. Dieses Diplom gibt es in Bronze, Silber und Gold und steht für das international höchste Zertifikat, das in der Sommellerie erreicht werden kann. Wobei Gold und Silber nur jenen Profis vorbehalten ist, die diese Prüfung nicht in der Muttersprache, sondern in den Sprachen Französisch, Englisch oder Spanisch absolvieren.

Mit den zwei Grundlevels will die ASI ein gewisses Maß an Grundwissen von internationalen Sommeliers sicherstellen. Das ist verständlich, zumal der Weltverband die Interessen von 69 Sommelier-Nationen vertritt und nicht überall gleiche (bzw. gleich gute) Standards garantiert sind. Level 1 und 2 hingegen gewährleisten, dass sich ein Sommelier, der diese Bezeichnung auch zu Recht trägt, professionell auf internationalem Parkett bewegt.

Sind Österreichs Sommeliers „prüfungsfaul“?

Was heißt das nun für die Sommellerie in Österreich? HGV PRAXIS sprach mit der Präsidentin der Sommelier Union Austria, der Chefin aller neun Landesverbände, der Tiroler Wirtin Annemarie Foidl: „Ich bin sehr froh über die Etablierung dieser zwei Levels durch die ASI und war auch daran beteiligt als ich noch den ,Chair of Didactic‘ im Weltverband inne hatte und wir den Grundstein für diese zwei Prüfungsstufen gelegt haben. Durch die wachsende Zahl an Mitgliedsländern wurde es unerlässlich, die jeweiligen Ausbildungsstandards auf ein einheitliches und transparentes Niveau zu bringen.“

Foidl vertritt in Österreich die Interessen von etwa 2.200 Sommeliers, die in der SUA Mitglied sind. Eine wachsende Zahl, die die Bedeutung des Genres unterstreicht und auch Ausdruck der mannigfaltigen Bemühungen Österreichs als kleines, aber um nichts weniger bedeutendes Weinland ist.

Die heimische Sommelier-Ausbildung ist im Angebot des Wifi ganz gut eingebettet. Mittlerweile erfreuen sich auch Ausbildungen zum „Jungsommelier“, die sowohl in Berufsschulen als auch berufsbildenden höheren Schulen (BHS) angeboten werden, immer größerer Beliebtheit. Vom Jung- zum Diplom-Sommelier, den man am Wifi erwirbt, ist es quasi ein fast schon logischer Schritt.

Anders sieht es hingegen bei den internationalen ASI-Zertifikaten aus. Foidl schätzt die Zahl der heimischen Sommeliers mit einem ASI-Diplom auf höchstens 25, somit etwas mehr als ein Prozent. Da gibt es noch Aufholbedarf. Die SUA-Präsidentin versucht sich in einer Interpretation: „Die Zahl resultiert vielleicht an der geringen internationalen Ausrichtung unserer Sommeliers, weil wir im Land selbst einen sehr starken Tourismus haben. Andere Nationen sind da viel aktiver, die haben überhaupt beruflich nur eine Chance, wenn sie ins Ausland gehen.“ Foidl will die Internationalisierung auch in Österreich viel stärker vorantreiben. „Weil man als Sommelier sich nicht nur ständig auf dem Laufenden halten muss, sondern auf dem internationalen Parkett eine gute Figur abgeben muss. Es ist heute nicht nur Gang und Gäbe jederzeit auf einem anderen Ort irgendwo am Erdball zu arbeiten, sondern fast schon eine Voraussetzung dafür, um im Beruf zu den Besten zu gehören. Deshalb appelliere ich unsere Sommeliers, diese ASI-Zertifikate zu erwerben. Sie sind nicht nur bei den Arbeitgebern auf der ganzen Welt anerkannt, sondern vielfach die einzige harte Währung, wenn es um aussagekräftige Zeugnisse geht.“

Übernahme der Prüfungskosten könnte ein Zuckerl des Arbeitgebers sein

Die Prüfungen für Level 1 und 2 werden übrigens auch in Österreich durchgeführt, und zwar einmal jährlich. Es fallen dafür auch Kosten an, die gar nicht unbeträchtlich sind. „Zwischen 400 und 450 Euro“, sagt Foidl, „aber es fallen ja auch Kosten durch unsere Prüfer an.“

Die Übernahme dieser Kosten von so manchem Arbeitgeber – Hotelier oder Gastronom – könnte natürlich ein besonderes Gimmick für einen Mitarbeiter darstellen. Es motiviert nicht nur, wenn Weiterbildung unterstützt wird, sondern könnte durchaus auch die Treue zum Unternehmen stärken, was ja im Sinne des grassierenden Fachkräftemangels auch kein unbedeutendes Asset darstellt.

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten