29.05.2020

Keine Weinausschank am Wochenmarkt

Das Marktamt der Stadt Salzburg geht gegen Auswüchse vor, die es selbst jahrelang geduldet hat.

Der Wochenmarkt auf dem Mirabellplatz – immer donnerstags – heißt auch Schranne, mit der gleichnamigen Schrannengasse dazu. Das Faktotum der Nahversorgung wird nicht nur von tausenden Kunden in aller Regelmäßigkeit frequentiert, sondern gut 190 Marktstandler – vom Bauernbrot über Feldgemüse, Obst, Schwammerl, Eier, Fleisch, Wild, Geflügel, Honig bis hin zu Palmkätzchen, Adventkränzen, fleischfarbene BHs mit Drahtgestell und gemusterten Kittelschürzen ist alles zu erstehen. Jeder macht sein Geschäft, der eine mehr, der andere weniger.

Flaschenverkauf ja, Offenausschank nein

Nun regt sich Unmut unter den Schrannenfans, aber besonders auch unter drei speziellen Marktstandlern. Einer davon ist Anton Havranek, eigentlich Pensionist, aber mit seinem „Wein-Amt“ so etwas wie ein Faktotum auf der Schranne geworden. Sein seit fünf Jahren existierender Stand, exakt an der Ecke Schrannengasse/Faberstraße gehört seit einigen Wochen der Geschichte an. Denn das Marktamt des Magistrats legt die Marktordnung ab sofort wieder streng aus und verbietet die Ausschank von offenen Weinen. Was eigentlich immer verboten war, aber, wie Marktamtsleiter Christophorus Huber im HGV PRAXIS-Gespräch eingesteht: „Es ist in der Marktordnung vorgesehen, dass man Wein in Flaschen verkaufen kann. Zum Verkauf von Wein muss man auch kosten lassen können. Dann ist es ein Kostglaserl geworden. Und im Endeffekt ist daraus ein Ausschank geworden und der Weinverkauf in Flaschen hat kaum noch stattgefunden.“

Mit dieser Feststellung hat der Beamte nicht ganz unrecht. An Schönwetterdonnerstagen war das Wein-Amt so gut besucht, dass man sich durch vier und mehr Reihen an den Tresen vorkämpfen musste, um ein Glas Wein zu erstehen. Von einer gewissen Lärmentwicklung und den Auswüchsen manch illuminierten Gastes ganz abgesehen. Jeder Gastwirt rund um die Schranne hätte sich bei diesem Weinumsatz alle zehn Finger abgeschleckt.

Drei Stände insgesamt betroffen

Nun wurden diese Auswüchse gestoppt, allerdings auf eine für ein Amt nicht ganz untypische Art und Weise. Corona-bedingt fand die Schranne über mehrere Wochen nicht statt und startete erst wieder Mitte Mai. Wein-Amt-Chef Havranek bereitete sich nicht nur auf die Wiedereröffnung vor, sondern deckte sich auch mit genügend Ware ein. Bis ihm am Tag der ersten Schranne bekundet wurde, er dürfe seinen Stand nicht aufstellen. Zwei weitere Weinstände sind ebenfalls von der neuen Rigorosität des Marktamtes betroffen und verbannt worden. Nun will Havranek sein Weinlager abverkaufen und endgültig in Pension gehen. Eine Vielzahl von treuen Stammgästen wird sich eine Ausweiche suchen müssen.

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