12.12.2019

"Klassisch managen reicht künftig nicht mehr"

Wolfgang Hötschl, Geschäftsführer von GP Business und ehemaliger CEO der Kelly GmbH, über die Herausforderungen von Leadership mit der Generation Z.

Frage: Von 26. bis 28. Februar findet das Leadership-4.0-Seminar statt. Was können sich Teilnehmer davon erwarten?

Wolfgang Hötschl: Wir haben das Thema, dass sich die Arbeitswelt mit der Digitalisierung künftig dramatisch verändern wird. Mobiles Arbeiten ist dabei das große Schlagwort. Oder anders formuliert: Warum sollen wir im Stau stehend sinnlos die Zeit vergeuden? Vor allem junge Personen, die mit den Digitaltools perfekt umgehen können, sind hier federführend. Zusätzlich haben viele Unternehmen Büros mit Shared Workspace – das heißt, man muss sich erst seinen Platz im Büro erkämpfen. Ein weiteres Thema der mobilen Arbeit werden Video-Konferenzen sein, die immer mehr gefragt sind und das Arbeiten flexibler machen. Damit gehen persönliche Beziehungsebenen verloren, die für Teams aber überaus wichtig sind.

Wie geht die jetzige ­Führungsebene eigentlich damit um?

In jedem Betrieb arbeiten heute unterschiedliche Generationen. Die älteren Generationen verstehen aber nicht mehr alle Themen und Forderungen der nachwachsenden Generation. Dazu kommt immer häufiger die Forderung nach Work-Life-­Balance, wo auch immer der Vorwurf mitschwingt, dass Personen in der Arbeit ausgenützt werden. Man sieht, es gibt viele Gegensätze, und es wird besonders herausfordernd sein, wie man in Zukunft High-Performance-Teams unter diesen Rahmenbedingungen zusammenstellt und  führt.

Welche Schlüsse muss man aus den von Ihnen erwähnten Themen ziehen?

Meine Erfahrung sagt mir, dass klassisch managen künftig nicht mehr reicht. Die nächste Stufe der Führung ist Leadership. Das ist aber etwas anderes, als einfach nur die neuen digitalen Tools anzuwenden. Wir haben das Seminar daher so konzipiert, dass wir zunächst von den Teilnehmern ihre individuelle Führungssituation abfragen und auf das Thema Leadership herunterbrechen. Da werden  sich viele Gemeinsamkeiten zwischen den Teilnehmern ergeben. Im Endeffekt geht es darum, aufzuzeigen, wie man sich selbst aufstellen kann, um die Anforderungen an wirkliche Leadership zu erfüllen. Das gilt übrigens nicht nur für die Top-Management-Ebene, sondern für alle Hierarchie-Ebenen.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Führungskräfte von heute?

90 Prozent der aktuellen Führungskräfte sind kraft ihrer fachlichen Qualifikation Führungskräfte geworden, nicht wegen ihrer Führungsfähigkeiten. Jemand erfüllt seine fachlichen Aufgaben gut und  bekommt darufhin ein Team untergestellt und muss dieses auf einmal führen können, ohne jede Ausbildung oder Hilfestellung. Um hier nicht zu scheitern, bieten wir unser Seminar an, mit möglicher Nachbegleitung bei Bedarf.

In Ihrem Seminar ist auch der Sportcoach Chris Hamilton mit dabei. Welche Aspekte bringt er ein?

Mit Chris Hamilton können wir ­Erfahrungen aus dem Sport einbringen. Im Sport werden die Auswirkungen von Leadership viel schneller sichtbar – positiv wie ­negativ. High-Performance-Teams wie ­Bayern ­München sind hier ein gutes Beispiel. Der Kader ist voll mit tollen Spielern, zuletzt bringen die kaum gute Ergebnisse. Das lag daran, dass es dem Coach nicht gelang, sein Team zu inspirieren. Total anders bei Red Bull Salzburg: International relativ unbekannte Spieler zeigen unter einem unbekannten Coach plötzlich Höchstleistungen auf internationalem Niveau.

Inwiefern unterscheidet sich die Generation Z in puncto Führungsstil von bisherigen Generationen?

Die jungen Leute sind heutzutage hervorragend ausgebildet, haben internationale Eindrücke von Erasmus-Studien et cetera. Aber sie haben keinerlei Erfahrung, wie es in Unternehmen zugeht, wie und was sie da genau einbringen sollen. Es fehlt ihnen an Social Skills. Mit jedem neuen jungen Mitarbeiter muss man ganz klar die Erwartungshaltung an seinem Beitrag zum Unternehmensziel definieren und auch laufend begleiten, um die jeweiligen Stärken zu erkennen. Dies soll sie inspirieren. Das Stärken-Profil lässt sich nicht in einem Bewerbungsgespräch herausfiltern, man sieht das erst dann, wenn jemand im Unternehmen tätig ist. Man muss der jungen Generation zudem auch erlebbar machen, dass Arbeiten und erzielte Ergebnisse einen hohen Beitrag zum Selbstwertgefühl liefern und somit auch positiv zur oft zitierten Work-Life-Balance beitragen.        •

Zwei Tage für Leader:

Der „Aufbruch in die digitale Welt mit Leadership 4.0“ der MZV Conference Group/Manstein Verlag im Hotel Steirerschlössl in Zeltweg von 26. bis 28. Februar bietet einen zweitägigen exklusiven Austausch mit Wolfgang Hötschl und Chris Hamilton. Informationen und Anmeldung hier.

(Michael Fiala)

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