05.09.2019

Knappe Wiener Mehrheit für Sonntagsöffnung

Laut einer Studie im Auftrag der ÖHV wünschen sich die Wiener mehrheitlich eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag. Erste kritische Stimmen der Gewerkschaft werden laut.

Die Wiener wünschen sich mehrheitlich eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag. Das geht jedenfalls aus einer Studie hervor, die die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) am Donnerstag veröffentlicht hat. Laut der vom Institut Marketagent durchgeführten Erhebung befürworten 54 Prozent eine sonntägliche Shoppingmöglichkeit.

Sogar 56 Prozent gaben an, dass sie die Möglichkeit nutzen würden, an diesem Tag einzukaufen. Neun von zehn Wienern berichteten zudem davon, dass sie dies im Urlaub gerne tun. Befragt wurden mehr als 1.000 Personen - wobei laut ÖHV vor allem Jüngere von der Ausweitung der Landesöffnungszeiten angetan sind.

"Wien ist Weltstadt und muss sich vor keiner anderen Metropole verstecken. Nur bei den Einkaufsmöglichkeiten verkaufen wir uns unter Wert. Das haben auch die Wienerinnen und Wiener erkannt und wünschen sich endlich moderne Regelungen", versicherte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer.

Wählerwille Sonntagsöffung

Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es "jedenfalls sinnvoll", Steuern und Arbeitsplätze nach Wien zu holen. Auch die Touristenströme würden entzerrt. Die Politik, so forderte sie, sei nun gefordert: "Das ist Wählerwille. Es ist Zeit, ihn umzusetzen!"

Matthias Winkler ist als Geschäftsführer der Sacher-Gruppe im täglichen Kontakt mit Gästen in Geberlaune und selbst viel international unterwegs: „Es ist bekannt, dass unsere internationalen Gäste bei zeitgemäßen Öffnungszeiten mehr Geld in Wien ausgeben würden. Aber die ÖHV-Umfrage bestätigt erstmals, was viele schon lange vermuten: Auch die Wienerinnen und Wiener nutzen diese Gelegenheit im Urlaub gerne. Dass sie mehrheitlich die Sonntagsöffnung in Wien befürworten, sollte ein Anstoß für die Politik sein“, so Winkler.

Die Debatte um eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag schwelt in Wien seit vielen Jahren. Diskutiert wird vor allem, dies über eine Tourismuszonenregelung umzusetzen - für die das Rathaus verantwortlich wäre. Dort wurde die Idee nie grundlegend verworfen, allerdings wird stets betont, dass dafür eine Sozialpartnereinigung notwendig wäre.

Die erste Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, für Fritz Pöltl, den FCG-ÖAAB-Fraktionsvorsitzenden der AK-Wien liegt lediglich ein „No-Na-Ergebnis“ vor.  „Das Geld hätte man sich sparen können. Man hat bei der Befragung nämlich auf die Aufzählung der Nachteile geflissentlich vergessen“, nennt Pöltl den Grund für seine scharfe Kritik.

Dass durch die Sonntags-Überstunden die Waren empfindlich teurer werden, dass für die Beschäftigten Eltern keine Kindergärten zur Verfügung stehen und die Mehrheit der Handelsangestellten und sogar die Mehrheit der Unternehmer eine Sonntagsöffnung entschieden ablehnen, hat man bei der Umfrage wohlweislich verschwiegen.

Lebenswerte Stadt auch ohne Sonntags-Shopping

„Wien ist einmal mehr zur lebenswertesten Stadt der Welt erwählt worden. Und das auch ohne generelle Sonntagsöffnung! Vielleicht sogar deshalb! Ein wenig Sonntagsruhe und Erholung tut nämlich auch einer Weltstadt gut“, meint Pöltl kritisch zu der von der ÖHV in Auftrag gegebenen Umfrage.

(apa / red)

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