26.12.2019

Kommentar: Deutschland macht es besser

Beim großen Nachbarn will man gezielt ausländische Fachkräfte anwerben und beschließt ein Gesetz, das Deutschland als Arbeitsplatz noch attraktiver machen wird. „Wir gehen das Problem an“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei uns sagt man viel und tut wenig.

Im internationalen Wettbewerb um beste Arbeitskräfte legt der große Nachbar nun ein Schäuferl nach. Attraktive Arbeitsbedingungen und ein attraktives Umfeld sind das Ziel, „auf jeden Fall ist das wirklich Wichtige, dass wir in den Drittländern als ein weltoffenes, als ein interessiertes Land rüberkommen“, sagt Merkel.  

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz tritt am am 1. März 2020 in Kraft. Es erweitert den Rahmen für die Einwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland. Fachkräfte mit beruflicher, nicht-akademischer Ausbildung sollen künftig leichter nach Deutschland zu Arbeitszwecken einwandern. Zudem werden bereits bestehende Regelungen für Fachkräfte mit Hochschulabschluss fortgeführt und teilweise erleichtert.

Die Deutschen machen Nägel mit Köpfen: Eine Absichtserklärung wurde bereits unterschrieben, womit Visaverfahren beschleunigt werden und man die Anerkennung von Berufsabschlüssen erleichtert. Zudem gibt es Unterstützungen für zuwandernde Fachkräfte beim Erlernen der deutschen Sprache. Die Auslandshandelskammern sollen sich zudem stärker bemühen, Fachkräfte zu gewinnen, etwa mit Rekrutierungsreisen für kleine und mittelständische Unternehmen, berichtet die Zeitung Die Zeit.  

Gemeinsam mit den Gewerkschaften!

Hubertus Heil, Arbeitsminister aus dem Kreis der SPD sagt zum Vorhaben, dass man das Fachkräftepotenzial in Deutschland verbessern wolle. Dazu sei Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Staaten nötig. „Wir akzeptieren, Einwanderungsland zu sein“, heißt es ebenfalls aus der SPD. Die Initiative geht von Bundesregierung, Ländern, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsam aus.

Eine runde Sache – und lässt einen mit Neid nach Norden blicken. Können Sie sich vorstellen, dass in Österreich die Gewerkschaften bei solch einem Projekt zur Stärkung des Wirtschaftstandorts mit an Bord wären? Ich zitiere aus einer Presseaussendung des ÖGB zur Reform der Rot-Weiß-Rot Card vom Februar: „Mit der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte und damit der weiteren Öffnung unseres Arbeitsmarktes für Menschen aus Drittstaaten rollt die Regierung Lohndumping den roten Teppich aus. Lohnerhöhungen werden so wirksam verhindert. Es geht nicht darum, Fachkräfte zu lukrieren, was gesucht wird, sind Lohndrücker.“

Es wird höchste Zeit, dass wir den schädlichen Protektionismus und auch rechtspopulistische Stimmungsmache hinter uns lassen. Sehen wir der Realität ins Auge: Wir stehen in einem immer härter werdenden Wettbewerb mit anderen Ländern um Menschen mit Fähigkeiten. Nicht nur um jene aus Drittstaaten, sondern vermehrt auch um solche aus den EU-Ländern. Die Servicekraft aus Ungarn wird zur Rarität. Scheitern wir, gibt es nicht mehr Arbeitsplätze für Inländer – oder gar höhere Löhne, wie von der Gerwerkschaft behauptet – sondern Arbeitsplätze gehen verloren.

PS…

Ganz abgesehen von den gesetzlichen Hürden, wir verkaufen uns auf staatlicher Ebene einfach zu schlecht. In Deutschland steht die Online-Plattform www.make-it-in-germany.com Arbeit- und Arbeitskräftesuchenden als umfassende Informationsquelle zur Verfügung. Bereits der Name lockt. Bei uns heißt die vergleichbare Plattform wenig „sexy“ www.migration.gv.at. Die deutsche Seite vermittelt die Informationen in 14 Fremdsprachen, auf der österreichischen ist die Auswahl ganz knackig auf Englisch beschränkt. Das Bild festigt sich, dass wir im Vergleich zum Nachbarn für Arbeitskräfte immer mehr zur schiachen Braut werden. Oder zum schiachen Bräutigam. Auf jeden Fall schiach.

 

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