12.05.2020

Kommentar: Es war kein Urlaub!

Mehr als sieben Wochen zu Hause. Gemeinsam mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern. Ein Häuschen mit Garten, arbeiten von zu Hause. Paradiesische Aussichten mit Urlaubsähnlichkeit, glaubte man vielleicht noch zu Beginn.

Die eine Tochter gerade erst an das System Schule gewöhnt und schon wieder weit weg davon. Die andere an der Kippe von Kindergartenunterhaltung zu Vorschulinhalten. Der kleine Garten Mitte März mit großen, unüberhörbaren Frühlingsaufgaben bewaffnet, die Haushaltsstrategie noch nicht an die Dauerbenutzung in Vollbesetzung angepasst. Das Homeoffice in Form von Laptop und Handy folgt mir überall hin.

Sie wollen gar nicht wissen, wo ich den Computer überall schon aufgeklappt und aus welchen Gründen wieder zugeklappt habe und zu welchen Zeiten. Der eine oder andere Anrufer hat vielleicht an meiner Stimme erraten, dass ich gerade noch nicht arbeitsfähig bin – im geistigen oder geografischen Sinne. Ich konnte mich immer wieder schnell sammeln, natürlich. Doch zum Leidwesen der mir Schutzbefohlenen: „Mama, ist das die Oma am Telefon? Darf ich auch Hallo sagen?“ oder „Mama, weißt du eigentlich wo … (nach Belieben Gegenstände einsetzen). Ich habe Tage und Wochen gezählt wie Robinson Crusoe und sein Freitag, und das schon ab Montag. Von der anfänglichen Struktur war in Woche vier wenig übrig, den Aufruf zur Kurzarbeit hat unser Haushalt leider nicht in Anspruch genommen.

Nun muss ich gestehen, ich habe die Interviews mit Videofunktion in die Wirklichkeit da draußen genossen, den Gruppenanrufen ohne Videofunktion hat auch meine Montagsfrisur standgehalten, die Arbeit hat mich gerettet. Doch die Grenzen verschwimmen, die Bastelvorlagen und Spiele verlieren Glanz und Teile, der Garten blüht und gedeiht, wo ER will, und der Haushalt lächelt milde aus jeder Ecke. Es gibt Hoffnung, es öffnet nicht nur der Tourismus seine heiß ersehnten Türen, Tische und Betten, auch die Bildungsstätten erwarten die Allgemeinheit, und beide Sektoren werden ihre Gäste mit offenen Armen empfangen.
Ich werde ein Teil davon sein! Ich werde allen Urlaub zusammenkratzen, ihn auch gerne auf Kredit nehmen oder einmal alleine einlösen, in der Stadt, am Land, im eigenen Ort! Am besten in dieser Reihenfolge! Denn nach den verheißungsvoll paradiesischen Zuständen daheim bin ich vor allem einmal eines: urlaubsreif!

Der Kommentar im e-Paper.


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