28.11.2019

Kommentar: Gehen Sie doch...!

Wenn Ex-Politiker in Verdacht stehen, Gastronomierechnungen als Ersatzbelege verwendet zu haben, damit anderweitig ausgegebene Summen in der Spesenabrechnung Asyl bekommen, dann sag ich Ihnen was.

Ja, ich beginne meinen Kommentar mit: es gilt die Unschuldsvermutung. Doch lieber möchte ich meine Überschrift vervollständigen. Denn es sollte dort oben stehen: Gehen Sie doch … wirklich Essen. Wenn es schon in den unterschiedlichsten Spesenabrechnungen und Spesenkonten dieser Welt die Chance gibt, Arbeitsessen, Geschäftsessen, Business-Lunch und Casual-Dining-Aktivitäten abzusetzen, ja, dann tun Sie es doch! Gehen Sie Essen! Warum?

Zunächst haben die Restaurants etwas davon. Sie werden wohl, wenn Sie eingeladen werden, vielleicht etwas Exklusiveres ausprobieren, und auch den Kaffee zum Dessert nicht abschlagen und gerne annehmen, wenn der Kellner Ihnen nachschenken möchte. Außerdem werden Sie als Gastgeber und Einladender ja auch nicht mit der Grießnockerlsuppe allein dasitzen, während Ihr geschäftliches Gegenüber schlemmt. Und Sie werden saftiges Trinkgeld geben, weil Sie es ja am Ende eh nicht selbst zahlen.

Dann haben die Buchhalter etwas davon. Denn wenn eine Restaurantrechnung auch eine ist, also wirklich konsumiert und ausgestellt wurde, tut sich jeder Buchhalter leichter beim Buchen, weil er sich keine Umwege ausdenken muss. 

Auch die Steuerprüfer erfahren Erfolgserlebnisse, wenn die Kassenbons mit der Abrechnung des Restaurants übereinstimmen, das Reservierungsbuch den Namen aufscheinen lässt oder die Konsumation mit allen anderen Angaben übereinstimmt. Gut gelaunte Steuerprüfer sind für uns alle gut. 

Und letztendlich hat auch der Steuerzahler etwas davon, wenn die Spesen, die eine Partei seinen Mitgliedern einräumt, auch aufgeräumt und sauber verwendet werden. Ich quäle Sie hier nicht mit Begriffen wie Vorbildwirkung oder Anstand, man könnte doch nur einfach ehrlicher sein. Wie schön, wenn wir glauben, beim nächsten Urli-Geburtstag im Nobellokal auch den einen oder anderen Politiker am Nebentisch belauschen zu können?

Gehen Sie doch Schlemmen.

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