21.02.2020

Kommentar: Meine Wiener Woche

Wenn sich in den Skigebieten ab Semmering westwärts die Wirte, Gast- und Unterkunftgeber auf die Energiewochen einstimmen, herrscht immer ein bisserl Ausnahmezustand, meint Margaretha Jurik.

Bei den Gästen selbst (Anreise, Gepäck, Leih- oder eigene Ausrüstung, Skikurs oder nicht, Ketten oder nicht), in den Unterkünften (kommen alle trotz magerer Wetteraussichten der ersten Tage? Woher nehme ich das zusätzliche Personal, wenn alle gleichzeitig kommen?) und in den Skigebieten (wann hört es endlich auf zu regnen? Hält der Schnee den 12 Plusgraden stand?) und in den Küchen der Hütten, Gasthäusern und Apres Ski-Etablissements (Kommen meine Angestellten? Habe ich genug oder zu viel, wenn die Gäste wetterbedingt absagen oder kurzfristig kommen?).

Dann starten die Wiener, die Niederösterreich und die Burgenländer in ihre Semesterferien, dazu einige Deutsche Bundesländer und die Holländer und versammeln sich, diesmal unglaublich staufrei und leise, an den Liften, in den Hotels und Gastronomiebetrieben. Nach geführter Diskussion mit allen Skigegnern (Skifahren ist was für reiche Klimasünder) und Skinarrischen (Ein Österreicher muss Skifahren können) brechen wir aus Überzeugung, Energiesammelwut und Liebe zum Urlaubsland Österreich mit dem Zug auf, um der Skination Brettlnachwuchs zu bescheren.

Bei 50 Prozent meiner aktuellen Nachkommen war ich mit meinen Argumenten erfolgreich, Tochter erklärt sich bereit, mehr Skifahren zu lernen, als von mir pädagogisch möglich, Töchterlein hingegen wehrt sich laut und monoargumentativ, denn ein Schneehaufen würde ihr die ganze Woche als Beschäftigung reichen. (Wenn den nur nicht der angesagte Regen auffrisst.)

Tag eins auf der Piste, es regnet in Strömen, auch auf 1100 Metern Seehöhe. Mutterblick soll sagen: Das wird schon noch! Tochterblick erwidert den Optimismus, Töchterlein grummelt und schaut ein, ist nur mit Palatschinken im angrenzenden Liftstüberl bei Laune zu halten.

Tag zwei auf der Piste, es schneestürmt. Mutterworte: immerhin Schnee, Tochter nickt und fährt Ski, Töchterlein schmollt und wartet auf die Entstehung von Schneehaufen, wir beide trinken heißen Tee im Liftstüberl.

Tag drei auf der Piste, es schneit unaufhörlich, ich rücke die Schneebrille zurecht und sage: Schau wie schön! Tochter fährt tapfer Ski, Töchterlein testet mürrisch Schneehöhen und Schneetiefen der wachsenden Schneehügel, Palatschinken und Tee helfen.

Tag vier ist traumhaft, es scheint die Sonne auf frischen Schnee, die Mutter kommt mit dem Schauen nicht nach, Tochter fährt Ski, Töchterlein verschwindet im nächstbesten Schneehaufen, ich gönne mit einen unbeaufsichtigten Espresso, schnalle die Ski an, und wieder ab, Töchterlein muss Lulu, hat Hunger, Tochter ist fertig.

Tag fünf: Abschlussrennen bei winterlichem Bilderbuchwetter, Töchterlein hat ihren Schneehaufen direkt vor der Unterkunft nicht verlassen, Tochter ist motiviert, kurz vor dem Start, als ich meine Ski eben angeschnallt habe, stürzt sie, ich bringe sie heil den Hügel hinunter und wir geben die Leihski zurück. Medaille bekommt sie trotzdem. Aufgabe teilerfüllt, Tochter fährt (gern) Ski, Töchterlein liebt Schneeurlaub, ich liebe Österreich für die Möglichkeiten für Mütter und Väter und Großeltern, die neben der Skipiste Wache über die Skikursbesuchenden Wache halten, schnell und kinderfreundlich zu essen zu trinken und die Toilette zu benutzen.

Meine persönlichen Highlights der Wiener Woche im Schnee: Töchterlein baut eine Schneekette am Hals ihres Schneeengels nach, Johanna Maier beschert meiner Tochter „das beste Soda Zitron der Welt“, dem Töchterlein genau die Aufmerksamkeit, die es braucht, und mir einen unvergesslichen kulinarischen Abend in Filzmoos am Rande der Wiener Woche.

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