10.09.2021

Kongressbilanz 2020

Über 8.000 Kongresse, Firmentagungen und Seminare generierten im Vorjahr österreichweit rund 720.000 Nächtigungen.

Die heimische Tagungs- und Kongressbranche stand im Jahr 2020 naturgemäß ganz im Zeichen von Covid. Nicht nur, weil zahlreiche Veranstaltungsräumlichkeiten für Covid-Testungen, Impfungen und als Notspitäler genutzt wurden, sondern auch, weil Veranstaltungen nur zwischen den Lockdowns – von Jänner bis März und von Juni bis Anfang November – möglich waren. Als Folge davon kam es im Vergleich zum Rekordjahr 2019 bei den Veranstaltungen zu einem Rückgang von 66 %.

Bei der Teilnehmerzahl wurde ein Minus von 74,5 % verzeichnet und bei den Nächtigungen gab es einen Rückgang von 78,8 %. Dies geht aus den gemeldeten Daten des Meeting Industry Report Austria (mira) hervor.

„Dort wo (und wenn) es möglich war, hat die Tagungs- und Kongressbranche aber auch 2020 gezeigt, dass lokale Einbettung, direkte Kundenbetreuung und die Bereitschaft, sich noch mehr anzustrengen, solide Pfeiler für den Erfolg unserer Mitglieder auch in schwierigen Zeiten sind“, erklärt Gerhard Stübe, Präsident des Austrian Convention Bureaus, der Dachvereinigung der Branche. „Darüber hinaus hat eine offene Kommunikation in Krisenzeiten auch das Vertrauen in unsere Branche gestärkt und so die Voraussetzung geschaffen, im Covid-Jahr 2020 ‚sichere‘  Veranstaltungen abzuhalten“, so Stübe weiter.

ÖW unterstützt die Branche

„Wir haben im Vorjahr gesehen, wie schnell die Branche innovative Lösungen und neue Sicherheitskonzepte entwickelt hat, um Tagungen auch während der Pandemie möglich zu machen, sei es durch hybride Events oder bei bestmöglich abgesicherten physischen Veranstaltungen“ sagt Lisa Weddig, Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW). „Es war der Convention-Sektor, der als erster Pilotversuche mit Covid-Schnelltests für Besucherinnen und Besucher durchgeführt und wichtige Learnings erarbeitet hat“, so Weddig. „Damit unterstreicht Österreich seine  Kompetenz als Allround-Veranstalter von physischen, hybriden und virtuellen Events und positioniert sich einmal mehr als verantwortungsvolles Tagungsland“, ergänzt sie.

Die Highlights

Der Großteil der Veranstaltungen fand unter anderem aufgrund der Reisebeschränkungen, die das Jahr 2020 prägten, mit nationaler Ausrichtung (88 %) statt. Vom inhaltlichen Schwerpunkt kamen diese aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und aus der Humanmedizin.

Bei den Veranstaltungsarten kam es gegenüber dem Jahr 2019 nur zu geringfügigen Veränderungen: Mit 43,7 % schafften Firmentagungen beinahe die Hälfte aller erfassten Veranstaltungen. Nach Seminaren, die knapp ein Drittel (31,2 %) ausmachten, entfiel ein Viertel (25,1 %) auf Kongresse. In Summe generierte die Tagungs- und Kongressbranche im vergangenen Jahr 721.045 Nächtigungen (2019 waren es noch über 3,3 Millionen), dies entsprach knapp einem Prozent der touristischen Nächtigungen in Österreich.

2.145 Kongresse im Jahr 2020

Im Vergleich zu 2019 wurden die meisten Kongresse im Jänner (380), im September (367) und im Oktober (409) abgehalten. Die wenigsten Veranstaltungen wurden für die Monate April, Mai, November und Dezember gemeldet, was auf die landesweiten Lockdowns in diesen Zeiträumen zurückzuführen ist. Der Großteil waren nationale Kongresse (1.752).

Trotz der geringeren Anzahl an internationalen Kongressen (18,3 %) im Vergleich zum Vorjahr (28,3 %) war mehr als ein Drittel (38,7 %) der Kongressteilnehmer internationale Gäste, da Kongresse mit internationaler Ausrichtung eine durchschnittlich höhere Teilnehmerzahl aufweisen. 

Knapp die Hälfte aller Kongress- und Tagungsnächtigungen wurde durch internationale Kongresse (348.000) generiert. Die meisten internationalen Kongressgäste kamen im 1. Quartal sowie in den Monaten September und Oktober. Im Februar waren sogar mehr als die Hälfte der Teilnehmer (57,61 %) internationale Gäste.

Bezogen auf die Veranstaltungszahl waren 2020 besonders Kongresse mit den Themengebieten Wirtschaft und Politik gefragt. Diese setzten sich mit 43 % noch stärker als im Jahr zuvor durch. Auch an der Teilnehmerzahl gemessen, lösten diese Themenbereiche Kongresse im Bereich der Humanmedizin ab.

Veranstaltungen in den Bundesländern

Nach Wien (3.045) wurden die meisten Veranstaltungen in Oberösterreich (1.331), der Steiermark (1.044) und Salzburg (996) erfasst. In den meisten Bundesländern machten Firmentagungen den größten Anteil an Veranstaltungen aus. Nur in zwei Bundesländern war eine andere Veranstaltungskategorie stärker vertreten: In Tirol wurden vergleichsweise mehr Kongresse (49,7 %) und in Wien mehr Seminare (49,5 %) durchgeführt.

An der Teilnehmerzahl gemessen, begrüßten nach Wien (36,6 %) Oberösterreich (13,7 %), Tirol (13,0 %) und Salzburg (11,6 %) die meisten Teilnehmer in ihren Veranstaltungsstätten. Mit 264.767 Nächtigungen bleibt Wien Spitzenreiter (36,7 %), dahinter reihen sich Tirol (24,1 %), Salzburg (11,3 %) und Oberösterreich (9,6 %).

Green Meetings

Die heimische Tagungs- und Kongressbranche legt einen besonderen Stellenwert auf Green Meetings, bei denen die Veranstalter besondere Umwelt- und soziale Anforderungen erfüllen. Anstatt Müllberge und Verkehrslawinen zu verursachen, zeichnen sich „Green Meetings“ unter anderem durch erhöhte Energieeffizienz, umweltschonende An- und Abreise sowie regionale Wertschöpfung aus. Auch die Green Meetings litten 2020 unter Corona und lagen mit 56 deutlich hinter den Jahren 2018 oder 2019, wo es 346 bzw. 211 Meetings gab, die unter diesem Qualitätssiegel liefen. „Bei den Green Meetings sehen wir ein starkes Entwicklungspotenzial. Hier werden wir unsere Kunden wesentlich stärker informieren, was möglich ist, um einen Kongress oder eine Tagung nicht nur inhaltlich, sondern auch
ökologisch nachhaltig umzusetzen“, so Stübe.

www.acb.at/Start/TagungStart/Statistik/mira

(Red)

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