22.09.2021

Konter im Bierkonflikt

Nach der Gründung der „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ samt neuem Siegel und Angriff auf Mitbewerber Brau Union Österreich reagiert dieser auf manche Vorwürfe mit Unverständnis.

Von Vorarlberg bis ins Burgenland gibt es aktuell 309 Brauereien, um fast 100 mehr als noch vor sechs Jahren. Das ist eine der höchsten Brauereidichten weltweit und liefert dem Kunden mehr als 1.000 verschiedene Biere zur Auswahl. Laut Umfrage des Verbands der Brauereien Österreichs stehen Vielfalt und Nachhaltigkeit hoch im Kurs. Mehr als jeder Dritte trinkt am liebsten Bier aus der eigenen Region, bestätigt auch der Bierkulturbericht der Brau Union.

Das Bierland Österreich ist also sehr vielfältig, aber dann doch wieder nicht. So ein Vorwurf von zehn Privatbrauereien, die sich zu einer neuen Vereinigung zusammengeschlossen haben (stammgast.online hat berichtet). Denn deutlich über die Hälfte des in Österreich verkauften Biers wird von Brauereien gebraut, die Teil der Brau Union Österreich sind, die wiederum seit 2003 Teil von Heineken – dem zweitgrößten Brauereiunternehmen der Welt – mit Sitz in Amsterdam ist. 

Arbeitgeber in der Region

„Konkurrenz belebt das Geschäft und fördert die österreichische Bierkultur – ganz besonders durch die diversen Biervielfalten. Wir begrüßen daher jede Initiative, die diese Vielfalt ergänzt“, so Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs & CSR der Brau Union Österreich, in einer ersten Reaktion gegenüber stammgast.online.

Auch den Vorwurf der Privatbrauereien, im Gegensatz zum großen Mitbewerber erwirtschaften diese die „gesamte Wertschöpfung im Inland und zahlen auch hier alle unsere Steuern“ will Straka entkräften: „Die Brau Union Österreich ist mit ihren 2.700 Mitarbeitern ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches regional verankertes Unternehmen mit entsprechend hohen Gewinnen und auch dafür, wie stark sich österreichische Unternehmen in internationalen Konzernen positionieren und dadurch ihre zahlreichen österreichischen Standorte stärken können.“

Teile des Gewinns würden wieder in die österreichischen Standorte und in die österreichische Gastronomie investiert, im Vorjahr zirka 61 Mio. Euro. Die Gruppe leistete 2020 eine Biersteuer von 104,8 Mio. Euro, betont man bei der Brau Union mit den Marken Gösser, Schwechater, Edelweiss, Schlossgold, Zipfer, Puntigamer, Heineken, Desperados, Sol, Wieselburger, Kaiser, Schladminger, Reininghaus, Villacher und Fohrenburger.

Die wirtschaftliche Relevanz der Brauereistandorte, die über ganz Österreich verteilt sind, für die Regionen sei hoch. Der gesamte Einkauf bei österreichischen Unternehmen betrug zuletzt zirka 170 Mio. Euro (Angaben der Brau Union). 73 Prozent des Beschaffungsvolumens, also auch der Grundprodukte wie Getreide oder Hopfen werden innerhalb Österreichs bezogen, bei manchen Brauereien wie in Göss sind es 100 Prozent. „Die Brau Union Österreich trägt somit als die größte Brauerei etwa die Hälfte der gesamten Wertschöpfung aller österreichischer Brauereien“, so Straka und betont das Vorantreiben von Innovationen wie zum Beispiel rund ums alkoholfreie Bier. 

Diskussionen werden bleiben

Die vergangenen 18 Monate haben in Österreichs Braulandschaft tiefe Kerben hinterlassen. Laut Verband der Brauerein wurden im Vorjahr rund 840.000 Hektoliter Fass- und Tankbier weniger verkauft als im Jahr zuvor. Einzelne, vor allem kleine und mittelständische Brauereien, die stark im Gastronomie- und Veranstaltungssektor aktiv sind, berichten von bis zu 70 Prozent Einbußen. Heuer, mit dem Komplettausfall der touristischen Wintersaison und dem Lockdown bis weit in die erste Jahreshälfte hinein, werden die Bilanzen nicht viel besser ausschauen. Zudem setzt die große Marktmacht der Brau Union im Handel den Mitbewerbern zu. 

Schon in den vergangenen Jahren spitzte sich der Konflikt der beiden Seiten zu, neben der Marktkonzentration etwa auch zum Thema Braugerstenpatent. Der Kampf um die Gunst der Kunden verschärft sich nun weiter.  

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