15.03.2022

Krieg und Energiepreise Gefahr für Hotellerie

Den Ukraine-Krieg nahe Österreichs bekommt auch der heimische Tourismus wirtschaftlich zu spüren. Buchungen bleiben zum Teil aus - und die Energiepreise klettern unaufhaltsam in die Höhe.

Es ist das bekannte Bild: Österreich wird vor allem von potenziellen Gästen aus entfernteren Regionen als zu nahe am Konfliktherd empfunden. Hinzu kommen die hohen Corona-Infektionszahlen. „Die Amerikaner haben weniger Flugbuchungen, auch die asiatischen Gäste bleiben aus“, berichtete ÖHV-Sprecher Martin Stanits im Gespräch mit der APA. „Generell haben wir ja überhaupt zwei Jahre Krise mit Corona und dann fehlen weiter die Gäste.“

Die hochschießenden Energiekosten sind ein weiterer Dämpfer für die Betriebe, vor allem für jene mit Spa-Bereich. „Man sieht die Preisentwicklung nicht nur an der Zapfsäule, sondern das spüren auch die Hoteliers – das ist ein Wahnsinn“, so Stanits. Den Zeitpunkt der von der Bundesregierung geplanten ökosozialen Steuerreform sehe die Branchenvertretung daher „kritisch“, merkte er an.

Gregor Kadanke, Fachgruppenobmann Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien weiß, dass selbst bei einem Ende des Krieges die potenziellen Gäste noch einige Zeit verunsichert sind.. Hinzu kämen weitere Faktoren wie die hohe Inflation und steigende Kerosinpreise sowie die Pandemie. Im Vorpandemiejahr 2019 verzeichnete Österreich noch fast 2,05 Millionen Nächtigungsbuchungen von Amerikanern, 2021 waren es nur noch etwas weniger als 375.400 - ein Minus von 82 Prozent. 

Kein Comeback aus dem Osten

Doch auch der Wegfall russischer und ukrainischer Gäste schmerze die Branche besonders. Die Touristen aus dem Osten hätten nicht nur im Lockdown gefehlt, „sondern auch danach, weil Sputnik V in Österreich nicht als Impfstoff anerkannt wird - das führt zu einem De-facto-Einreiseverbot für osteuropäische Gäste“, kritisiert Martin Stanits. Der Buchungsanteil von russischen Gästen betrug im zweiten Coronajahr und damit vor dem Konflikt mit rund 96.000 Nächtigungen lediglich 0,12 Prozent, um 92 Prozent weniger als 2019 (mit 1,19 Millionen).

Aus Russland und der Ukraine kamen großteils sehr ausgabefreudige Touristen, mit rund drei- bis viermal soviel Geld in der Börse als der durchschnittliche Urlauber. „Wenn sie da sind, bleiben sie länger als der Durchschnittsgast und sie konsumieren ordentlich“, berichtete der Hotelierssprecher. So war das zumindest zu Normalzeiten. „Sie blieben sicher eine Woche oder zehn Tage, manche 14 Tage.“ Zupass kam der Branche auch der vorwiegende Reisezeitpunkt im Jänner. 

„Zuallererst muss es darum gehen, das menschliche Leid zu beenden - alles andere ist nachrangig“, war es Stanits wichtig zu betonen. „Wir können die wirtschaftlichen Auswirkungen dennoch nicht außer Acht lassen - es geht um den Lebensunterhalt vieler Menschen, das lässt sich nicht so einfach ausblenden - auch nicht mit dem Verweis auf tatsächlich viel schlimmeres Leid anderswo.“

Ruinöser Kostenanstieg

Bezüglich der steigenden Energiepreise appeliert die ÖHV an die Regierung, eine Energiepreis-Bremse einzubauen. „Ja zur Steuerreform samt CO2-Bepreisung, aber nicht mitten in einem Öl- und Gaspreis-Schock, den wir so noch nicht erlebt haben und dessen Ende nicht absehbar ist“, fordert ÖHV-Präsident Walter Veit.

Der gesamte Dienstleistungssektor werde mit dem Kostenanstieg alleingelassen. Veit: „Dass die Regierung Faymann den Dienstleistern die Energieabgabenvergütung von einem Tag auf den anderen gestrichen hat, rächt sich jetzt bitter. Die Regierung Nehammer kann, nein muss diesen Fehler rasch ausbügeln!“ Eine Verschiebung der CO2-Bepreisung um ein oder zwei Jahre wäre vom „Besten aus beiden Welten“ noch weit entfernt: „Aber es wäre ein Kompromiss, mit dem alle leben können.“

Für die Betriebe wird es jedenfalls schwierig. „Die Regierung braucht Geld? Wir haben keines. Das haben die Energieversorger“, so Veit. Nicht nur die direkten Ausgaben für Energie steigen, auch Zulieferer wie etwa Wäscheservice-Anbieter geben den Kostenanstieg an die Hotels weiter.

Laut ÖHV-Branchenbefragung stiegen die Energiekosten für Hotels schon im vierten Quartal 2021 um 64 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 und seither weiter stark. Für das nächste Halbjahr erwarteten die Unternehmen eine Zunahme der Energiekosten allein durch die ökosoziale Steuerreform um weitere 58 Prozent – noch ohne die Auswirkungen der Ukraine-Krise.

(APA/Birgit Kremser; Red)

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