17.06.2020

Küchenausstatter boykottieren Messe „Gast“

Paukenschlag im Zulieferbereich: Namhafte Großküchenausstatter werden der Fachmesse „Gast“ im Herbst in Salzburg fernbleiben.

Dass Messen stattfinden können, hat ein Regierungsbeschluss vor wenigen Tagen ermöglicht. Ob Messen unter restriktiven Besucher- und Ausstellerbedingungen heuer überhaupt viel Sinn ergeben werden, steht auf einem anderen Blatt.

Einmal mehr trifft das auf die mit Abstand wichtigste gastronomische Fachmesse Österreichs, die „Alles für den Gast“, die traditionell nach Allerheiligen in Salzburg über die Bühne geht, zu. Mit rund 48.000 Besuchern bringt diese Veranstaltung das Salzburger Messezentrum samt seiner gesamten Infrastruktur alljährlich mit schöner Regelmäßigkeit an die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Die Bedingungen für eine heurige Herbst-Gast stehen nicht unbedingt zum besten. Obwohl sich die Regierung von allzu strikten Besuchsbedingungen verabschiedet hat, muss daran gezweifelt werden, dass es heuer auch nur eine annähernd „normale“ Gast geben wird. Zumal auch innerhalb der Gastronomie, Hotellerie und Großverpflegung viel Verunsicherung vorherrscht und durch den zwangsverordneten Shutdown schlichtweg die Budgets für große Investitionen fehlen. Viele Unternehmen fahren betriebswirtschaftlich auf Sicht und zögern bei Neuanschaffungen bzw. überlegen sich diese zweimal.

Diese Ausgangslage nahm die IGÖ – Interessensgemeinschaft der Großkücheneinrichter Österreichs – zum Anlass, diesem Messetermin heuer fernzubleiben. Sprecher der IGÖ ist Herbert Kregl, Geschäftsführer des Spülgeräte-Spezialisten Meiko Austria, der die Absenz beim diesjährigen Messetermin gegenüber HGV PRAXIS so erklärt: „Für uns als Hersteller von Investitionsgütern ist das schlicht und ergreifend eine Kosten-Nutzen-Frage. Und wenn von vornherein schon feststeht, dass man auf einer Messe, wenn überhaupt, dann bestenfalls die Hälfte der Besucher hat, die man normalerweise hat, dann muss ich eine Teilnahme betriebswirtschaftlich schon sehr gut argumentieren. Das wird nicht gelingen. Wenn man dann noch die zögerliche Investitionsbereitschaft – die ja angesichts der Sachlage absolut verständlich ist – dazurechnet, kann sich das nicht mehr positiv ausgehen.“  

„Und“, so Kregl im Nachsatz, „es stellt sich auch die Frage, ob das Veranstaltungsformat Messe seinen Produktlebenszyklus nicht schon überschritten hat. Früher hatten wir fünf Messen, heute sind es zwei. Auch stellen wir bei der Besucherfrequenz eine gewisse Homogenität fest, das heißt, es kommen immer die gleichen. Dabei wäre eine Messe auch für ein zu generierendes Neugeschäft wichtig. Wir stellen fest, dass diesbezüglich digitale Kanäle immer wichtiger werden. Eine Salzburger Gast im Zweijahresrhythmus wäre aus unserer Sicht optimal.“

Und Kregl lässt an der Geschlossenheit seiner Truppe keine Zweifel: „Die IGÖ setzt sich aus 17 Mitgliedern zusammen, von denen knapp die Hälfte in Salzburg ausstellen. Bis auf eine Ausnahme werden jene, die bislang in Salzburg ausgestellt haben, heuer nicht präsent sein. Das ist stand heute“, so Kregl im Gespräch mit HGV PRAXIS (15. Juni).

Der Geschäftsführer geht sogar noch weiter und holte sich Schützenhilfe von Nicht-IGÖ-Mitgliedern. Kregl zu HGV PRAXIS: „Auch die Hersteller Lohberger und WMF werden sich nach jetzigem Zeitpunkt nicht an der Gast in Salzburg beteiligen.“

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