07.05.2015

Kurzurlaube erfordern neue Dienstleistungsgestaltung

Nächtigungsrekord in der Steiermark obwohl Gäste immer kürzer bleiben.

In diesem Jahr veröffentlicht die Hotel- und Tourismusberatung Kohl & Partner zum ersten Mal ihren Report zum Hotelmarkt in der Steiermark. 2014 stiegen die Nächtigungen um 0,9 Prozent auf 11,4 Millionen - ein neuer Höchstwert. Auch die Bettenkapazitäten sind in den letzten zehn Jahren mit einem Plus von 13,3 Prozent deutlich angestiegen. Trotz der zusätzlichen Kapazitäten konnte die Bettenauslastung in diesem Zeitraum gesteigert werden. Ein erfreuliches Signal für die Steiermark.

Ein seit Jahren bekannter Gästetrend stellt die steirische Hotellerie jedoch vor zusätzliche Herausforderungen - die Gäste bleiben immer kürzer vor Ort, die Aufenthaltsdauer in den Hotelbetrieben sinkt. Kohl & Partner legt in diesem Report daher ein besonderes Augenmerk auf die sinkende Aufenthaltsdauer, dieser Gästetrend ist nicht nur in der Steiermark ein festzustellendes Phänomen.

Stärkste Nächtigungsentwicklung im Vier-Sterne Segment

Betrachtet man die touristische Entwicklung der letzten zehn Jahre konnten die Nächtigungen um 16,9 Prozent gesteigert werden. Die Gäste-Ankünfte stiegen gar um 31,3 Prozent. "Das Resultat dieser Entwicklung ist, dass die Gäste immer kürzer vor Ort bleiben", so Daniel Orasche, Partner und Senior Berater bei Kohl & Partner.

Rund zwei Drittel aller Nächtigungen der Steiermark werden durch Hotelbetriebe generiert wobei die 4- und 5-Sterne Hotellerie mit 35 Prozent den traditionell größten Anteil an den Gesamtnächtigungen erzielt. Zudem stiegen die Nächtigungen in diesem Segment um 40Prozent in den letzten zehn Jahren.

Regionen profitieren

In den letzten zehn Jahren haben alle steirischen Regionen ihre Hausaufgaben gemacht" betont Daniel Orasche, Steiermark-Experte bei Kohl & Partner. Den stärksten Zuwachs generierte die Region Graz durch die positive Entwicklung des Städtetourismus.

Von der gesamt positiven Entwicklung der Steiermark konnten auch die Beherbergungsbetriebe profitieren. Die Vollbelegstage Betten stiegen um drei Tage auf 84 (Die Vollbelegstage Betten bescheinigen, an wie vielen Tagen im Jahr die Betten der Betriebe mit Gästen gefüllt waren).

Hotels benötigen heute 30 Prozent mehr Gäste als noch vor 20 Jahren: Durch die sinkende Aufenthaltsdauer der Gäste werden die Beherbergungsbetriebe vor große Herausforderungen gestellt "Der Rückgang ist kein Einzelphänomen und betrifft alle steirischen Tourismusregionen. Diejenigen mit der längsten Aufenthaltsdauer verlieren am meisten" sagt Daniel Orasche und verweist auf die Detailanalysen des Hotelmarktreports.

Die steirischen Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Blieben vor 20 Jahren die Gäste noch durchschnittlich 4,6 Tage in der Steiermark, so reisten sie 2014 schon nach durchschnittlichen 3,2 Tagen ab. Für die steirischen Beherbergungsbetriebe bedeutet das, dass alleine, um die Nächtigungszahl von vor 20 Jahren zu halten, knapp 30 Prozent mehr Gäste erforderlich sind!

Kürzere Aufenthaltsdauer bietet auch Chancen

In einer exklusiven Expertenrunde am Flughafen Graz beleuchtete Daniel Orasche von Kohl & Partner gemeinsam mit Erich Neuhold (Geschäftsführer Steiermark Tourismus) und Gernot Deutsch (Geschäftsführer Heiltherme & Quellenhotel Bad Waltersdorf) den Trend der kürzeren Aufenthaltsdauer der Gäste.

Die Diskutanten waren sich einig, dass der Trend zum Kurzurlaub die Branche vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Vor allem im Marketing, dem Vertrieb und in der Dienstleistungsgestaltung ergeben sich neue Anforderungen. Sich nicht auf die Veränderungen einzustellen, hält der Steiermarkexperte von Kohl & Partner für gefährlich: "Die Entwicklung zu ignorieren, bedeutet zwingend, Marktanteile zu verlieren." Wer sich jedoch auf die Besonderheiten des Kurzurlaubs einstellt, hat seiner Meinung nach die Chance, durch die deutlich höheren Pro-Kopf Ausgaben wesentlich mehr Umsatz zu erzielen.

Kurzurlauber haben generell ein höheres Tagesbudget für ihren Aufenthalt. Durch Flexibilität, Schnelligkeit und Individualität können Betriebe den spendablen Kurzzeitgast gewinnen. Voraussetzung für die erfolgreiche Ansprache sind allerdings laufende Innovationen, den Kunden durch intelligentes Informationsmanagement zu verstehen und daraus ein passendes Zielgruppenmarketing abzuleiten.

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