30.06.2021

Länger warten auf Vorkrisen-Umsatz

Die Nachfrage in den Hotels der Verkehrsbüro Group ziehe seit der Wiedereröffnung am 19. Mai zwar an, für eine vollständige Erholung fehle aber noch einiges - etwa amerikanische und asiatische Gäste. Ohne sie sei ein Aufholen kaum möglich.

Seit der Öffnung verzeichneten die Hotels der Gruppe (Austria Trend Hotels und Bassena) in Summe rund 26.000 Nächtigungen, das sei ein Minus von 76 Prozent gegenüber 2019, sagte Verkehrsbüro-Chef Martin Winkler am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Mehr als die Hälfte der Gäste kamen aus Österreich, über ein Viertel aus Deutschland, der Rest hauptsächlich aus den angrenzenden Ländern sowie Polen und Rumänien. Von 22 Hotels hat das Unternehmen derzeit erst 15 offen. Bei den anderen wolle man noch etwas zuwarten, so Winkler.

Auch bei den Buchungen über die aktuell 75 Ruefa-Reisebüros zeige sich ein Trend für Urlaub in Österreich. Auslandsreisen führen die Österreicher derzeit vor allem nach Griechenland, Italien, Kroatien und Spanien. Der Markt für Fernreisen liegt brach.

Trotz Krise hat das Verkehrsbüro in den Coronajahren 2020 und 2021 in Summe 30 Mio. Euro investiert. Es seien Investitionen in die Zukunft, sagte Winkler. Der Tourismus-Chef erwartet, dass die Stadthotellerie bis 2024 zurückkommt. Derzeit renoviert der Konzern am Wienerberg das 4-Sterne-Hotel Bosei, das ab August mit rund 200 Zimmern eröffnet. Im September 2020 machte das Unternehmen ein Hotel im 13. Bezirk auf. Zwei weitere Häuser in Wien und Ljubljana wurden umgebaut und renoviert. Und ein zweiter Standort der Marke Bassena nach dem Messe Prater sei im 22. Bezirk für das zweite Quartal 2022 geplant. „Ich bin zuversichtlich, dass der Städtetourismus mittelfristig wieder durchstarten wird und wir mit guten Konzepten für sichere Großveranstaltungen international punkten werden“, so Winkler.

Schwieriges Geschäftsjahr

Die Verkehrsbüro Group hat im Coronjahr 2020 massive Einbußen hinnehmen müssen. Der Umsatz sackte um knapp 62 Prozent von 615 Mio. auf 230 Mio. Euro ab. Die Folge waren eine Reihe von Einsparmaßnahmen, darunter auch ein Personalabbau. Ein Viertel der rund 100 Reisebüros wurde geschlossen – bei Ruefa verloren 100 von 600 Mitarbeitern ihren Job, zugleich wurde der Verkehrsbüro-Vorstand von drei auf zwei Personen verkleinert. Außerdem wurde die Zentrale in Wien verlegt und dabei die Büroflächen reduziert. Im Lauf des Jahres werden auch noch die Veranstaltungsbereiche von Eurotours und Ruefa in einer Einheit mit insgesamt rund 100 Beschäftigten gebündelt.

Die Zahl der betriebenen Hotels wurde um gut 10 Prozent von 25 auf 22 reduziert: Auf Basis der Marktentwicklung wurde in Abstimmung mit den jeweiligen Eigentümern bereits im Jahr 2020 der Betrieb der vier Austria Trend Hotels Schloss Lebenberg, Salzburg West, Lassalle und Zoo eingestellt. Seit 1. Juli firmieren zudem die Hotels Rathauspark in Wien und das Hotel Schillerpark in Linz als Radisson Individuals. Damit sind die beiden 4-Sterne-Häuser die ersten zwei Hotels in der gesamten D-A-CH-Region, die als Franchise der neuen Conversion Brand der Radisson Hotel Group beitreten.

Im Hintergrund organisiert sich das Unternehmen zudem neu mit dem Konzernbereich „Verkehrsbüro Hospitality“. Darunter vereinen sich unter einem Dach organisatorisch die Geschäftsbereiche Hotellerie (Austria Trend und Bassena, Franchisepartner von Radisson Blu und Radisson Individuals und Joint Venture mit Motel One) sowie Camping und Hostels, Palais Events mit dem Café Central.

Vorsicht vor der neuen Freiheit

Der größte heimische Tourismuskonzern dürfte erst im Jahr 2025 wieder den Umsatz erreichen, den das Unternehmen im Vorkrisenjahr 2019 erzielte, erwartet Verkehrsbüro-Chef Martin Winkler, der vor der aktuellen Situation warnt: „Bei aller Freude über die Öffnungsschritte, dürfen wir die wieder gewonnenen Freiheiten nicht leichtfertig verspielen. Diese Pandemie ist noch nicht vorbei. Wenn wir auch im Herbst und Winter reisen wollen, ist es essenziell, dass wir uns weiterhin an alle Vorsichtsmaßnahmen halten.“

(APA/Red)

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