24.08.2020

Lafers ehemalige Burg steht zum Verkauf

Die Stromburg soll für 4,5 Millionen Euro einen neuen Betreiber finden. Die Immobilie dürfte aber wegen einer Besonderheit gar nicht so leicht weitergegeben werden können.

Die historische Stromburg, auf der von 1994 bis Ende 2018 der Fernsehkoch Johann Lafer residiert hat, wird durch einen Frankfurter Immobilienhändler, der Filialen in Bingen und auf Ibiza betreibt, zum Kauf angeboten. Als Preis werden 4,5 Mio. Euro zuzüglich 3,57 Prozent Maklerprovision aufgerufen. Es gebe schon einen potenziellen Käufer, der über beste Kontakte zur Promiwelt verfüge, verriet Immobilienmakler Christian Lindstedt auf Anfrage der ahgz. Insider bezweifeln das. Ein Verkauf der Burg hat bis jetzt nicht stattgefunden, sagt  Marc Reiner, Geschäftsführer der Stromburg.

Die Offerte umfasst 40.000 Quadratmeter des Burgberges sowie ein teilweise schon anno 1100 errichtetes und zuletzt 2018 renoviertes Gebäude mit 445 Quadratmetern Wohnfläche in 13 noblen Hotelzimmern und -suiten, so das Exposé des Maklers. Als Zugabe gibt’s (nur noch) ein Restaurant mit je 45 Innen- und Außenplätzen sowie professionell eingerichteter Küche, eine Hotelbar, einen kleinen Saal sowie einen großen, aufteilbaren Saal, in dem gut 200 Gäste an Banketttischen tafeln könnten. Ein Energieausweis, dem zu entnehmen ist, wieviel Arbeit die Gasheizung leisten muss, soll bei der Besichtigung nachgereicht werden.

Lindstedt preist seine Offerte als „einmalige Gelegenheit, ein etabliertes Hotel mit großzügigen Restaurant- und Veranstaltungsbereichen zu erwerben.“ Die Lage im Einzugsgebiet der Finanzmetropole Frankfurt am Main, Wiesbaden und Mainz spreche für sich, unterstreicht Lindstedt. Allerdings ist das Restaurant auf der Stromburg langfristig verpachtet. Das wurde erst nachträglich in das Inserat aufgenommen. Pächter Özgür Dogan hat für sein Steakhaus Antonietta einen längerfristigen Vertrag und auch im Falle eines Verkaufs, was natürlich trotzdem möglich ist, will er definitiv bleiben. Dogan zur ahgz: "Wir konnten nach der kurzen Zeit nach Corona bereits viele Stammgäste begrüßen und haben hauptsächlich positives Feedback bekommen. Wir haben gutes Konzept mit Livemusik und Events."

Überraschter Bürgermeister

Die Tatsache, dass in seinem Exposé der für die Burg geltende Erbbaurechtsvertrag nicht erwähnt wird, erklärte der Makler damit, dass solche Details den ernsthaften Interessenten rechtzeitig mitgeteilt würden. Er beschäftige sich schon seit über einem Jahr mit dem Objekt und sei zuversichtlich, dafür auch einen geeigneten Betreiber mit dem passenden Konzept zu finden. Mit der Stadt Stromberg will Lindstedt erst Kontakt aufnehmen, sobald der Verkauf beschlossene Sache sei.

Stadtbürgermeister Claus-Werner Dapper war überrascht, als er gestern Morgen erfuhr, dass die Stromburg auf dem Immobilienmarkt offeriert wird. Denn die Stadt Stromberg ist nach wie vor der Eigentümer der Immobilie, deren Nutzung und Unterhaltung im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags an die Good Taste GmbH übertragen wurden, hinter der die Investorengruppe Hohnhaus & Jansenberger steht. Diese war mit mehreren Millionen Euro in die Bresche gesprungen, nachdem Lafers wegen Schwierigkeiten mit einem Partner sowie erheblich unterschätze Renovierungskosten und siebenstellige Steuernachzahlungen in finanzielle Schieflage geraten waren.

Auf Wunsch der Kapitalgeber verlängerte der Stadtrat die Laufzeit des Erbbaurechtvertrags für die Burg bis ins Jahr 2053 hinein. Doch der erhoffte Erfolg bei der Bewirtschaftung des Burghotels oder beim Betrieb des Restaurants scheint sich bisher nicht eingestellt zu haben, was die Investorengruppe nun wohl zum Verkauf veranlasst hat. Ein Wechsel des Erbbaurechtnehmers oder sogar ein echter Verkauf der Stromburg an Dritte wäre ohne Zustimmung des Stadtrates jedoch nicht möglich. Ob im Erbbaurechtsvertrag ausdrücklich geregelt ist, dass die Burg ausschließlich gastgewerblich genutzt werden darf, konnte der Stadtbürgermeister gestern adhoc nicht beantworten.

Lafer wollte sich "von allen Ketten befreien"

Gereon Haumann, der Präsident des Dehoga-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, kommentiert den angestrebten Verkauf der Nobelherberge so: „Die Stromburg fungierte viele Jahre lang unter Leitung von Johann Lafer als das gastronomische Flaggschiff der Region. Ich hoffe, dass sie nach einem Verkauf wieder dazu werden wird, und bin überzeugt, dass dort mit dem passenden Konzept gehobene Gastronomie auch wieder betriebswirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann.“

Rückblende: TV-Koch Johann Lafer hatte im Januar 2019 als „großartige Veränderung auf der Stromburg“ angekündigt, sein Gourmet-Restaurant Le Val d’Or zu schließen und stattdessen das schon seit mehr als einem Jahr geschlossene Bistro d’Or als Restaurant unter dem Namen Johanns zu eröffnen. Doch schon im Mai 2019 erklärte er dann, er wolle sich „von allen Ketten befreien“ und verabschiedete sich endgültig von der Stromburg. Seine dort eingestiegenen Geschäftspartner beendeten im gleichen Jahr die Geschäftsbeziehung mit Lafer.

Anfang März 2020 erklärten die Investoren Wolfgang Hohnhaus und Peter Jansenberger, deren neue Gesellschaft Good Taste GmbH die Stromburg seit zwei Jahren zusammen mit Johann Lafer geführt und inzwischen vollends übernommen hatte, dass es einen neuen Pächter fürs Johanns gebe: Aber Özgür Dogan (40) und seine Ehefrau Antonietta (42) wurden vom Corona-Lockdown kalt erwischt und mussten ihr Steakhaus schon kurz nach der Eröffnung wochenlang schließen.

(ahgz / norbert krupp)

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