14.06.2022

Lehrlingszahlen erholen sich langsam

Die steigende Zahl an Lehrvertragsabschlüssen in Tirol und Oberösterreich bringt ein wenig Entlastung für Betriebe. Diese könnten aber auch auf Nachholeffekten beruhen.

Erst letzte Woche meldete das Bundesland einen erfreulichen Trend: die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge – generell über alle Branchen hinweg – steige wieder, hieß es aus der Wirtschaftskammer. Nun bestätigte das Bundesland Oberösterreich diese Entwicklung. Ende Mai lagen die Lehrvertragsanmeldungen im Tourismus um mehr als 117 Prozent über dem Vorjahresvergleich und um fast 66 Prozent über dem Vergleichswert des Jahres 2020. Bei den Lehrverträgen im 1. Lehrjahr sind dies zum Stichtag 31. Mai in Zahlen ausgedrückt 335, während es im Vorjahr corona-bedingt lediglich 279 und im Jahr davor 324 waren.

Für die Obmänner der oö. Gastronomie und Hotellerie, Thomas Mayr-Stockinger und Gerold Royda, ist dies eindeutig ein positives Signal, zumal sich die aktuellen Zahlen auch bis auf weniger als 10 Prozent den vergleichbaren Werten des Jahres 2019 – also noch vor der Corona-Pandemie – annähern. Anders ausgedrückt bedeutet das, man liege zwar immer noch hinter den Lehrlingszahlen von 2019, aber eben nicht mehr weit. Ein Erreichen des Vorkrisenniveaus steht somit im Raum.

Es gibt wieder Schulabbrecher

Ein Hauptgrund für das Einbrechen der Lehrlingszahlen liegt laut Experten darin begründet, dass junge Menschen im Pflichtschulalter in gewisser Weise „durchgetragen“ wurden. Das heißt: gerade noch positiv beurteilt wurden, um die Klasse nicht wiederholen zu müssen. Diese Corona geschuldete Vorgangsweise verhinderte, dass Schulabbrecher in den Arbeitsmarkt drängten, was sich direkt auf schlechtere Lehrlingszahlen auswirkte. Neben Bemühungen um die Attraktivität der Berufsbilder ist es eben auch eine Tatsache, das Jugendlichen oft nur der Ausweg einer Lehrstelle bleibt, zumal die Leistungen für eine weitere Schulbildung nicht ausreichen. Man kann in diesem Zusammenhang somit auch von einem Nachholeffekt sprechen, der aufgrund strengerer Maßnahmen in den Pflichtschulen eben wieder Schulabbrecher produziert, die den Weg in den Arbeitsmarkt suchen.

Ein Indiz für die leichte Entspannung liefert auch die Subbranche der Großverpflegung. Manfred Ahorner, Küchenleiter im UKH Linz freut sich, wieder einen Lehrling beschäftigt zu haben, wie er im Stammgast.Online-Gespräch erklärt: „Wir haben die Stelle ganz normal über unsere üblichen Kanäle ausgeschrieben und siehe da, es hat sich in der Tat jemand gemeldet. Die junge Dame war bereits „Schnuppern“ in der Küche und wird im September mit ihrer Lehrlingsausbildung beginnen.“

Die Branche hat ihre Stärken

Royda und Mayr-Stockinger verweisen aber auch auf vielfältige Maßnahmen, die die Berufsfelder im Tourismus attraktiv machen. Erst bei den jüngsten Staatsmeisterschaften der Tourismusberufe waren die Teilnehmer aus Oberösterreich mit drei Gold- und sechs Silbermedaillen höchst erfolgreich. Für Mayr-Stockinger und Royda ein klarer Beweis dafür, dass die jungen Leute – bestens ausgebildet und motiviert – optimal für ihre alltäglichen Aufgaben gerüstet sind, nämlich die Gäste kompetent und freundlich zu bedienen und somit als „touristische Visitenkarte“ für Oberösterreich aufzutreten.

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