15.02.2021

Lockdown bis Ostern für Gastro und Hotellerie

Ein konkretes Datum, wann die betroffenen Branchen aufsperren dürfen, gibt es nicht. Am 1. März wolle man aber erneut beraten, sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montagnachmittag nach Beratungen mit Experten, Ländern und den Parlamentsparteien.

Die Gasthäuser und Restaurants sind zur Eindämmung des Coronavirus seit 2. November 2020, also seit 15 Wochen, geschlossen, ebenso Hotels für Urlauber. Auch Kulturbetriebe und Freizeiteinrichtungen wie Theater und Kinos sind seither zu.

Die Hoffnung auf Öffnungsschritte ab 1. März waren in der Branche zuletzt geringer geworden, heute kam die Bestätigung der Verlängerung aufgrund der unsicheren Situation wegen der Mutationen. Am 1. März wird es ein neues Beratungstreffen geben. Dann erst können weitere Öffnungsschritte bekannt gegeben werden. 

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sprach in der Pressekonferenz von einem Risiko durch den geöffneten Handel. Die Zahlen der Neuinfektionen müsse man genau beobachten. Wie man Öffnungsschritte für Kultur, Gastrostätten und Freizeitsport setzen kann, gehöre überlegt, sagte Ludwig. Wenn die Gastronomie vor Ostern nicht geöffnet wird, wird es auch keine Öffnung von Schanigärten geben, betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Bis zur Durchimpfung geschlossen?

„Insgesamt mehr als sechs Monate Lockdown seit Beginn der Coronakrise sind genug. Es ist deshalb besonders schmerzhaft, dass es für die touristischen Branchen Gastronomie und Hotellerie weiterhin keine Perspektive zur Wiedereröffnung gibt“, kommentieren Mario Pulker und Susanne Kraus-Winkler, die Obleute der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die jüngste Entscheidung der Regierung.

Das Virus und allfällige Mutationen werden uns noch länger begleiten, deshalb müssen gangbare Wege gefunden werden, um damit umzugehen. Es könne keine Lösung sein, die heimische Gastronomie bis zur Durchimpfung und bis zur erfolgreichen Bekämpfung aller auftretenden Virusmutationen geschlossen zu halten. 

Kraus-Winkler: „Bereits vor sechs Wochen haben wir mehrfach konkrete Ideen und Vorschläge, etwa der Notwendigkeit von Gästetestungen, dazu in Richtung des zuständigen Gesundheitsministeriums kommuniziert. Es ist bedauerlich, dass offenbar bis dato keine eingehende Auseinandersetzung mit unseren Konzepten stattgefunden hat.“ 

Die oberste Hotellerie-Sprecherin zeigt sich überzeugt, dass zum momentanen Zeitpunkt – aufgrund der verschärften Situation in den wichtigsten Herkunftsmärkten – bei weitem nicht alle Hotels gleich aufgesperrt hätten: „Für jene Betriebe, die gerne sobald als möglich gestartet wären, etwa, weil sie ihren Fokus auf dem Inlandsmarkt haben, ist die heutige Entscheidung mehr als enttäuschend.“

„Wir sind nicht das Problem“

Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, fordert endlich ein rasches Ende der Abwärtsspirale im Tourismus. Es braucht eine Zukunftsperspektive. Dass der Tourismus nicht einmal mit hoher Auslastung im Pandemie-Geschehen eine Rolle spielt, bewies der Sommer. „Schlechtere Auslastung, bessere Hygienekonzepte, nur die Hotels sind und bleiben gleich sicher!“, so Reitterer.

Auch die viel gescholtenen Seilbahnen seien kein Infektionstreiber: „Tirol ist das Bundesland mit den wenigsten Neuinfektionen, trotz Südafrika-Mutante“, will Reitterer vom Bundesländer-Bashing wegkommen hin zu einer sachlichen Einschätzung auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten: „Die sprechen eine klare Sprache. Wir sind nicht das Problem.“

Teststraßen in Hotels zum Teil der Lösung machen

Reitterer schlägt vor, die Hotel-Infrastruktur in die Test-Konzepte einzubeziehen: „Seit im großen Stil getestet wird, haben wir die Zahlen im Griff. Das ist der richtige Weg.“ Jedes zweite Hotel will laut ÖHV-Befragung eine eigene Teststraße einrichten: „Machen wir die Hotels zum Teil der Lösung. So geben wir Österreichs Wirtschaft eine Perspektive“, schlägt die Branchensprecherin vor.

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