14.04.2017

Maria Theresia ist schuld am Most

Start in die Ausflugssaison in Niederösterreich: Ein Fokus im heurigen Kulturfrühling liegt auf "Kaiserin'' Maria Theresia, die in Niederösterreich zahlreiche Spuren hinterlassen hat.

Auch abseits von Vitrinen und Katalogen sind in Niederösterreich die Wege und das Wirken von Habsburgs mächtigster Herrscherin zu entdecken: Ohne sie gäbe es im Mostviertel keinen Most, im Waldviertel keine Erdäpfel und in der Thermenregion keine Schwarzföhre. 1717 als älteste Tochter von Kaiser Karl VI. und Elisabeth Christina von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren, bestieg Maria Theresia mit bereits 23 Jahren als erste Frau den Habsburgerthron. Dort sollte sie sich, nachdem sie sich in einem Mehrfrontenkrieg gegenüber Europas anderen Herrschern durchsetzen konnte, zu den bestimmenden Regentinnen des aufgeklärten Absolutismus entwickeln und durch ihre Reformen in den Bereichen Verfassung, Bildung und Wirtschaft Österreichs Geschicke bis in die Gegenwart mitprägen.

Maria Theresia war nicht nur eine sehr fürsorgliche Mutter von 16 Kindern, sondern begriff sich auch als Landesmutter, die sich mit starker Entschlusskraft selbst um scheinbare Bagatellen kümmerte. So verordnete sie im Mostviertel die Anpflanzung von Streuobstbäumen entlang sämtlicher Landes- und Bezirksstraßen und sorgte damit für einen Most-Boom, der bis heute anhält. Sie ließ im Waldviertel die ersten Erdäpfel versuchsweise im Freiland aussetzen und begründete damit die große Erdäpfeltradition in dieser Region. Und sie gebot, im Steinfeld und in der Thermenlinie weitläufige Föhrenwälder anzulegen, um eine Versteppung der trockenen Landschaft zu verhindern.

In Maria Theresias Schlössern

Einige Aspekte der zwiespältigen Persönlichkeit werden im heurigen Jubiläumsjahr in mehreren Ausstellungen näher beleuchtet, an historischen Orten, die in engem Zusammenhang mit dem Wirken von Maria Theresia stehen. 1755 erwarb sie Schloss Hof und schenkte das prachtvolle Anwesen ihrem geliebten Gatten Franz Stephan von Lothringen, damit dieser sich hier "von der Last des Regierens erleichtern'' konnte. Österreichs größte Schlossanlage auf dem Lande thematisiert in einer Sonderausstellung die "Bündnisse und Feindschaften'' der Regentin und gibt spannende Einblicke in die Politik der damaligen Zeit. Neben Kriegen und Schlachten kommt auch das Elend der einfachen Soldaten zur Sprache.

Schloss Niederweiden wurde von Maria Theresia sozusagen im Package mit Schloss Hof erworben. Das Jagdschloss widmet sich in seiner Ausstellung "Modernisierung und Reformen'' den Reformbemühungen der Herrscherin, die wesentlich nachhaltiger waren als ihre militärisch-politischen Erfolge oder Niederlagen. Im Festsaal des Schlosses werden die Denker ihrer Reformen dargestellt, sei es Gerhard von Swieten mit der Universitätsreform oder Joseph Leopold von Daun mit der Militärreform und Gründung der Militärakademie in Wiener Neustadt.

Zahlreiche Spuren der Kaiserin

Stift Klosterneuburg, das von Maria Theresias Vater Karl VI. prachtvoll erweitert wurde, widmet sich in seiner Jahresausstellung "Kirche, Kloster, Kaiserin. Maria Theresia und das sakrale Österreich'' der kirchlichen Kultur der Barockzeit. Und Stift Göttweig, wo sie 1746 mit ihrem Gemahl zu Gast war, zeigt in der Sonderausstellung "Maria Theresia - Zu Besuch in Stift Göttweig'' Grafiken, Bücher und Münzen aus der hauseigenen Sammlung zu Maria Theresia und ihrer Zeit - darunter auch ein Fragment des persönlichen Schreibheftes der Kaiserin.

Mit Schloss Laxenburg, das unter Maria Theresia zu heutiger Größe ausgebaut wurde und das zum Lieblingsschloss von Gemahl Franz Stephan von Lothringen avancierte, und der Burg in Wiener Neustadt, die von ihr zur Theresianischen Militärakademie umgewandelt und damit zum Herzstück ihrer Militärreform wurde, besitzt Niederösterreich zwei weitere große historische Anlagen mit starkem Bezug zu Maria Theresia. Aber auch dort, wo man es eher nicht vermuten würde, trifft man auf Spuren der Jubilarin: Zum Beispiel in der Nadelburg bei Lichtenwörth, wo bereits 1747 in der sogenannten "Nadelfabrik'' erstmals in Österreich Gegenstände maschinell gefertigt wurden. Maria Theresia förderte diese Fabrik, die heute als einzige noch verbliebene Anlage dieser Art in Europa gilt in besonderem Maße, sie gilt als "Wiege der Industrialisierung'' in Österreich. Oder das an der Via Sacra gelegene "Cafe Maria Theresia'' in Kaumberg im Wienerwald, das so heißt, weil hier Maria Theresia auf dem Weg nach Mariazell nächtigte und wo man heute noch das sogenannte "Kaiserzimmer'' mit seiner einzigartigen Stuckdecke besichtigten kann.

www.mariatheresia2017.at

 

Newsletter bestellen

Mediadaten