04.03.2021

Mehr Platz für die Gastronomie

Seit 2013 analysiert Standort + Markt den Handel in den zwanzig größten Städten Österreichs und führt penibel Buch über alle Veränderungen im Branchenmix. Überraschenden Zahlen gibt es für die Gastronomie. 

Die jüngste Erhebung wurde zwischen September und November 2020 – also zwischen den Lockdowns – durchgeführt. Vielleicht die größte Überraschung: Der Leerstand in den heimischen Innenstädten ist gegenüber dem Vorjahr allen Unkenrufen zum Trotz (noch) nicht angestiegen und liegt konstant bei 5,9 %. Ansonsten fanden in den heimischen Geschäftsstraßen jene Trends ihre Fortsetzung, die sich schon seit Jahren beobachten lassen.

So hat sich die Geschäftsfläche in den innerstädtischen Geschäftszonen weiter reduziert. Vormalige Handels-, Gastronomie- oder Dienstleistungsflächen wurden in Wohn- oder Büroräumlichkeiten, aber auch Arztpraxen, Ämter o. ä. umgewandelt. Gesteigert hat sich hingegen der Flächenanteil, der von der Gastronomie bespielt wird. Belegte die Branche in den Jahren 2014 bis 2017 konstant 12,8 % der City-Geschäftszonen, wurde der Flächenanteil seither auf 13,4 % ausgebaut. 

Ausblick: City ohne Handel?

Größter „Verlierer“ laut dieser Untersuchung ist der Bekleidungshandel. Das deutet laut Standort + Markt auf einen dramatischen Wandel der Funktionalität der Innenstädte hin. Viele „Zombie-Unternehmen“ würden in den nächsten Monaten vom Markt verschwinden und was nachfolgt, ist noch ungewiss. Dies hat auch Auswirkungen auf das Tourismusangebot.

„Bei zahlreichen Citys ist heute bereits zu erkennen, dass wohl kaum mehr ausreichendes Shop-Mieterinteresse vorhanden ist“, sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort + Markt. Städte müssten sich zunehmend dafür entscheiden, in gewissen Zonen „zum geordneten Rückzug zu blasen“ und andere Zonen durch zielgerichtete und Frequenz-fördernde Nutzungsverdichtung zu festigen. Ein wichtiges Thema in Bezug auf die bauliche und strukturelle „Hardware“ einer Stadt sei „die Ausbildung von Achsen, Plätzen und Toren“. Vorstellbar sei aber auch das „Bratislava-Modell“ einer durchaus attraktiven, und vor allem dank der Gastronomie gut frequentierten Innenstadt, in der jedoch kaum Handel stattfindet. 

(Autor: Manuel Friedl)

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