15.06.2020

Mehrwertsteuersenkung auch für Hotels gefordert

Die von der Regierung angekündigte Mehrwertsteuersenkung auf 5 Prozent für Gastronomie, Kultur und Medien ruft auch andere Branchen auf den Plan.

Allein in der Gastronomie werde die Senkung der Umsatzsteuer eine Entlastung von 700 Mio. Euro bewirken, für den Bereich Kunst und Kultur seien es 150 bis 200 Mio. Euro, rechnet man seitens der Regierung vor. "Die Senkung der Mehrwertsteuer auf 5 Prozent sollte nun unbedingt auch auf Übernachtungen erfolgen", sagte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der WKO. Für Übernachtungen gilt ein Steuersatz von 10 Prozent.

"Gleiches Recht für alle - denn wieso sollte das Schnitzel steuerlich begünstigt werden, die Nacht in der Pension allerdings nicht?", so NEOS-Wirtschaftssprecher und Hotelier Sepp Schellhorn. 

„Bitte nicht auf Beherbergung vergessen!“

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke sei sehr zu begrüßen, der verringerte Satz sollte auch auf Übernachtungen zur Anwendung kommen, fordert man auch bei der Prodinger Tourismusberatung. Österreich dürfe keinen weiteren Wettbewerbsnachteil gegenüber vielen Staaten in einer solchen Situation erfahren, insbesondere da die meisten Gäste im Tourismus Privatgäste sind und damit keinen Vorsteuerabzug haben.

Umsatzsteuerlich erbringt das Hotelunternehmen eine Reihe von Leistungen, die sonst in Zukunft mit verschiedenen Steuersätzen zu versteuern sind. "Die Aufteilung des Preises in die unterschiedlichen Leistungskomponenten stellt das Hotel dabei vor eine fast unlösbare Aufgabe", fasst Marco Riederer von der Prodinger Tourismusberatung zusammen. Das gilt auch dann, wenn Zusatzleistungen zugekauft und nicht direkt im Hotel erbracht werden.

Die Unterschiede zu den Nachbarn

Die Covid-19 Maßnahmen in anderen Ländern sind dadurch gekennzeichnet, dass maßgebliche Konkurrenzmärkte die Mehrwertsteuer ebenfalls im Beherbergungsbereich gesenkt haben, insbesondere Deutschland (5 %) aber auch direkte Mitbewerber im Nicht-EU-Raum, wie die Schweiz mit einer ermäßigten Mehrwertsteuer von 3,7 % auf Beherbergung. Die Differenz der Nettoeinnahmen zwischen einem Hotel in Österreich und einem Hotel in Deutschland beträgt 6,26 Prozent.

In der Schweiz ist es außerdem grundsätzlich möglich, Packages (Skipackages, Kulturpackages, etc.) zum Sondersatz für Beherbergung von 3,7 Prozent abzurechnen. Voraussetzung dafür ist, dass der kalkulatorisch nachweisbare Anteil der Beherbergung in einem Package 70 Prozent oder mehr beträgt.

Bei den Corona-bedingten Umsatzeinbußen für die Hotels hat die Prodinger Gruppe ein Minus von 2,8 bzw. 3,3 Milliarden Euro errechnet. Erschwerend kommt hinzu, dass auf Grund der geringeren Auslastung auch die Preise unter Druck geraten.

(APA/Red)

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten