09.10.2020

Michi Walchhofer for President

Warum der ehemalige Rennläufer und Ex-Weltmeister als neuer Präsident des ÖSV eine Idealbesetzung wäre. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Im mächtigsten und höchstdotierten Skiverband der Welt steht ein Generationswechsel bevor. Langzeittrainer und Alpindirektor Hans Pum aus dem Mühlviertel nahm bereits den Hut. Und – mit nahezu 50 Jahren Dienstzeit – fast schon ewiger Generalsekretär, scheidet der Linzer Jurist Klaus Leistner ebenfalls aus dem Gremium. Fehlt für einen Neuanfang nur noch der Präsident. Peter Schröcksnadel hat seinen Abschied bereits angekündigt, feilt aber noch an seiner Nachfolge.

Nun wird darüber spekuliert, ob nicht der Pongauer Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer die Nachfolge Schröcksnadels als ÖSV-Präsident antreten könnte. Um es frei herauszusagen: Aus touristischer Sicht wäre der schlaksige Fast-Zwei-Meter-Mann eine Idealbesetzung. Und ein wohltuender Kontrapunkt zur derzeitigen Führung.

Verhältnis neu definieren

In ihrem Selbstverständnis legte die ÖSV-Führung in Bezug auf den touristischen Erfolg Österreichs eine ähnliche Überheblichkeit an den Tag wie der Museumsdirektor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, der der Meinung ist, dass sein Museum die Gästebetten der Bundeshauptstadt füllt und sonst nichts. Auch im ÖSV sieht man sich als die wahren Tourismusminister. Zumindest im Wintersport sorge der Verband für Werbewert in Milliardenhöhe, das möge man doch respektieren und sie schalten und walten lassen. Nach bewährter Gutsherrenart fordert man Förderungen in Millionenhöhe, wenn es um die Ski-Events geht. Doch jetzt während der Pandemie schaut es ein wenig anders aus. FIS-Rennchef Waldner sprach von einem „Kampf ums Überleben“, weil plötzlich Rennen ohne Zuschauer stattfinden müssen. Die Rennen in Nordamerika wurde kurzerhand komplett abgesagt. Das Verhältnis Skisport und Tourismus gehört längst neu definiert.

Erfolgreicher Hotelier

Was darf man von Michael Walchhofer nun erwarten? Der erste und wichtigste Punkt: Er ist Hotelier und ein erfolgreicher noch dazu. Gemeinsam mit seinem Bruder Rupert führt er in Zauchensee ein beträchtliches Reich an Gästezimmern und versteht es blendend, den Markt richtig einzuschätzen. Zum Stammhaus baute der Walchhofer-Clan vor einigen Jahren noch ein Smart-Budget-Hotel dazu, weil es darum ging, wie er selber sagt „auch die junge Klientel und vor allem Familien wieder zum Skifahren zu bewegen“. Walchhofer durchlief die ÖHV-Unternehmerakademie weil er nur zu gut weiß, dass sich seine Hotels nicht von selber füllen. Dabei hat er es noch leichter, weil sein Name und sein Weltmeistertitel geschickt als Marketingtools einsetzbar sind.

Mann des Ausgleichs

Der zweite, wichtige Punkt: Michael Walchhofer ist in seiner besonnenen Art auf jeden Fall ein Vermittler und kein Polterer. Dabei sollte man nicht den Fehler machen, diese Bedachtheit zu unterschätzen, denn in der Durchsetzung seiner Überzeugungen lässt er nichts an Vehemenz vermissen. Genau das könnte das große Plus eines künftigen ÖSV-Präsidenten Walchhofer sein. Er kennt die Nöte der Hoteliers und Gastronomen. Er weiß, welche Profi-Bedingungen der Rennsport braucht und er ist sich nicht zu schade, sich genau dafür einzusetzen. Der ureigene Link zwischen Skisport und Tourismus war in der Vergangenheit nicht immer spürbar. Hier wären noch viele Potenziale zu heben. Mit diesem Mann an der Spitze könnte das gelingen.

Und der dritte Aspekt: Michael Walchhofer ist über jeden skifahrerischen Zweifel erhaben. Da können ihm nur wenige das Wasser reichen.

 

 

 

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten