28.09.2020

Ministerin unterstützt Initiative gegen LM-Verschwendung

Erster Welttag gegen Lebensmittelverschwendung: Klimaschutzministerin Gewessler sieht Lebensmittelabfallvermeidung als große Chance für den Klimaschutz und setzt auf Bewusstseinsbildung.

Rund ein Drittel der für den menschlichen Verzehr gedachten Lebensmittel wird laut FAO jedes Jahr weltweit entsorgt. Auch in Österreich fallen jährlich mehr als 500.000 Tonnen genießbarer Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette als vermeidbarer Lebensmittelabfall an. Anlässlich des Ersten Welttags gegen Lebensmittelverschwendung am 29. September präsentiert das Bundesministerium für Klimaschutz; Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft und Betreibern von Großküchen in Personalrestaurants und Gesundheitseinrichtungen erfolgreiche Wege zur Vermeidung von Lebensmittelabfall. Mit einer Informationskampagne soll auch den Konsumentinnen und Konsumenten gezeigt werden, wie sie – auswärts als Gast aber auch zuhause – zum Kampf gegen Lebensmittelabfall beitragen können. „Abfallvermeidung ist ein entscheidender Schritt zum Klimaschutz und wir haben diesbezüglich noch viel vor uns. Wäre die globale Lebensmittelverschwendung ein Staat, so wäre es der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen weltweit. Wir alle können durch bewussteren Umgang mit unseren Lebensmitteln viel Gutes bewirken und damit gleichzeitig gegen Lebensmittelverschwendung und die Klimakrise ankämpfen“, fasst Klimaschutzministerin Leonore Gewessler die Botschaft rund um den UN-Welttag zusammen.

Nachhaltige Vermeidung von Lebensmittelabfällen als Ziel

In Österreichs Haushalten landen rund 157.000 Tonnen Lebensmittel (verpackt und unverpackt) sowie vermeidbare Speisereste allein im Restmüll. Im Lebensmitteleinzelhandel fallen rund 74.100 Tonnen nicht mehr marktgängige Lebensmittel an. Weitere 175.000 Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle sind der Hotellerie, der Gemeinschaftsverpflegung in Betriebskantinen und Gesundheitseinrichtungen sowie der Gastronomie zuzuordnen. Mit der Initiative „Lebensmittel sind kostbar!“ – einer vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) koordinierten Stakeholder-Plattform – wird eine nachhaltige Vermeidung und Verringerung von Lebensmittelabfällen angestrebt. Neben Bewusstseinsbildung und Informationskampagnen, dem Ausbau der Weitergabe von noch genießbaren Lebensmitteln und der Förderung von Forschungsaktivitäten, unterstützt das BMK auch Optimierungen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette. Unter anderem wurde ein gefördertes Beratungsprogramm für Küchenbetriebe der Gastronomie und Hotellerie entwickelt und ein Lebensmittelabfallmonitoring und – management-System für Großküchen etabliert.

„Nix übrig für Verschwendung“ in österreichischen Großküchen

„Die Gemeinschaftsverpflegung versorgt als systemrelevante Branche Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindergärten, Schulen, Betriebe, Kasernen und Justizanstalten. Als Großverpfleger haben wir auch eine besondere Verantwortung im Umgang mit Lebensmitteln“, erklärt Michael Freitag, Vizepräsident des Dachverbands der österreichischen Gemeinschaftsverpflegung (GV Austria) und Country President von Sodexo Österreich.

Im Rahmen der Initiative „United Against Waste“ (UAW) setzen die teilnehmenden 18 öffentlichen und privaten Betreiber von Großküchen in ganz Österreich seit 2017 ein umfassendes Maßnahmenprogramm um, damit weniger vermeidbare Essensabfälle in der Tonne landen.

„Abfallvermeidung in Großbetrieben ist auch eine Frage der wirtschaftlichen Effizienz. Mit United Against Waste bieten wir Küchenbetrieben eine breite Palette an Hilfestellungen und Programmen, mit denen gezielte Einsparungen beim Abfall – und damit auch bei den Kosten und Umweltauswirkungen – gelingen. Über 150 Großküchenstandorte nehmen etwa an einem Monitoring ihrer Lebensmittelabfälle teil, um die Abfallmengen laufend im Blick zu haben, sich mit anderen zu vergleichen und gezielt Maßnahmen setzen zu können“, erklärt Thorsten Schwede, Geschäftsführer von Unilever Food Solutions, Wirtschaftspartner und Mitbegründer der Brancheninitiative. Das Programm kann bereits Erfolge verzeichnen: „Durch die laufende Beobachtung des anfallenden Abfalls und die von den Betrieben gesetzten Maßnahmen konnte die Abfallquote von 2018 auf 2019 im Schnitt um 8 Prozent reduziert werden“, so Schwede. Die Ursachen für Lebensmittelabfall in Großküchen sind vielfältig. Zum Teil sind Standardportionen zu groß dimensioniert oder es fehlt an Wahlmöglichkeiten was Portionsgrößen oder Menübestandteile betrifft. Dies führt verstärkt zu Tellerresten. Zu große Gefäße am Salatbuffet oder für Suppen erhöhen die Abfallquote, denn die Buffetreste müssen nach Buffetschluss entsorgt werden.

„Die stetige Analyse im Rahmen des Abfallmonitoring-Programmes hilft unseren Mitarbeitern, sinnvolle Maßnahmen auszuarbeiten und direkt umzusetzen. Dazu zählen beispielsweise die freie Auswahl bei den Portionsgrößen bzw. einzelner Speisenkomponenten sowie die Nachbestückung von Buffets in kleineren Einheiten. Das wird gut angenommen und bestärkt uns im Engagement einen wichtigen Beitrag zur Abfallvermeidung in unserer Branche zu leisten“, so Lorenz Halm, Geschäftsführer von SV Österreich.

Herausforderungen in der Verpflegungslogistik in Gesundheitsbetrieben

Die Covid19-Krise hat auch die österreichischen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in den letzten Monaten ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Lebensmittelabfall ist dort ebenso ein Thema: „Patientinnen und Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen werden mit Essen und Getränken von Frühstück, Mittagessen, Abendessen bis Jause voll versorgt. Wechselnder Appetit und Gesundheitszustand, komplexe Verpflegungsstrukturen, der Bedarf an Sonderkostformen und die Einhaltung strenger Hygienerichtlinien stellen in der Verpflegungslogistik von Pflegeheimen und Krankenhäusern eine besondere Herausforderung dar“, erklärt Michael Freitag. Dies führt dazu, dass am Ende des Tages in Gesundheitseinrichtungen viele noch genießbare Lebensmittel entsorgt werden müssen. Das Monitoring der Initiative United Against Waste in ganz Österreich aus dem Jahr 2019 hat gezeigt: Das Verhältnis von vermeidbarem Lebensmittelabfall im Vergleich zum ausgegebenen Essen lag 2019 in österreichischen Krankenhäusern (31 %) und Pflegeheimen (26 %) deutlich über jenem von klassischen Betriebsrestaurants (13 %).

Ein neues Forschungsprojekt im Rahmen der Abfallvermeidungsförderung der österreichischen Sammel- & Verwertungssysteme (SVS) soll ab 2021 insbesondere die Bestellsysteme in Kranken- und Pflegeheimen und deren Einfluss auf das Lebensmittelabfallaufkommen unter die Lupe nehmen. Denn Patientinnen und Patienten erhalten – unabhängig von Appetit oder persönlichen Präferenzen – oft (zu große) Standardportionen oder ganze Menüs mit Suppe, Salat, Haupt- und Nachspeisen, welche oft nicht aufgegessen werden. Zudem sind manche Bestellsysteme nicht flexibel und Essen wird geliefert, obwohl der betreffende Patient aufgrund einer Behandlung oder Entlassung gar nicht anwesend ist.

Konsumverhalten kann entscheidend mitwirken

Im Rahmen der Aktionswoche „Nix übrig für Verschwendung“ rund um den Ersten Welttag gegen Lebensmittelabfall beziehen die beteiligten Betriebsrestaurants, Krankenhäuser und Pflegeheime auch ihre Gäste, Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und zeigen Handlungsmöglichkeiten auf: „Wenn Gäste aktiv Wahlmöglichkeiten nutzen, nach ‚Bauchgefühl‘ die richtige Portionsgröße bestellen, Verständnis zeigen, wenn gegen Küchenschluss nicht mehr alles verfügbar ist und aktiv ihre Wünsche und Bedürfnisse kommunizieren, ist das eine große Unterstützung bei unseren eigenen Bemühungen gegen Lebensmittelabfall“, appelliert Freitag an die Konsumentinnen und Konsumenten. Diese Botschaften werden über Plakate, Freecards, Sticker, auf Menüplänen und Bildschirmen sowie via Social Media von den an der Aktionswoche teilnehmenden Großküchen verbreitet. Den Konsumentinnen und Konsumenten kommt in der Abfallvermeidung eine tragende Rolle zu. Es fehlt nach wie vor an Bewusstsein, in welchem Ausmaß Lebensmittel verschwendet werden, welche Konsequenzen mit diesem sorglosen Umgang von tierischen und pflanzlichen Produkten verbunden sind und welche Alternativen bestehen. Bereits kleine Maßnahmen im eigenen Haushalt können Wirkung zeigen – etwa durch ein bewusstes Einkaufsverhalten (nur so viel kaufen, wie tatsächlich verbraucht werden kann), die richtige Lagerung der Lebensmittel im Kühlschrank, um eine möglichst lange Haltbarkeit zu garantieren oder der Check von Geruch und Aussehen von Lebensmitteln mit abgelaufener Mindesthaltbarkeit, bevor man diese entsorgt, sind nur einige Beispiele.

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten