16.09.2021

Mit Tempo zu neuer Selbstverständlichkeit

Die erste Bilanz für Didi Tunkel nach einem Jahr an der Spitze des Burgenland Tourismus kann sich sehen lassen und macht deutlich: Leiser und langsamer wird’s mit dem Chef auch in den nächsten Jahren nicht.

Seit August 2020 lenkt „der richtige Mann“ – O-Ton Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann und Tourismusreferent des Burgenlands – also die Geschicke von Burgenland Tourismus und hat in seinem ersten Jahr bereits ordentlich umgerührt.

Für Didi Tunkel selbst fühlt sich das Jahr eins als Geschäftsführer von Burgenland Tourismus „wie zwei Wochen“ an: „Dabei war und bin ich der Arbeit wahrlich nicht abgeneigt. Aber dieses Jahr, noch dazu mit Corona unter erschwerten Voraussetzungen, hat viel von dem, was ich bisher in meiner touristischen Unternehmerlaufbahn erlebt habe, getoppt.“ Da kann und darf man schon außer Atem kommen, aber mit seinem Landeshauptmann an der Seite, der ihn mit den Worten „bleib leidenschaftlich und setz‘ um“ weiter motivierte, nicht vom Gas zu gehen, blieb er drauf.

Wer den Vollbluttouristiker kennt, der seit fast 30 Jahren in der Touristik tätig ist, weiß, dass bei ihm Begrifflichkeiten wie langsam weder in seiner Denke noch in seinem Wortschatz vorkommen. Dafür hat er schlicht keine Zeit, und das neue Tempo, dass im Burgenland Tourismus mit Tunkel eingezogen ist, war anfangs wohl auch für das Team, sagen wir mal anders. Hat sich aber in einer neuen Einsatzbereitschaft und großem Teamgeist der von 20 auf 25 Mitarbeiter gewachsenen Mann/Frauschaft, die bald um weitere drei Mitarbeiter verstärkt wird und die in vergrößerten Büroräumlichkeiten werken, manifestiert.

Es sagt auch niemand mehr – vom Nord-, übers Mittel- bis ins Südburgenland –, dass man mit ihnen nicht redet.  Denn der Kommunikationsfluss gerade mit den 1.400 Beherbergungsbetrieben wurde massiv verbessert, sagt Tunkel, der sich anfangs schon auch über ein „gewisses Manko“ in diesem Bereich ein bisserl gewundert hat.    

Alles greift ineinander

Überhaupt ist das Burgenland in der öffentlichen Wahrnehmung und über Österreichs Grenzen hinaus – ob analog oder digital, ob als klassische Printwerbung, per Heißluftballon, auf Wiens Straßenbahnen oder den Südburgenlandbussen, ob von den Kickern des SK Rapid Wien oder im Rahmen der Kooperation mit dem ÖFB zur Fußball-Europameisterschaft, sichtbarer geworden.

Es gibt aber noch viel Potenzial, vor allem im Social-Media-Bereich, auf Facebook und Instagram, das man mittels gezieltem Suchmaschinenmarketing heben will, wie die Online-Welt über burgenland.info mit viel Inspiration und saisonalem Storytelling für die Gäste genereller Dreh- und Angelpunkt für ihren Urlaub im Burgenland ist. Auch für die Burgenland Card, die in neuem, trendigen Outfit und basierend auf der „alten“ Neusiedlersee-Karte mit 15. Juli über das ganze Burgenland ausgerollt wurde und als Umlagenkarte das Angebot der Beherbergungsbetriebe verstärkt.

Die Leistungen reichen von öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu vergünstigten Thermeneintritten. Bis Anfang September wurden 493 Verträge mit Vermietern geschlossen – was rd. 13.000 von gesamt 24.000 Betten repräsentiert – dazu 171 Verträge mit Leistungs- und Bonuspartnern. Dieses Tempo der Umsetzung hat selbst die erfahrensten Experten staunen gemacht, ist Tunkel sicher. 

Kasko und Bonusticket ein Erfolg

Quasi nebenbei wurde die Corona-Kasko, die für den Gast im Falle einer Covid-Erkrankung bzw. als K1-Person, die Geld-zurück-Garantie (noch bis 31.10.2021) darstellt, auf den Weg gebracht und auch das Burgenland Bonusticket wird es mit ein paar feinen Neuerung geben.

Gäste, die zwischen 1. Oktober 2021 und 30. April 2022 mindestens drei Nächte in einem „Burgenland Card“-Betrieb nächtigen, können sich 75 Euro pro Person zurückholen. Und zwar über die Homepage des Burgenland Tourismus, nun auch für Kinder und egal welcher Nationalität. „Das Burgenland Bonusticket funktioniert, mehr als 40.000 eingelöste Tickets sprechen eine klare Sprache. Jeder Betrieb kann ein ‚Burgenland Card‘-Betrieb werden, im Rennen um den Gast erachte ich beides als echten Wettbewerbsvorteil“, argumentiert Tunkel und spricht an dieser Stelle dem Landeshauptmann Hans Peter Doskozil für die sofortige Unterstützung, das Bonusticket nochmals anzubieten, Dank aus. Weil man damit dem Wunsch vieler Unternehmer folgt.

Harte Nüsse & kluge Sachen

Die wirklichen Kaliber im Jahr Eins von Didi Tunkel waren aber das neue Tourismusgesetz, das Megaprojekt digitales Meldewesen und natürlich der „Dauerläufer“ Krisenmanagement. Hier kam und kommt Tunkel wohl die leidvolle große Erfahrung seiner vormaligen Reiseveranstaltertätigkeit zugute, denn Krisen gab es im globalen Touristikgeschäft ja leider schon einige.

Mit der Umsetzung des neuen Tourismusgesetzes habe er seine Masterarbeit abgeliefert, sagt er und spricht vom „Hund, im Detail“, dem er mehr als 800 Arbeitsstunden widmete. Denn, so Tunkel: „Das Gesetz gibt ja nur den Rahmen vor, in dem wir uns bewegen müssen. Der Rest obliegt uns.“ Und der ist alleine mit der Zusammenführung von 15 auf drei lokale Tourismusverbände – Nord-, Mittel- und Südburgenland – kein kleiner. Mit 1. Juli waren die 15 alten Verbände Geschichte, nun stehen mit Patrik Hierner/Nordburgenland, Brigitta Pelzer/Mittelburgenland und Martin Ochsenhofer/Südburgenland drei neue Geschäftsführer den Landesverbänden vor, die für die weitere Entwicklung mit dem Burgenland Tourismus ordentlich Fahrt aufnehmen (müssen). 

Als großes und grenzgeniales Projekt, das in Coronazeiten entstanden ist, entwickele sich das digitale Meldewesen, das mit dem Technik-Partner Feratel initiiert und bis Ende 2021 final umgesetzt wird. Bereits bis Anfang September konnten 465 Betriebe und 105 von 136 Gemeinden auf das neue Meldewesen wechseln. Im Herbst wird es hier einen weiteren Schulungs-Schwerpunkt mit Besuchen bei den Betrieben geben. „Die Umstellung auf ein zeitgemäßes System ist alternativlos. Wir erhalten laufend positive Rückmeldungen von Betrieben und Gemeinden, zu den Vorteilen – vor allem die Zeitersparnis – des Systems,“ weiß Tunkel und verweist nicht ohne Stolz darauf, dass das Burgenland aktuell das einzige Bundesland Österreichs mit einem digitalen Meldewesen, das mit der digitalen Gästekarte „korrespondiert“, ist. 

Wertschätzung betrifft alle

Auf Didi’s Einjahres-Bilanz stehen aber noch andere „Kleinigkeiten“, wie die Privatzimmer-Offensive, die den rd. 800 Privatzimmer-Vermietern ein einheitliches Gesicht gibt. Auch hier läuft die Kategorisierung seit kurzem voll digital, attraktive Tafeln – fast 400 wurden bereits ausgeliefert – weisen die Betriebe mit dem Signe „private Gastfreundschaft“ aus, das mit Merchandising-Material wie Servietten, Gästemappen oder Fotoshootings unterstützt wird. 

Mit der Praktikums-Offensive will man dem latenten Mitarbeitermangel, der sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche der touristischen Leistungskette zieht, ein Stückweit entgegenwirken. So haben sich 48 Betriebe der Praktikums-Offensive „Check the Prak!“ angeschlossen, bei der zeit- und zielgruppengemäß aufbereitet um Praktikanten geworben wurde. Zugleich wurde den Unternehmen eine Förderung gewährt, 150.000 Euro wurden gänzlich ausgeschöpft. Eine Auszeichnung „Best Talents“ folgt.

„Check the Prak!“ ermöglichte auch die Wiederaufnahme des erfolgreichen Gäste-Programms „Strandfische“ mit Ausdehnung auf Neusiedl, Podersdorf und Illmitz. Auch ein „Gastgeber-Service“ – eine Anlaufstelle für alle burgenländischen Gastgeber wurde geschaffen, die von 5-Sterne-Hotels bis zur kleinen Frühstückspension mit Informationen versorgt und künftige Initiativen in die Betriebe bringt. „Wenn ich von Schülern und Studenten höre, dass es im Burgenland keinen Tourismus gibt, haben wir ein Problem,“ sagt Tunkel und appelliert, die Wertschätzung für touristische Berufe im Burgenland und in ganz Österreich zu fördern. Hier findet auch im Rahmen der bereits seit 2009 bestehende „Allianz der Zehn“ – aus Österreich Werbung und den neun Landestourismusorganisationen – ein reger Austausch statt, erwähnt Tunkel. 

Herzeigen, anbieten, bewahren!

Was wartet nun in den nächsten vier Jahren auf Didi Tunkel, dessen Vertrag bis 1. September 2025 läuft? Dass er‘s langsamer und leiser anlegen wird, ist gut und nicht anzunehmen. Zu viel steht bereits auf der Agenda. Das Burgenland zur Radfahr-Nummer Eins Österreichs machen, wofür es bereits eine eigene Burgenland Raddress-Kollektion gibt, die für Burgenland Card Besitzer um 50 % günstiger ist und demnächst auch über den Online-Shop auf burgenland.info zu erstehen sein wird.

Die Winterkampagne steht schon in den Startlöchern, setzt auf Wein, Genuss & Kulinarik und wird ebenfalls die Burgenland Card unterstützen. Wein und Rad bleiben sowieso die Hauptthemen, in den nächsten fünf Jahren werden 25 Mio. Euro aufgewendet, um die Radwege auf ein durchgängiges 5-Sterne-Niveau zu bringen. Ein Bahntrassenweg und natürliche und keine asphaltierten Mountainbiketrails sind vom Süd- bis ins Mittelburgenland in Planungen. Wird der Trail ein Jahr nicht befahren, nimmt ihn die Natur wieder in Anspruch, so der naturverbundene Ansatz. „Sanfter Tourismus ist im Burgenland kein nur einfach so dahingesagtes Schlagwort, ein Drittel des Bundeslandes steht unter Naturschutz. Wir müssen nichts künstlich erschaffen, wir müssen lediglich herzeigen, anbieten und bewahren.“

Und so experimentierfreudig Burgenland-Tourismus-Chef auch ist, was „seine“ Gäste betrifft, bleibt er auf bewährten Pfaden. Beim österreichischen, deutschen und ungarischen Gast, die die Hauptklientel – mit 85 Prozent Österreich-Anteil – fürs Burgenland sind. Auch in diesem zweiten Corona-Sommer, in dem man alleine im Juli mit 9,9 Prozent Steigerung zum Vorkrisenjahr 2019 ein sattes Plus aufweist. Und im Vergleich zu 2020 konnte das Burgenland als einziges Bundesland im Zeitraum von Jänner bis Juli 2021 einen Zuwachs von 2,8 Prozent verzeichnen. „Der Dank gilt hier jedem Einzelnen in den Betrieben. Mit den sich ständig ändernden Richtlinien ist es wahrlich nicht einfach, den Gast zu servicieren. Umso mehr muss man diese tolle Leistung wertschätzen, ich leide aber auch mit Ihnen. Der Wegfall des Winterhalbjahres ist in vielen Betrieben nicht mehr aufzuholen.“ 

(Von Brigitte Charwat)

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