14.12.2017

#mitmirnicht

Die Alles für den Gast ist stets ein Augenöffner und ein Spiegel der Gesellschaft. Denn viele Themen, die besprochen werden, gehen weit über den Branchentellerrand hinaus. Die Diskussion um sexuelle Belästigung war allgegewärtig und wurde heiß diskutiert.

Zaghafte Scherze darüber hörte man an allen Ecken ebenso wie manche Erlebnisbeichte in alkoholgeschwängerter Stimmung abends im Wirtshaus nach dem Messetag – und sinngemäß: „Geh, kommts Männer, des macht doch jeder einmal, bei Feiern auf den Popsch greifen“. Nein, dachte ich mir, das ist sicher nicht normal. Dein Gehirn ist dein Freund und es ist faszinierend, was es alles zu speichern vermag und nach Jahrzehnten – eigentlich längst Vergessenes – im Kopfkino abspielt. So ist mir mein erstes Erlebnis zum Thema Popschgreifen in den Sinn gekommen. Vor über 30 Jahren, eine Faschingsfeier; die Stimmung ausgelassen, lustig. Die Kellnerin – mit mir verwandt – macht ihre Arbeit, trägt Gläser und Speisen zu den Tischen. Immer wieder landen Männerhände auf ihrem Po, packen Sie an den Hüften, zerren sie auf irgendjemandes Schoß. Mir kleinem Zwuck mit meinen sieben Jahren war unterbewusst klar, Spaß macht ihr das nicht. Aber es war halt „normal“. In der #MeToo-Debatte wird vieles vermischt, blöde Sprüche, Grapschen und Vergewaltigungen auf einen Haufen geworfen. Dennoch ist die Diskussion wichtig, weil sie das Bewusstsein dafür schärft, wo die Grenzen liegen zwischen einem kessen Spruch und der Überschreitung. Ein fesches Dirndl fordert nämlich nicht dazu auf, der Dame in den Ausschnitt zu springen. Und die knackige Jeans ist keine unausgesprochene Einladung, die schick lackierten Nägel im Hinterteil des Trägers zu vergraben. Ich wünsche mir, und schließlich ist bald Weihnachten, dass wir im sozialen Zusammenleben die nächste Evolutionsstufe erreichen. Unaufgeregt und mit gegenseitigem Respekt. Spaß, ja natürlich, aber Grenzen respektierend und vor allem – nein heißt nein. Viele können’s, die meisten anderen werden es noch lernen. Sage ich unverbesserlicher Optimist.

t.schweighofer(at)manstein.at / Chefredaktionshälfte

Kommentar "Gemischte Sätze" aus Hotel & Touristik, Ausgabe 12/2017 (S.49)

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