23.03.2020

Mobilitätsverhalten wird sich langfristig ändern

Die Reisemobilität habe ihren Höhepunkt überschritten. Homeoffice und Videokonferenzen würden bleiben, ist Christian Gratzer, Sprecher des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), überzeugt.

Die aktuelle Krise wegen des Coronavirus werde das Mobilitätsverhalten der Menschen langfristig verändern, auch wenn die derzeit geltenden Ausgangs- und Reisebeschränkungen wieder aufgehoben sind. Wahrscheinlich werde der Reiseverkehr zumindest im heurigen Sommer deutlich reduziert sein. Die Reisemobilität werde zumindest einige Jahre überhaupt deutlich abnehmen, erwartet VCÖ-Sprecher Gratzer im Gespräch mit der APA: Einerseits weil es sicher noch einige europäische Länder geben werde, die auch im Sommer noch Probleme mit dem Coronavirus haben. Und auch wegen der Skepsis in der Bevölkerung zu weiteren Reisen im Eindruck der Corona-Krise.

"Sicher wird die Reiselust einigen vergangen sein", zumindest im Jahr 2020. Es würden daher mehr Leute im Inland Urlaub machen. Damit könne für die österreichische Tourismusbranche wohl einiges vom Ausbleiben der ausländischen Gäste abgefangen werden.

Mehr Home-Office in Zukunft

Die Reisemobilität werde generell zurückgehen, weil jetzt viele Unternehmen sehen würden, dass Videokonferenzen funktionieren und auch Geschäftsreisen ersetzen können. Homeoffice werde sicher auch in Zukunft verstärkt zum Einsatz kommen, und das habe Auswirkungen auf den Verkehr. Der Stoßverkehr werde reduziert, besonders bei Pendlerstrecken, weil mehr Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten werden. Daher brauche man eine stärkere digitale Infrastruktur in den Regionen und keine neuen Autobahnen mehr.

Der öffentliche Verkehr müsse nach der Krise verstärkt zulegen, "weil neben der Corona-Krise haben wir auch die Klima-Krise zu lösen", erinnert Gratzer. Da müsse man dann sehr rasch handeln. Gerade der Verkehrsbereich könne seine Klimaziele nur erreichen, wenn auch der öffentliche Verkehr stark genutzt und weniger mit dem Auto gefahren werde.

Klimaschutz durch Verhaltensänderung

Die Corona-Krise zeigt für den VCÖ-Sprecher, dass die Menschen, wenn es klare politische Vorgaben gibt, auch bereit seien ihr Verhalten zu ändern. Das hätte man vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten. "Wenn es gelingt, dass alle mitmachen, ist auch die Klima-Krise zu lösen", meint er. Und dafür brauche es weit weniger drastische Schritte: "Wir können die Klima-Krise lösen, ohne dass die Geschäfte schließen und die Leute zu Hause bleiben müssen". Sicher brauche es gewisse Vorgaben, um die Mobilität stärker in Richtung klimaverträglicher Mobilität zu lenken. "Die Klima-Krise ist lösbar ohne massive Einschränkungen".

 

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