30.11.2021

Mozartkugel-Hersteller ist pleite

Der Alpenländische Kreditorenverband gibt bekannt, dass am Dienstag über das Vermögen der Salzburg Schokolade GmbH in Grödig das Konkursverfahren eröffnet wurde. Das Verfahren wurde auf Eigenantrag der Schuldnerin eröffnet.

Essbares Kulturgut und beliebtes Mitbringsel: Die Mozartkugel gibt es von mehreren Herstellern. Einer davon, Salzburg Schokolade, hat am Montag bei Landesgericht den Insolvenzantrag eingebracht. Das Unternehmen ist ein traditionsreicher Süßwarenhersteller, unter anderem im Sortiment der Schuldnerin finden sich die "Echte Salzburger Mozartkugel von Mirabell", die exklusiv für den amerikanischen Mondelez-Konzern produziert wird, oder "Bobby"-Schokoriegel. Weitere bekannte Marken sind die "Maria Theresia"-Pralinen und die "Salzburg Confiserie". Außerdem werden u.a. Pralinenspezialitäten, Waffeln, Couverturen, Marzipan, diverse Cremen und Nougat hergestellt. Auch der Webshop Schokotaler.com, über den individualisierte Taler bestellt werden können, sowie "Nordpol", dessen Geschäftszweig die Herstellung von Spezialprodukten für Bäcker, Konditoren, Großverbraucher und Industrie ist, gehören zum Unternehmen der Schuldnerin.

Als Insolvenzursache wurde primär die Corona-Pandemie und der damit zusammenhängende, signifikante Umsatzrückgang im Jahr 2020 in Höhe von rund 7 Mio. Euro (- 24,4 % im Vergleich zum Jahr 2019) auf rund 21,7 Mio. Euro genannt. Aufgrund des starken Einbruchs an Touristen sowie (Groß-)Veranstaltungen verzeichnete auch die Nachfrage nach den von der Schuldnerin hergestellten Süßwaren einen dramatischen Rückgang.

So waren beispielsweise auch die Süßwarenfachgeschäfte in den großen Tourismuszonen Wien und Salzburg, wo die Antragstellerin sowohl Eigen- als auch Handelsprodukte verkauft, teilweise wochenlang geschlossen, obwohl von Behördenseite aus einer Öffnung nichts im Wege gestanden hätte. Weiters seien die hohen Rohstoff- und Energie sowie die gestiegenen Lohnkosten ein Beschleuniger der Zahlungsunfähigkeit gewesen.

Somit wurde 2020 ein Verlust von rund 1,2 Mio.Euro ausgewiesen, trotz Inanspruchnahme der Coronahilfen. Zusätzlich konnte sich die Antragstellerin von einem geplatzten Großauftrag im Jahr 2016 nicht mehr zur Gänze erholen, wenngleich der Umsatz in den Folgejahren wieder gesteigert werden konnte. Betont wurde , dass die in Tschechien/Plana ansässige 100%ige Tochterfirma „Salzburg Schokolade CZ s.r.o.“, das Verpackungen für Süßwaren herstellt, nicht betroffen sei und normal weitergeführt werde.

Gemäß Liquidationsstatus vom 31.10.2021 belaufen sich die bilanzierten Aktiva auf einen Liquidationswert von rund 23,3 Mio. Euro, wovon rund 13,8 Mio. Euro frei verfügbar sind. Die Überschuldung beläuft sich somit auf rund 3,9 Mio. Euro. 

Fortführung geplant, die Prognose ist aber schlecht

Grundsätzlich ist von Schuldnerseite eine Fortführung und Sanierung des Unternehmens geplant. Die bislang erstellte Fortführungsprognose weist allerdings ein negatives Ergebnis aus, da "nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausreichend Liquidität (...) gegeben ist". Ob eine Fortführung und Sanierung realisiert werden kann, wird im Laufe des Verfahrens zu erörtern sein. Durch die Insolvenz sind nach ersten Einschätzungen über 600 Gläubiger sowie 140 Dienstnehmer betroffen.

Über Salzburg Schokolade GmbH

Unternehmensgegenstand ist seit Gründung des Unternehmens 1897 in Salzburg - damals noch unter dem Namen Rajsigl-Süßwarenfabrik - die Herstellung von Süßwaren. 1956 erfolgte die Übersiedelung an den heutigen Standort in Grödig. Nach mehreren Eigentümerwechseln in den folgenden Jahrzehnten erfolgte im Jahr 1993 die Gründung der Antragstellerin, 2018 wurde außerdem noch der Süßwarenvertrieb der Candyport Handels-GmbH & Co KG übernommen.

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