01.02.2022

Mut hat vier Buchstaben!

Linz Tourismus zieht Resümee – über den Aufreger der „Linz ist Linz“ Werbekampagne und das touristische Jahr 2021 und setzt mit dem Jahresthema „Frauen“ den nächsten mutigen Schritt. 

Querdenken und Anderssein sind nicht wirklich typisch touristische Attribute, vor allem jetzt in diesen herausfordernden Zeiten stellt das Abweichen vom traditionellen und gewohnten Weg für die schwer angeschlagene Tourismusbranche keine Option ersten Ranges dar. Was, wenn Hemd und Hose nur mehr schwer zusammengehen zwar verständlich und dennoch vielleicht ein wenig zu kurz gedacht ist. Denn wenn nicht jetzt, wann dann Dinge ändern, die vielleicht in den letzten halbwegs guten Jahren auch nicht mehr das Gelbe vom Ei waren. Ja, aus dem touristischen Gleichschritt auszuscheren und unkonventionellere Wege im Produkt, in der Marke und mit aufsehenerregenden Werbebotschaften auch in der Außenwahrnehmung zu beschreiten, bedarf Kraft und Ausdauer, vor allem aber Mut. Und der hat in Österreich vier Buchstaben. 

Menschen setzten Linz in Wert

Was war das im Spätsommer 2021 für ein Hallo, als Linz Tourismus mit dem wohl intellektuellsten Tourismusdirektor Österreichs, Georg Steiner, an der Spitze mit dem „Linz ist Linz“-Werbefilm für lautes Rumoren im heimischen Tourismus, aber in der Öffentlichkeit für viel positiven Wind sorgte. Denn diese andere Art einer Werbekampagne, noch dazu in pandemischen Zeiten, war alles andere als ein provokanter Schnellschuss eines aktionsorientierten Touristikers, dem halt schnell etwas eingefallen ist, wie Steiner im Gespräch mit stammgast.online im vergangenen August explizit wissen ließ.

Diese Kampagne hatte ein Ziel: Weg von austauschbaren Klischees, dafür die Destination von Menschen erzählen lassen. Denn, so Steiner: „Die Menschen und nicht die Häuser sind die Stadt. Sie setzen die Stadt in Wert, so wie sie ist. Mit allen Stärken und Schwächen.“ Demzufolge gilt, auch den Touristen nicht als Fremden, sondern als Gast und Besucher, ja als „Linzer auf Zeit wahrzunehmen. Denn so Steiner: „Unsere Gäste sollen Wertschätzung erleben und Neues entdecken.“ 

Mutig, aber richtungsweisend, was Linz mit seiner progressiveren Tourismusstrategie und klaren Positionierung längst über Österreichs Grenzen hinausgehende Reputation und im zweiten Corona-Krisenjahr mit gesamt 512.768 Nächtigungen (+ 27 Prozent gegenüber 2020) ein erfreuliches Ergebnis beschert. Wie Linz09 als Kulturhauptstadt Europas – 2009 gemeinsam mit Vilnius – auch 13 Jahre später noch immer von hoher Nachhaltigkeit für die oberösterreichische Landeshauptstadt ist. Was aber nicht bedeutet, dass, auch wenn der „Linz ist Linz“ Werbefilm, wie Steiner sagt, keine direkte Fortsetzung finden wird, man jetzt weniger tief in die Kreativkiste greift. So werden etwa „Trendtouren“ zu Themen wie Nachhaltigkeit oder Smart City oder das kulinarische Linz mit einem „Häppchenpass“ forciert. Und auch der bis vor Corona florierende Geschäftsreisetourismus, der ja durch die Krise nahezu zum Stillstand gekommen ist und sich stark in den virtuellen Raum verlagert hat - was davon wieder zurückkommen wird, ist eine noch unklare Frage - mit „Bleisure“ Angeboten, eine Kombination aus Business- und Leisure Reisen, Anreize erhalten. 

Die Frau im Mittelpunkt

An persönlichen Begegnungen – gerade in einer zunehmend digitaler werdenden Welt – ändert sich also auch 2022 nichts, der Mensch bleibt weiterhin im Mittelpunkt der Kommunikation von Linz Tourismus. Nur wird er 2022 weiblicher und Frauen als Jahresthema in den Fokus rücken. Erneut beweist Linz Tourismus Mut und bricht mit Konventionen, denn man verzichtet aufs Gendern - sowohl online als auch in Broschüren werden 2022 rein weibliche Formulierungen verwendet. Dass sich Mann jetzt ausgegrenzt fühlt, soll aber nicht passieren. Das männliche Geschlecht darf und soll sich online mit dem Jahresthema „Frauen“ bzw. dem Format „Frau der Woche“ auf Social Media, bei dem interessante Frauen aus Linz zu Wort kommen, durchaus angesprochen fühlen.

Dem Image gefällt‘s

Linz verändert und macht vor, das Querdenken und Anderssein weder dem Image noch der Gästebilanz schadet, wie eine von Linz Tourismus beauftragte IMAS-Studie belegt. So ist Linzunter den bekanntesten Städten Österreichs bei der spontanen Abfrage, hinsichtlich Attraktivität ist jedoch weiterhin Luft nach oben. Linz ist unter den Top-5 bei den in den vergangenen drei Monaten besuchten Städten. Ein Rückschluss auf die „Linz ist Linz“-Kampagne und deren positive Auswirkung ist hier durchaus zulässig, zumal die Nächtigungszahlen ab August gestiegen sind. 

Jeder Fünfte hat von der Kampagne „Linz ist Linz“ gehört oder gelesen. Von jenen, die die Kampagne kennen, hat 58 Prozent der Inhalt sehr gut oder gut Gefallen, neun Prozent reizt diese Kampagne zu einem Besuch von Linz. 12 Prozent aller Befragten, in absoluten hochgerechneten Zahlen rund 880.000 Österreicher, sind in den kommenden Monaten an einem Linz-Besuch sehr interessiert.

(Von Brigitte Charwat)

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