10.01.2021

„Nachfrage hätten wir“

So wenige Pleiten wie lange nicht und laut Umfrage ein Großteil der Unternehmen mit positiver Stimmungslage. Der Schein trügt gewaltig. Aus der Hotellerie drängt man auf klare Strategien für ein wirtschaftliches Überleben. 

Laut Umfrage des KSV1870 von Anfang Dezember bewerten 52 % der Unternehmen über alle Branchen hinweg ihre aktuelle Geschäftslage mit sehr gut bzw. gut. Anfang September waren es 44 %. Noch besser lautete das Ergebnis dieses Austrian Business QuickCheck wenige Wochen später: Da wurde das Jahr 2020 von 60 % der rund 600 befragten Betriebe grundsätzlich sogar positiv bewertet. Darüber hinaus starten 75 % der Unternehmen mit einer positiven Erwartungshaltung ins neue Jahr.

Eine erste wirtschaftliche Erholung wird von den befragten Unternehmen frühestens für das 2. Halbjahr 2021 erwartet. Während weitere 27 % mit einer Entspannung ab 2022 rechnen, sind 11 % der Befragten sogar erst für die Zeit ab 2025 optimistischer.

Weniger Firmenpleiten 2020

Woher rührt dieser Optimismus bei vielen Wirtschaftstreibenden? Die anhaltend größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg bringt aufgrund der durch die Bundesregierung gesetzten Maßnahmen die niedrigsten Insolvenzeröffnungszahlen seit 1990. Bei einem Gesamtrückgang von fast minus 40 % kam es hochgerechnet zu gerade einmal 3.000 Insolvenzen – während die Passiva auf fast 3 Milliarden Euro gestiegen sind. 

Dass hier Unternehmen, die nicht einmal in einem normal verlaufenden Insolvenzjahr überlebt hätten, künstlich am Leben gehalten werden, ist nur offensichtlich, betont man bei KSV1870. Am Ende werde man, aufgrund von Insolvenzverschleppungen, vermehrt Insolvenzen und darüber hinaus Liquidationen erleben, bei denen aufgrund der fehlenden werthaltigen Aktiva Sanierungen unmöglich werden. 

Hotels sollen aufsperren

Während manche Branche ohne große Kratzer durch die Wirtschaftskrise segeln, ist es für die Tourismusbranche als Ganzes dramatisch. Die Wirtschaftskammer drängte zuletzt auf eine Öffnung der Hotels in Österreich. „Wir können nicht mehr auf die Durchimpfung warten, es braucht einen gangbaren Weg, um – trotz Coronavirus – unsere Betriebe offenhalten zu können“, betont Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie. 

Tests für Gäste vor der Anreise (die Verantwortung für die Tests müsse bei den Gästen liegen und nicht beim Hotelier) und wöchentliche Tests für Mitarbeiter sollen sicherstellen, dass die Branche nicht mehr von den Lockdowns betroffen ist. Gleichzeitig müsse so auch ein dauerhaftes Offenhalten möglich sein, „denn ständig verschobene Öffnungstermine bzw. ein permanentes Auf- und Zusperren sind weder für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch für Gäste und Lieferanten, aber vor allem auch für die Beherbergungsbetriebe selbst, auf Dauer nicht tragbar“.

Aufsperrtermin mehr als unsicher

Das Ende des Lockdowns am 25. Jänner scheint derzeit mehr als fraglich. Wie man aus dem Regierungsumfeld hört, schwankt der Kanzler in seiner Meinung und ist sich noch nicht sicher, welchen Weg er gehen soll. Fehler sollen diesmal vermieden werden. Denn wenn Ende Jänner aufgesperrt werden darf, in den Semesterferien die Menschen verreisen dürfen, steigt das Risiko, dass man Ende Februar aufgrund steigender Zahlen wieder zusperren muss. Thermen und Wellnesshotels würden gerne aufsperren (so etwa die Forderung aus dem Burgenland), Hotels im Westen würden oftmals lieber noch drei Wochen warten und erst gegen Ende Februar aufsperren. 

Susanne Kraus-Winkler, Managing Partner und geschäftsführende Gesellschafterin bei Loisium Wine & Spa Resorts, lässt den Betrieb in Langenlois bis in den März hinein geschlossen. Das Hotel in Ehrenhausen hingegen plant mit 1. Februar zu öffnen. „Nachfrage hätten wir! So wie alle Thermen- und Wellnesshotels um diese Jahreszeit“, betont Kraus-Winkler. In diesem zweiten schwierigen Jahr der Krise wird es noch einige Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage geben, ist die Hotelière überzeugt: „Ich glaube nicht, dass man dieses Jahr nach den Erfahrungen von früher, wie sich Gäste verhalten, was für Bedürfnisse sie haben und wie die Nachfrage sich entwickelt, planen kann.“

Angebots- und Nachfragekrise auf einmal 

In der Stadthotellerie herrscht hingegen Untergangsstimmung, man sieht derzeit keine Perspektive. Gerade die großen Betriebe mit mehreren Standorten hadern zudem mit den Unterstützungsleistungen bzw. deren Deckelungen, der Verlustersatz zum Beispiel mit einer Obergrenze von 3 Millionen Euro hilft da leider nur wenig, weil er für alle zusammen gilt. 70.000 Euro pro Monat für ein Stadthotel mit 100 Zimmern ist da ein Tropfen auf dem heißen Stein. 

Jede Woche Lockdown kosten der Hotellerie und Gastronomie durchschnittlich 455 Millionen Euro, in der Hochsaison noch deutlich mehr, rechnet man bei der Hoteliervereinigung (ÖHV) vor. Sollte der Aufsperrtermin nochmals verschoben werden, dann müsste der nächste Termin zu 100 % gesichert sein, egal wie die Zahlen sind, fordert Susanne Kraus-Winkler im Gespräch mit Stammgast.Online. Der Umsatzersatz müsste dann ebenfalls nochmals angepasst werden. Die Hotellerie-Obfrau pocht zudem einmal mehr auf eine klare Teststrategie und auch das deutliche Ausbauen von Testmöglichkeiten, um es den Leuten leichter zu machen, oft und viel zu testen. 

„Testen, tracen und impfen, und zwar intensiv. Das sind die zentralen Schritte in Richtung Normalität und weg vom Lockdown-Zickzack der letzten Monate“, so auch ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. „Wir können Österreich nicht auf Dauer zusperren. Es geht um ein Leben mit Corona, nicht nach Corona – für die Betriebe und die Menschen.“ 

 

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