15.09.2020

Nachhaltigkeit bedeutet nicht unbedingt Verzicht

Der Travel Industry Club Austria diskutierte im Rahmen eines Networkings im Hotel Andaz am Belvedere Themen rund um moderne Öko-Technologien – Stichwort BLUE:TECH – mit Bezug auf die Entwicklung touristischer Infrastruktur. Mit BILDERGALERIE der Veranstaltung!

© Travel Industry Club Austria/APA-Fotoservice/Rastegar
BILDERGALERIE der Veranstaltung zum Durchklicken!


Roland Kuras (Geschäftsführer Power Solution Energieberatung), der die Diskussionsrunde moderierte, meinte, dass wir bei bestehenden Hotelprojekten meilenweit von den Möglichkeiten entfernt sind was effiziente Ressourcennutzung betrifft. Er führt das auf das Investoren-Nutzer Dilemma zurück: Investoren bauen so günstig wie möglich, wobei die effiziente Energienutzung auf der Strecke bleibt. Nutzer der Immobilie sind in der Folge mit steigenden Energiekosten konfrontiert. 

Architekt Horst Reiner (Managing Partner von ATP Architekten) verwies darauf, dass man eigentlich vor 150 Jahren bereits wusste, wie man nachhaltig baut. Damals wie heute ist es die öffentliche Hand, die im Rahmen der Raum- und Bauplanung den Ton vorgibt. Leider bemerkte er kritisch, fehlt es der Politik dabei sehr oft an Weitsicht und Durchsetzungsvermögen.

Die Runde kam überein, dass zukünftige Technologien zwar nicht absehbar sind, touristische Infrastruktur jedoch auf- und umgerüstet werden sollte, um den jeweiligen Anforderungen zu entsprechen. Alexander Ipp (Geschäftsführer Ipp Hotels) stellte fest, dass zukünftig darüber nachgedacht werden muss, wie man aus alt Neues macht und wie sich dieser Transformationsprozess gestaltet.

Mehrere, statt nur ein Gewinner

Frans Jan Soede (Geschäftsführer HAM independent hospitality & tourism advisors) erklärte, dass es notwendig sei, die an einem Projekt Beteiligten „auf Augenhöhe“ zusammen zu bringen. Es könne nicht sein, dass nur einer gewinnt und alle anderen die Probleme und damit das Nachsehen haben. Zudem müssen zukünftig mehr energieautarke Immobilien entwickelt und vor allem lokale und regionale Materialien genutzt werden, um damit authentische und nachhaltige Projekte zu entwickeln. 

Horst Reiner gab in seiner Keynot einen Überblick, wie Infrastruktur zukunftsfit und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen erfolgreich geplant und umgesetzt wird. Er präsentierte als Beispiel das Prim Bay Resort - Primošten Kroatien, wo es gelang, die Interessen der Bevölkerung, des World Heritage Funds, der Investoren und Betreiber des Resorts auf einen Nenner zu bringen. 

Die Nachnutzung von Immobilien muss im Rahmen der Planung immer wieder berücksichtigt werden. Theodor Kubak (Managing Partner von value-one) schlug eine symmetrische Risikoverteilung vor. „Es kann nicht sein, dass immer nur die Entwickler die Gewinner sind“, meinte er. Bei Investoren macht sich Unsicherheit breit, weil niemand weiß, wie sich der Markt entwickelt. Die SDG’s der Vereinten Nationen und das „Non-financial-Reporting“ der EU ab 2022 werden an Bedeutung gewinnen. Dieser Umstand wird, meint Kubak, zu einer nachhaltigen Entwicklung führen, weil von der öffentlichen Hand nichts finanziert bzw. gefördert wird, was den Nachhaltigkeitsanforderungen widerspricht.

Unsere Kinder als Berater

Wenn wir über die Entwicklung von touristischer Infrastruktur sprechen, sollten wir die Meinung unserer Kinder einholen, betonte Alexander Ipp. Jasmin Soravia (Präsidentin Urban Land Institute Österreich) erwähnte, dass es darum geht, die Bedürfnisse von künftigen Generationen zu befriedigen: „Was man jetzt hat, muss auch für die Zukunft bewahrt werden.“ 

Die Covid-19-Pandemie funktioniert auch hier als Korrektiv. Der Bauboom, insbesondere in der Stadthotellerie, mit Hotels von 500 Zimmern und mehr, rächt sich in Post-Corona Zeiten. „Wer braucht solche Hotels noch?“, fragt sich Ipp und ist der Meinung, dass ein Umdenken einsetzen sollte. Der Umstand, dass zum Beispiel in Barcelona ein Moratorium für Neubauten verhängt wurde, ist der falsche Weg und zeigt lediglich die Fehler der Vergangenheit schonungslos auf. Wir sollten unsere Kinder fragen, in welcher Welt diese in der Zukunft leben möchten und deren Wünsche berücksichtigen. 

Welches Reiseerlebnis begeistert Touristen? Dabei geht es nicht nur um Architektur-Design, sondern um ein ganzheitliches Customer Experience Management.

Weiterführende Information

Urban Land Institute: https://uli.org/
ATP Architekten & Ingenieure: https://www.atp.ag
Power Solution Energieberatung GmbH: https://www.power-solution.eu
Ipp Hotels: https://www.ipp-hotels.at
HAM independent hospitality & tourism advisors: https://www.h-a-m.at
value one holding AG: https://www.value-one.com/de

 

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten