11.03.2022

Nahrungsmittel werden teuer

Die anhaltenden Kämpfe in der Ukraine richten nicht nur unfassbares menschliches Leid an, sondern bringen viele österreichische Lebensmittelproduzenten in eine äußerst schwierige Lage, warnt Vivatis. Es herrscht ein Ausnahmezustand für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Österreichs Unternehmen hadern mit den Auswirkungen des seit zwei Wochen andauernden Krieg in der Ukraine. Deutliche Spuren hinterlässt der Krieg in der „Kornkammer Europas“ vor allem in der österreichischen Lebensmittelindustrie. „Die Entwicklungen in der Ukraine stellen die gesamte Nahrungs- und Genussmittelindustrie
vor enorme Herausforderungen. Die offenkundige Abhängigkeit im Energie- sowie Rohstoffsektor wirkt sich in Form eklatanter Preiserhöhungen und zunehmender Verfügbarkeitsprobleme aus. Dieser Konflikt bringt die gesamte Branche in große Bedrängnis“, so Gerald Hackl, Vorstandsvorsitzender der Vivatis Holding AG.

Unsichere Versorgung

Mit dem bewaffneten Konflikt in der Ukraine geht eine massive Verteuerung der Energiepreise einher. Die Preise für Erdöl, Erdgas, Strom und Treibstoff erreichten mit dem russischen Einmarsch neue Höchststände. Dass sich das mit den mitunter sehr energieintensiven Prozessen in der Lebensmittelindustrie – von der Verarbeitung der Rohstoffe bis zum Kühlen fertiger Produkte – die den Einsatz von Gas in hohem Maße erforderlich machen, nur schwer vereinbaren
lässt, liegt auf der Hand.

Auch bei den Agrarrohstoffen wie Weizen, Mais, Gerste, Raps, Sonnenblumen und Obst spüren die österreichischen Abnehmer die Auswirkungen des kriegerischen Konflikts. „Die Preissteigerungen im Energie- als auch im  Rohstoffsektor treffen uns auch in der Vivatis sehr stark. Vor allem Raps und Sonnenblumen, die wir in unseren Tochterunternehmen zur Herstellung der hochwertigen Produkte benötigen, sind teuer wie nie zuvor. Bei einer Menge von 5.000 Tonnen Sonnenblumen pro Jahr geht es dabei um sehr viel Geld. Andere Produkte wie „Tomatenmark“ sind seit Ausbruch der Krise so gut wie gar nicht mehr verfügbar.

Bei den Energiekosten rechnet Vivatis, ausgehend von einem aktuell bereits sehr hohen Niveau, auf das ganze Jahr gesehen mit einer Mehrbelastung in Höhe von über 20 Mio. Euro. Da wird einem wieder bewusst, wie abhängig man von seinen Zulieferern ist und wie wichtig und wertvoll eine stabile politische Lage in Europa ist,“ so Gerald Hackl.

Exportverbot für Weizen

Um die Balance innerhalb des europäischen Marktes halten zu können, spricht sich Andreas Pfahnl, Eigentümer der Pfahnl Backmittel GmbH, für ein sofortiges Exportverbot der EU für Weizen aus. Eine wichtige Maßnahme für die „verrückt“ spielenden Getreidemärkte. Denn die Tonne Qualitätsweizen, die vor einem Jahr noch 200 Euro gekostet  hat, liegt aktuell bei 440 Euro. Auch bei Mais wird die Situation zunehmend angespannter. Die fehlenden Großmengen
führen bereits jetzt zu einer Unterversorgung in zwei österreichischen Getreidemühlen. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Weizen in vielen Bereichen zunehmend durch Mais substituiert wird, was eine zusätzliche Verknappung und weitere Preisanstiege zu Folge hat. 

Dass sich die enormen Teuerungen bei Energie und Rohstoffen auch in den Endverbraucherpreisen durchschlagen werden, ist leider absehbar und unabdingbar. Die für das Jahr 2022, aufgrund generell steigender Rohstoff- und Verpackungspreise, prognostizierten Teuerungen, werden durch den Krieg in der Ukraine damit noch zusätzlich deutlich verschärft.

(Red)

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