17.10.2021

Neue Arbeitszeitmodelle im Hochschober

Mit flexibleren Arbeitszeiten, einer zweiten Schließzeit und weiteren Maßnahmen geht das Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe künftig noch mehr auf individuelle Bedürfnisse seiner Mitarbeiter ein.

War der Personalmangel bereits vor der Corona-Pandemie Thema, so hat er sich in der Zeit des Post-Lockdown weiter verstärkt. „Vielen hat es gefallen, bei 85 bis 90 Prozent ihres Lohnes so viel Freizeit zu haben“, so Hochschober-Gastgeberin Karin Leeb. Der Umstand, dass das 4-Stern-Superior-Wellnesshotel auf der Turracher Höhe auf 1.763 Metern liegt und im Winter oft unter schwierigen Bedingungen erreichbar ist, erleichtert die Sache nicht gerade. Daher war es für den Hochschober schon immer wichtig, sich Besonderes einfallen zu lassen, um Mitarbeiter zu finden und zu behalten.

Im Bereich Employer Branding setzt das Hotel nun unter anderem auf individuelle Arbeitszeitmodelle, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter. Ähnlich wie beim Zielgruppen-Marketing, hat man die Freizeitbedürfnisse der 110 Mitarbeiter aus elf Nationen in fünf verschiedene „Personas“ eingeteilt: in Lehrlinge, Fachkräfte mit Fokus auf Geldverdienen (klassische Saisonniers), Fachkräfte mit dem Fokus auf eine Work-Life-Balance, Fachkräfte aus dem Ausland und langjährige Führungskräfte.

Eine zusätzliche Schließzeit, die im Jahr 2022 zwischen Allerheiligen und Weihnachten angedacht ist, ermöglicht mehr Urlaubstage. Die Mitarbeiter könnten somit zusätzlich zu ihrem Urlaubsanspruch von 25 Tagen noch rund 25 freie Tage pro Jahr konsumieren, die je nach Vereinbarung zum Beispiel über Zeitausgleich konsumiert werden. Sämtliche Einrichtungen des Hauses können Hochschober-Mitarbeiter ohnehin seit jeher in ihrer Freizeit nutzen.  

Jahresarbeitszeit und Jahreseinkommen

Außerdem ist vorgesehen, das Arbeitsjahr neu zu betrachten. Was bedeutet das? Je nach Kalenderjahr bzw. je nach der Dauer der Schließzeit nach einem frühen oder späten Ostertermin, wird das Arbeitsjahr individuell berechnet und der Jahresarbeitszeit ein Jahreseinkommen gegenüber gestellt. So ergeben sich individuelle Lösungen für die Arbeitszeit und Bezahlung.

Für Fachkräfte, die den Fokus auf Geldverdienen legen, bedeutet dies kurze Beschäftigungszeiten und eine höhere Wochenarbeitszeit. Sie bekommen Überstunden und den Urlaub ausbezahlt und werden nach der Saison abgemeldet. Fachkräfte, die mehr Freizeit bevorzugen, können – so sie das möchten – in ihrer Jahresvereinbarung eine Wochenarbeitszeit von 25 bis 30 Stunden fixieren. 

Die langjährigen Führungskräfte des Hotels praktizieren schon jetzt zum Teil eine 4-Tage-Woche. Das neue Hochschober-Jahr mit einer zusätzlichen Schließzeit bringt für sie einen planbaren Freizeitvorteil und somit mehr Lebensqualität unter Berücksichtigung der Gehalts-Variablen. Mit dem neuen Modell wird es zum Beispiel auch möglich, dass die Führungskräfte im Sommer zusätzliche Urlaubstage mit ihrer Familien verbringen können. „Wir versuchen, so weit wie möglich auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter einzugehen“, so Karin Leeb. „Faktum ist jedenfalls, dass inzwischen einem Großteil der Mitarbeiter ein Mehr an Freizeit wichtiger ist als ein höheres Gehalt“, weiß Karin Leeb.

Die Bezahlung der Mitarbeiter erfolgt nach dem hausinternen, transparenten Gehaltsschema, wodurch Perspektiven für den Aufstieg sichtbar werden. Diese Transparenz hilft auch Fachkräften aus dem Ausland, die sich mit ihren Familien in Österreich eine zweite Heimat schaffen wollen. 

Neue Mitarbeiter-Unterkünfte

Neben Aus- und Weiterbildungsprogrammen im Rahmen der Mitarbeiter-Akademie MAK 2.0. tragen auch die neuen Mitarbeiterunterkünfte zu optimierten Arbeitsbedingungen bei. Nachdem Ende 2019 in einer ersten Phase im ehemaligen „Winterstützpunkt“ bei der Talstation der Panoramabau elf Einzelzimmer, ein Doppelzimmer und eine kleine Wohnung entstanden, folgten im September 2020 acht weitere Einzelzimmer im sanierten und ausgebauten ehemaligen „A1-Gebäude“.

Zusätzlich entstand ein neues Mitarbeiterhaus, das nach einer längeren Genehmigungsphase und einem coronabedingt verspäteten Spatenstich Ende November bezugsfertig sein wird und künftig 42 Mitarbeiter beherbergen wird. Dort können auch Pendler im Winter übernachten, um Fahrten bei schlechtem Wetter zu vermeiden. Um Pendlern die Fahrt zu ihrem exponierten Arbeitsplatz zu vereinfachen und einen Beitrag für die Umwelt zu leisten, forciert der Hochschober Fahrgemeinschaften und bezahlt ein Fahrtgeld. Im Entstehen ist zudem ein Elektromobilitätsmodell für Mitarbeiter. Hier denken Karin Leeb und Martin Klein die Anschaffung einer kleinen E-Auto-Flotte für Dienst- und Privatfahrten an.

Was das gute Arbeitsklima betrifft, so sollten sich auch Gäste ihrer Rolle bewusst sein, befindet Karin Leeb: „Wenn sich Gäste Mitarbeitern gegenüber wertschätzend verhalten, trägt das wesentlich zur Arbeitsplatzqualität bei. Andernfalls ist es Mitarbeitern nicht zu verdenken, dass sie in andere Branchen abwandern“.

(Von Marion Minarik)

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