08.07.2020

Neue Formate der Begegnungsqualität

Die Kongress- und Veranstaltungsbranche trifft die Pandemie besonders schwer. Als wichtiger Teil der Wirtschaft und des Tourismus muss dieses Segment nun gemeinsam neue Wege beschreiten und einen Schritt voraus sein, die virtuelle Convention4u ist ein Anfang.

Ein virtuelles Treffen einer Branche, die sonst sehr auf den persönlichen Kontakt ausgerichtet ist. Ein Experiment mit erstaunlichem Ergebnis.

Die 11. Jahrestagung des Austrian Convention Bureaus, Convention4u, bot über 230 Tagungsexperten, Veranstaltern, Branchendienstleistern und Interessierten am 7. Juli 2020 unter dem Motto „So gestalten wir unsere Zukunft“ erstmals im virtuellen Raum Information, Diskussion und Austausch zur aktuell größten Herausforderung der heimischen Kongress- und Tagungsindustrie. Ziel des Dachverbands ist es Zusammenarbeit, Zusammenhalt und Know-How innerhalb der Community zu fördern, Perspektive zu geben und als Gemeinschaft das Vertrauen in Kongresse und Tagungen zu stärken. Der Convention Talk lieferte tagesaktuelle Einblicke in branchenrelevante Entwicklungen. Spannende Impulse erhielten die TeilnehmerInnen im Austausch mit den ExpertInnen der fünf Think Tanks zu Themen rund um die Zukunft von Kongressen und Tagungen in Österreich.

100 Mio. Euro Umsatzverlust

Die Ergebnisse des Meeting Industry Report Austria (mira) für 2019 bestätigen den so wichtigen Beitrag zu BIP, Wertschöpfung und den Standort Österreich als Kongress- und Veranstaltungsgastgeber. Österreich zählt mit seinen VertreterInnen der Tagungsindustrie seit Jahrzehnten zu den gefragtesten Kongressdestinationen weltweit. Durch das Covid-19 verursachte Veranstaltungsverbot fanden von März bis Ende Mai 2020 kaum bis keine Live-Veranstaltungen statt. Zum Vergleich: 2019 wurden in diesem Zeitraum 7.200 Veranstaltungen (rd. 30 Prozent des Jahresgeschäfts) erfasst, die auch in den nächsten Monaten nicht kompensiert werden können. Das Austrian Convention Bureau initiierte mehrere Befragungen zur aktuellen Situation. So ergab eine Umfrage bei 126 Tagungsbetrieben, dass allein bei diesen im Zeitraum von Mai bis Juni Umsatzverluste in Höhe von mind. 100 Mio. Euro entstanden sind. „Ebenso wie die Reisebüros, Messe- und Eventbranche zählt die Tagungsbranche zu jenen, die es derzeit am Härtesten trifft, denn sie musste als eine der ersten schließen und wird noch für das verbleibende Jahr in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt sein“, erklärt Gerhard Stübe, Präsident des Austrian Convention Bureaus.

Kooperation und neue Formate

Umso wichtiger ist es, dass die gesamte Veranstaltungsbranche jetzt zusammenhält: Dazu gehört auch eine vertiefte Kollaboration zwischen ÖW, ACB, den Bundesländer Convention Bureaus und den Landestourismusorganisationen in Form einer Arbeitsgemeinschaft: „Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig der MICE Bereich ist. Wir müssen an einem Strang ziehen, neue Kooperationen und Formate andenken und den Austausch untereinander verstärken“, so Petra Stolba. Denn was trotz der Unsicherheit bleibe, ist der Wunsch, zusammen zu kommen, „auch gerne virtuell unterstützt.“

Daher steht auch die erste virtuelle Convention4u unter dem Motto „So gestalten wir unsere Zukunft“. Ziel ist die Stärkung des heimischen Netzwerks, den Zusammenhalt zu intensivieren, gemeinsam Wissen weiterzugeben und mutig in die Zukunft zu blicken. Auch mit der neuen Zukunftsplattform für die österreichische MICE-Branche – der Convention Austria, die im April 2021 in Linz erstmals über die Bühne gehen wird – will die Österreich Werbung neben fachlichem Austausch Optimismus und Mut in die Branche tragen. Begleitend dazu setzt die ÖW verstärkt auf die Kommunikation von Convention-Content in ihrem internationalen Netzwerk in 28 Ländern.

Sicherheit als unbedingte Servicequalität

Ein Thema, das durch Corona erheblich an Bedeutung gewonnen hat, ist Sicherheit. „Neben Österreichs innovativem und zukunftsorientiertem Angebot, der professionellen Servicequalität und der Gastfreundschaft ist selbstverständlich auch das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen von erheblichem Interesse“, so Stolba. Zu diesem Zweck arbeitet die Bundesregierung gemeinsam mit Branchenvertretern laufend an der Umsetzung und Weiterentwicklung zielgerichteter Regelungen und Maßnahmen.

Aber auch die Branche selbst erarbeitet gerade Präventionskonzepte für sichere Live-Veranstaltungen, um das persönliche Fortbilden, Netzwerken und Austauschen so sicher und vertrauensvoll wie möglich zu machen. „Die Maßnahmen müssen von allen beteiligten Stakeholdern, also von Veranstaltern über die MitarbeiterInnen in den Betrieben bis hin zu den TeilnehmerInnen, ernst genommen und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Denn nur so können wir das Vertrauen in Kongresse und Tagungen stärken und die Chance auf Live-Veranstaltungen aufrecht halten“, appelliert Stübe im Namen des Dachverbands an die Branche. Stübe ist es auch, der sich intensiv mit Meta-Themen beschäftigt, wie Angst und Vertrauen. Man müsse sich und anderen etwas zutrauen, Haltung einnehmen, Sicherheit und Selbstverantwortung leben. „Eben diese Werte helfen dem gesamten Kongressstandort Österreich“, ist Stübe überzeugt.

Stellung zurückgewinnen

„Wir setzen alles daran, Österreich im In- und Ausland als verantwortungsvolles, innovatives Gastgeberland zu positionieren, um als Tagungsstandort im weltweiten Vergleich attraktiv zu bleiben“, sind sich Stolba und Stübe einig. „Österreich soll – in Abhängigkeit von den weltweiten Entwicklungen rund um Covid-19 - seine Stellung als gefragte Destination in der Meeting Industrie wieder einnehmen“. Weiters weist der ACB Präsident darauf hin: „Um die Branche handlungsfähig zu machen und Österreich als erfolgreichen Standort für Kongresse und Tagungen zu erhalten, muss die Regierung über langfristige Konjunktur- und Hilfspakete, eine Ausfallshaftung für den Fall eines erneuten Veranstaltungsverbots sowie die Verlängerung der Kurzarbeit bis Ende des Jahres 2021 nachdenken.“

Den gesamten Meeting Industry Report Austria finden Sie hier.

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