08.03.2022

Nur ein Viertel der Unternehmen in Frauenhand

Bilanz zum Frauentag: 28 Prozent aller Funktionsträger (leitend oder besitzend) in protokollierten Unternehmen in Österreich sind Frauen, berichtet KSV1870.

Im 10-Jahres-Vergleich bedeutet der Anteil ein Plus von einem Prozent – es hat sich also nichts verändert. „Seit zehn Jahren herrscht de facto Stillstand. Dieses Resümee ist ernüchternd und in seinem Ausmaß für mich auch unerwartet. Welche Initiativen es von politischer Seite auch gegeben haben mag, ins Top-Management haben sie nicht durchgeschlagen“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Die Ausnahme: Der Frauenanteil in den heimischen Aufsichtsratsgremien (22 %) hat sich seit dem Jahr 2011 um sieben Prozent erhöht. Grund dafür ist auch die seit 2018 eingeführte Quotenregelung in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen. 

Während bei „leitenden Funktionsträgern“ aktuell 24 Prozent (+ 3 % gegenüber 2011) weiblich sind, sind es bei „besitzenden Funktionsträgern“ 29 Prozent – und damit um ein Prozent weniger als vor zehn Jahren. Weiters hat sich auch auf Geschäftsführer-Ebene kaum etwas getan: Ein Frauenanteil von 18 Prozent bedeutet ein Plus von lediglich zwei Prozent. 

Am häufigsten sind Frauen in hochrangigen Positionen derzeit mit 26 % in Kleinstunternehmen (1 bis 9 Mitarbeiter) zu finden. Nur auf den ersten Blick positiv ist die Situation in der Gründerszene: 2021 wurden mehr Gründerinnen (ca. 6.800) gezählt als im Jahr 2011, dennoch ist der prozentuelle Anteil auf 21 Prozent (- 1 %) gesunken, nachdem zuletzt verstärkt gegründet wurde.  

Oberösterreich hinkt hinterher

Mit Blick in die einzelnen Bundesländer zeigt sich, dass der Frauenanteil überall in Österreich vergleichsweise ähnlich ausfällt. Während Wien, Niederösterreich, Tirol und das Burgenland jeweils eine Quote von 25 Prozent aufweisen, bildet Oberösterreich (22 %) das Schusslicht. Ein Grund dafür könnte der hohe Anteil an Industrieunternehmen sein, in denen es nach wie vor überdurchschnittlich viele Männer gibt. Darüber hinaus ist es im 10-Jahres-Vergleich kaum zu Veränderungen gekommen. Einen kleinen Schritt vorwärts hat Vorarlberg (23 %) gemacht, doch auch hier beträgt das Plus lediglich zwei Prozent. 

Frauen bis 29 Jahre weniger präsent 

Wie die Analyse belegt, hat sich seit dem Jahr 2011 der Anteil von leitenden oder besitzenden Funktionsträgerinnen ab einem Alter von 40 Jahren leicht erhöht – dadurch wird auch der Rückgang im Bereich der Frauen bis 29 Jahre etwas aufgefangen. Bei den Unter-20-Jährigen (34 %) sind es gegenüber dem Jahr 2011 um sieben Prozent weniger, bei den 20- bis 29-jährigen Frauen (25 %) beträgt der Rückgang fünf Prozent. Während die 30- bis 39-Jährigen unverändert bei einem Anteil von 26 Prozent stehen, haben sich zuletzt die Anteile bei den 
40- bis 49-Jährigen (25 %) um drei Prozent und bei den 50- bis 59-Jährigen (23 %) um zwei Prozent erhöht. Unverändert das Bild bei den Über-60-jährigen Frauen – hier beträgt der Frauenanteil nach wie vor 24 Prozent. 

Zuwächse bei mittleren Unternehmen und den Big Playern 

Den aktuellen KSV1870 Zahlen zufolge fällt der Anteil an Frauen im leitenden oder besitzenden Top-Management in Kleinstunternehmen unverändert mit 26 Prozent am größten aus. Die deutlichste Veränderung in positiver Hinsicht gab es zuletzt im Vergleich zum Jahr 2011 bei den Großunternehmen, wo der Frauenanteil  immerhin von 13 auf 19 Prozent angewachsen ist. Die mittleren Unternehmen (21 %) verzeichnen ein Plus von vier Prozent, die Kleinunternehmen (24 %) ein Plus von einem Prozent.

(Red)

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten