20.12.2021

Nur Pech?

Diesmal geht's in Willys Gastro-Wochenrückblick um live erlebte gastronomische Niederlagen.

An dieser Stelle schrieb ich unlängst von der großen Hochachtung vor den Küchenprofis in unseren heimischen Gastrobetrieben und den oft riesigen, handwerklichen Unterschieden zu den Haushaltsamateuren am Herd (zum Kommentar hier). Nun leistete ich mir in der verwichenen Woche den Luxus in die gastrooffenen Bundesländer zu reisen und das eine oder andere Landgasthaus mit an sich gutem Ruf aufzusuchen. Während ich also mit großen kulinarischen Erwartungen, brav FFP2-Maske tragend zu meinem vorher telefonisch reservierten Platz geleitet wurde, musste ich nur in zwei von fünf Fällen mein Impfzertifikat herzeigen und das ContactTracing-Formular ausfüllen, den anderen dreien war die vorgeschriebene Kontrolle offensichtlich völlig wurscht. Naja, da mag sich jetzt jeder selber ein Bild machen.

Aber jetzt zum Kulinarischen. Aus einem einzigen Gasthof von diesen besagten fünf – und so viel sei verraten – einem in Niederösterreich, ging ich gastronomisch befriedigt hinaus. Aus einem einzigen! Man muss es leider so sagen, die anderen lieferten ein kulinarisches Desaster nach dem anderen ab. Da ich als jahrzehntelanger Lebensmittel-Redakteurserfahrung die Convenience-Produkte der diversen Großhändler und industriellen Produzenten sehr gut kenne, kam es in vier von fünf Versuchen gut zu speisen zu mitunter dramatischen Begegnungen mit denselben.

Von den unterschiedlichsten Packerlsuppen über fixfertige Erdäpfelrösti-Varianten bis hin zu billigsten Tiefkühlfischen, steinhartem Rind und noch halbgefrorenen Industrietorten bekam ich ausschließlich Fertigprodukte serviert. Selbst die Gemüsebeilagen kamen aus dem Packerl. Einzig und allein der Salat war relativ frisch, dafür kam das Dressing ebenfalls schon einheitsfix abgemischt aus der Flasche. Und auch beim Kaffee ortete ich den vordergründigen Hang zum Kosteneinsparen, einen Verlängerten als doppelten Espresso verkaufen, das geht gar nicht.

Man zahlt wortlos, gibt ungerne und sehr gebremst das übliche Trinkgeld und denkt sich: Was für eine Niederlage. Für mich als Gast, für den Wirten ob seiner Einstellung zu seinem Beruf und für das Gastgewerbe generell, weil imagemäßig ist sowas nur sehr schwer wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Was bleibt sind Fragen. Hat der Lockdown den Wirten die Freude am Wirtsein genommen, das Geld für gute, frische Ware, sind nur mehr billige Nichtskönner hinterm Herd und hat der berühmte Wurschtigkeisfaktor sämtliche frühere Ambitionen längst verdrängt? Oder hab ich einfach nur Pech gehabt? Ich hoffe Letzteres.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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