20.09.2021

Ode an den Würstelstand

Willys Gastro-Wochenrückblick diesmal über ein österreichisches Kulturgut mit viel Geschichte.

Bereits im 16. Jahrhundert liebte man Fastfood to go, nur halt nicht unter diesem Namen und oftmals notgedrungen. Es waren die so genannten Bratlbrater, die seinerzeit die ärmeren Menschen der Gesellschaft mit gebratenem und gekochtem Fleisch, zumeist in Würstelform, versorgten. Aus heutiger Sicht waren das die ersten Würstelstände, mobil auf kleinen Handwagen aufgebaut und vom Gesetz her ausschließlich des Nächtens geöffnet, was im übrigen in vielen Gegenden erst in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts aufgehoben wurde.

Das evidente Problem der Würstelstände: Sie werden anzahlmäßig immer weniger und immer öfter von Fastfoodbuden zumeist asiatischer Provenienz verdrängt. Was ich irgendwie schade finde, obzwar auch ich mir gerne das eine oder andere Mal einen saftigen Kebap, gebratene Asianudeln mit knuspriger Ente oder ein California Temaki reinziehe. Aber so richtig wohl fühle ich mich eigentlich nur bei einem klassischen, österreichischen Würstelstand und seiner ganz besonderen Atmosphäre, dem Sammelsurium an so ziemlich allen Vertretern unserer Gesellschaft und natürlich auch wegen der herrlichen kulinarischen Vielfalt.

Wobei ich persönlich seit Jahrzehnten fast ausschließlich Käsekrainer mit an Schoafn (obwohl der übliche Estragon nicht wirklich scharf ist) und einem frischen Semmerl präferiere. Würstelstände sind im Gegensatz zu den andere Imbissbuden nicht nur Auffanglager für Zwischendurch-Hungrige, sondern auch für Rede- oder Schweigebedürftige egal welcher sozialen Herkunft und aktuellen Lebenssituation. Da wird man sehr oft zum Zuhörer, Zureder, Streitschlichter, Mediator, Meinungsentscheider, Ratschläger oder einfach nur kulinarischer Begleiter.

In jedem Fall menschelt es an Würstelständen wie kaum an einem anderen Ort. Und wir sollten alles dransetzen, dass diese wichtige Institution nicht ausstirbt. Inklusive den bestens bekannten Klischees von der Haßn mit an Bugl, an Grokodü und an Aluweckerl, das durchaus auch ein Sechzehnerblech sein kann. Mahlzeit!

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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