07.12.2021

ÖHV: Spätere Öffnung von Hotels "sachbefreiter" Beschluss

Mit heller Empörung reagieren die Hoteliers auf die Ankündigung des Wiener Bürgermeisters, die Hotels eine Woche länger geschlossen zu halten als den Handel. "Das halte ich für eine völlig sachbefreite und falsche Entscheidung", sagte Michaela Reitterer, Chefin der Hoteliervereinigung (ÖHV).

Gerade in Wien sei das Geschlossenhalten der Hotellerie absurd, da Wien eine vorbildliche Infrastruktur für PCR-Tests habe, eine österreichweit sehr niedrige Corona-Inzidenz und es in Wien noch keinen Hotel-Cluster gab. "Es gibt null Logik, die hinter dieser Entscheidung steht", so Michaela Reitterer.

In Hotels müsse jeder Gast einchecken, daher sei eine lückenlose Kontrolle selbstverständlich, während der Handel, wo es kaum Kontrollen gebe, öffnen könne. "Nirgendwo anders funktioniert 2G so gut und kann eine Infektion so gut nachvollzogen werden wie in den Hotels." Wiener Hotels würden auch nicht gestürmt, es sei nicht damit zu rechnen, dass "die Leute auf einander sitzen, wie sie es in Einkaufsstraßen machen werden".

Früher habe es das Argument gegeben, man wolle die Bewegungsfreiheit einschränken, nun führen aber die Österreicherinnen und Österreicher ins Ausland, um dort Urlaub zu machen. Weihnachtsmärkte gebe es auch in Ungarn oder der Slowakei. "Die lachen sich ins Fäustchen", so Reitterer. Die Schweiz habe schon im vergangenen Winter vorgezeigt, wie Hotels offen halten und dabei noch die eigenen Gäste verpflegen können.

Wirtschaftlich sei der Schaden noch nicht abzuschätzen, denn es könne gut sein, dass viele Gäste das Vertrauen verlieren und nicht nur die eine Woche stornieren, sondern auch auf den Silvesterurlaub in Wien verzichten. Schlimm sei für sie "das Entsetzen meiner Mitarbeiterinnen", die sich fragen würden "warum dürfen wir nicht arbeiten?, während Menschen U-Bahn-Fahren und einkaufen dürfen. Die sind entsetzt. Die fühlen sich gedemütigt".

Reitterer hat auch kein Verständnis, dass die Entscheidung des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ) ohne Rücksprache mit den für Tourismus Verantwortlichen getroffen worden sei. Nur auf Virologen zu hören und dann so eine Entscheidung ohne eine Begründung kundzutun, sei zu wenig. "Ich möchte vom Bürgermeister wissen, wie er zu dieser Entscheidung gekommen ist und mich gerne mit ihm darüber unterhalten", so Reitterer. Außerdem solle er das nächste Mal "die fragen, die jetzt am 30. November doppelte Gehälter an alle Mitarbeiter überwiesen haben und nächste Woche die doppelte Krankenkassa zu zahlen haben - und ich möchte Wissen, wie sich das ausgehen soll".

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