23.07.2021

Ofen aus

Was uns die Pleite des Promikochs Alfons Schuhbeck sagt. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Eines gleich vorweg. Ich bin bekennender Schuhbeck-Fan. Anhand zweier Ereignisse möchte ich das begründen. Es ist jetzt schätzomativ 25 Jahre her, da lud „Alles für den Gast“-Veranstalter Reed zu einem Pressetermin zu Schuhbeck. Damals gab es noch das Kurhausstüberl in Waging am See, das ja vor den Toren Salzburgs und viel weiter weg von München liegt. „Alfons der Große“ erwies sich als Top-Koch, aber noch größerer Entertainer. In einer nicht enden wollenden Salve riss er einen Schmäh um den anderen, zündete eine Bestellorgie, dass sich der Busfahrer entnervt auf seinen Chauffeur-Sessel schlafen setzte, weil an einen zeitgerechten Aufbruch nicht zu denken war. Heute noch schwärmen damals anwesende Journalisten und vor allem -innen von diesem denkwürdigen Abend.

Das zweite Ereignis lief übers Radio. Auf dem Weg zu einer Reportage in bayerischen Landen begleitete mich Bayern 3 akustisch. Plötzlich ertönte Schuhbecks Stimme mit einem Rezepttipp: Fischpflanzerl. Zeitdruck und die kurvenreiche Straße im Tölzer Land erlaubten keinen Halt und schon gar keine Mitschrift. In höchster Konzentration replizierte ich die Zutatenliste immer wieder, um nur ja nichts zu vergessen. Heute noch vermag ich mit diesem Rezept Gäste zu begeistern – Alfons Schuhbeck sei Dank.

Armer Koch – böser Staat

Nun ist der Promikoch pleite und der bayerische Staat soll schuld sein. Zumindest so liest sich die Erklärung, die der Münchner Starkoch und Prominentenfreund verschickt hat oder zumindest lässt sie diese Interpretation zu. Darin teilt er die Insolvenz zweier seiner Betriebe mit. Natürlich waren Corona und der darauf zurückzuführende Shutdown schuld, wenn es heißt: „Nachdem die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind, muss ich für meine Betriebe Insolvenz anmelden.“

Konkret hat Schuhbeck beim Münchner Amtsgericht für seine Gastronomie-Betriebe am Münchner Platzl und seinen beliebten Partyservice Insolvenz angemeldet. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil seines Firmengeflechts. Er ist Geschäftsführer und Miteigentümer einer Rostocker Firma, die seine Fertiggerichte produziert, hat eine eigene GmbH. für seine beliebten Gewürze, ein Schokoladengeschäft am Platzl, ein Handelsunternehmen und eine Internetfirma.

Ähnlich wie in Österreich gilt bei der Auszahlung von Coronahilfen auch in Bayern eine Art „Verbundsbetrachtung“. Was so viel heißt wie, wenn Betriebe, die miteinander verbunden sind, müssen die im Shutdown stillgelegten Betriebe mindestens 80 Prozent zum Umsatz beigetragen haben, um Unterstützung zu bekommen. Im Falle Schuhecks dürften somit nicht oder weniger betroffene Firmen mehr als 20 Prozent Umsatz gemacht haben, weshalb es keinen Anspruch auf Hilfsgeld gab. Auch in Österreich betraf diese Handhabung der Finanz nicht wenige heimische Gastronomen. Im Übrigen hat der Gesetzgeber diese Bedingungen im Pandemieverlauf in Sinne von Antragstellern abgeändert.

Perfekter Koch – laxer Buchhalter

Am Küchenherd, vorzugsweise im TV-Studio, genießt Alfons Schuhbeck den Ruf eines Nationalheiligen, vergleichbar im Range eines Franz Beckenbauer oder einer Rosi Mittermeier. Seine wöchentliche Kochsendung im bayerischen Rundfunk immer sonntagnachmittags hat Kultstatus, ist eine ungefährliche Bucht für das Scheinwerferlicht suchende Promis und eine Oase der seichten Unterhaltung, wenn Schuhbeck über die Lieblingsgerichte von König Ludwig und seiner Schwester Kaiserin Sissy doziert. Immer perfekt in Szene gesetzt ist allerdings das Essen. Meist regionale Zutaten, stets nachvollziehbare Zubereitung und gschmackig angerichtet. Egal, wer zu Gast ist, ob Elmar Wepper oder Monika Gruber, meist geht es „gschmatzig“ zu, ohne jedoch das seichte Ufer zu verlassen.

Dass ein Koch mit einer derartigen Medienpräsenz pleitegeht, hebelt alle Gesetze der Werbewirksamkeit aus. Denn eines ist gewiss: Schuhbeck macht alles, was irgendwie mit Kochen in Verbindung steht, zu Geld. Ob das der obligate Hinweis auf sein jüngstes Kochbuch im Abspann jeder Kochsendung ist oder das oben erwähnte Firmengeflecht – vom Küchenherd bis zur Schokolade mit Fonsi-Konterfei wird alles gnadenlos auf den Markt geworfen.

Das Tanzen auf allen kulinarischen Kirtagen verbaut dem Kochstar vermutlich den ernsthaften Blick in die Buchhaltung. Nur so lässt sich erklären, dass sich die Münchner Promiszene aktuell über Schuhbecks seit zwei Jahren anhängiges Steuerstrafverfahren genüsslich das Maul zerreißt. Die Rede ist von „hemdsärmeliger Buchführung“ …

Mit finanziellen Schwierigkeiten alleine ist Bayerns Kochstar damit keinesfalls: Sarah Wiener musste Insolvenz für ihre unternehmerischen Aktivitäten anmelden. Johann Lafer hatte Troubles mit einer Mitarbeiterin und musste nachzahlen. Heinz Hanners Betrieb in Mayerling wurde vom Bauindustriellen Haselsteiner gekauft und ist heute ein Sozialprojekt.

Mit einer gewissen Laxheit in Fragen der ordnungsgemäßen Buchführung auf der einen Seite, natürlich auch mit Pech, aber auch mit einer gewissen Abgehobenheit begegnen viele (Promi-)Köche der betriebswirtschaftlichen Praxis. Ob sich das so schnell ändert. Dazu möchte ich einen Satz Schuhbecks aus der „Münchner Abendzeitung“ zitieren: „Irgendwie wird es schon weitergehen.“

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