14.04.2022

Osttirol startet Leader-Projekt für Kleinbetriebe

Gemeinsam geht mehr weiter: Angebot und Qualität Osttiroler familiengeführter Kleinbetriebe sollen sich verbessern und den Betrieben helfen, Zeit und Geld zu sparen. 

Bei vielen Osttiroler Beherbergungsbetrieben, wie etwa in einem Gasthof mit 40 Betten, ist die Chefin gleichzeitig Rezeptionsmitarbeiterin und volle Arbeitskraft im Service. Der Chef steht in der Küche, kümmert sich um den Einkauf und erledigt wahrscheinlich auch noch Hausmeisterarbeiten. Buchhaltung und Abrechnung kommen für die beiden als Aufgabe noch dazu. Dass da nur mehr wenig Zeit und Muße bleiben, sich um Marketing, Vertrieb und Angebotsentwicklung zu kümmern, ist klar. So ein Betrieb ist einfach zu klein, um sich wie die großen Marktbegleiter dafür eine eigene Abteilung leisten zu können.

Diesem Problem will man nun in einem von der Wirtschaftskammer Tirol Bezirksstelle Lienz vorangetriebenen Projekt entgegenwirken. Im Rahmen eines bereits genehmigten Leader-Projekts „Neuausrichtung der familiengeführten Kleinbetriebe im Osttiroler Tourismus“ wird eine Kooperationsgruppe aufgebaut, um solche familiengeführten Kleinbetriebe rentabler, krisensicherer und konkurrenzfähiger zu machen. „Viele Gastronomen und Inhaber von touristischen Kleinbetrieben sind gewohnt, sich als Einzelkämpfer durchs unternehmerische Leben zu schlagen - wie ein einsamer Wolf. Aber das Erfolgsgeheimnis der Wölfe ist ihr Zusammenschluss im Rudel“, fasst es Dieter Mayr-Hassler, Initiator des Leader-Projekt und selbst Gastgeber im Spiele- und Buchhotel Tschitscher in Nikolsdorf, wortkräftig zusammen.

Aufgaben gemeinsam besser bewältigen

Ziele der Gruppe sind u. a. die die Stärkung der inhaltlichen Ausrichtung des einzelnen Kooperationsbetriebs und die Ausarbeitung eines Alleinstellungsmerkmales. Ein Schwerpunkt ist ein gemeinsames Veranstaltungsangebot, das von den Gästen der Kooperationsbetriebe genutzt werden kann – also quasi ein gegenseitiges Umsatz-Zuschubsen der Partnerbetriebe. Ebenso sollen Synergien beim Einkauf, aber auch beim Personal und bei der Werbung genutzt werden. Am Plan steht außerdem die Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsangeboten für Unternehmerfamilie und deren Mitarbeiter. Jeder der Teilnehmer darf darüber hinaus seine Fähigkeiten einbringen zum Vorteil der ganzen Gruppe: der eine bäckt für ein Tal die Mehlspeisen, ein anderer schreibt Werbetexte und der nächste übernimmt Taxidienste nicht nur für seinen eigenen Betrieb. Das sorgt für Zusatz-Einnahmen innerhalb der Gruppe bei gleichzeitig günstigeren Konditionen aufgrund des Wegfalls von Zwischenhändlern.

„Man kann einen Strauch, damit er nicht sinnlos wuchert, zurechtstutzen, aber danach muss er wieder austreiben, sonst stirbt er. Ähnlich ist es mit Betrieben, die nur optimieren und reduzieren“, so Mayr-Hassler. Denn Unternehmer wollen und sollten ihren Betrieb stets weiterentwickeln. Einsparungen und Kürzungen beim Angebot sind kurzfristige Lösungen, „aber langfristig brauchen Unternehmen eine Weiterentwicklung und auch Wachstum.“

„Kümmerer“ helfen den Betrieben

Ein sogenannter Kümmerer begleitet die Betriebe im Projektzeitraum. Er steht den Kooperationspartnern zur Seite und strukturiert ausgewählte Themen so, dass sie, trotz der eingeschränkten Zeit der Unternehmerfamilie, im Betrieb erledigt werden können. Der Kümmerer wird auch viel Arbeit vorbereiten – z. B. Textbausteine für Anfragen, für Behörden, Hilfe bei der Erstellung von Werbeanzeigen, bei der Erstellung und Kalkulation von Speisekarten, Aufbereitung mit Checkliste für diverse Behördenauflagen etc. Für das Marketing ist der Tourismusverband verantwortlich, der Kümmerer fungiert als Schnittstelle mit den Betrieben.

Im ersten Jahr werden vor allem die Ausrichtung und die Aufgaben der Gruppe genau definiert und festgelegt und erste Projekte umgesetzt. Dazu soll es Workshops zur Marken- und Aufgabenfindung geben. Der Startschuss erfolgte Anfang April. Die Gesamtprojektkosten betragen 64.000 Euro. Der Eigenmittelbeitrag der Betriebe beträgt 1.000 Euro. Nach einem einjährigen Probejahr werden die vereinbarten Aktivitäten in einem dreijährigen Folgeprojekt im neuen Leader-Programm umgesetzt. 

Die Initiatoren rechnen zum Projektstart mit 20 teilnehmenden Familienbetrieben. Gelingen die Aufgaben des Projekts, werden rund 500 Gästebetten und mehr für Osttirol mittel- und längerfristig gesichert. „Jeder hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen. In der Kooperation kann jeder seine Stärken einbringen und damit die Schwächen der anderen wieder wettmachen“, ist Dieter Mayr-Hassler überzeugt.

Eine Teilnahme am Projekt ist noch möglich, weitere Informationen finden Sie hier:

Bezirksstellenleiter Mag. Reinhard Lobenwein 
05 90905 3516 
reinhard.lobenwein(at)wktirol.at

 

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