27.01.2021

Patty mischt den Burger auf!

Big Mac oder Fleischlaberl, in Österreich grenzt(e) diese Frage seit der Eröffnung des ersten Mc Donald‘s Restaurants anno 1977 am Wiener Schwarzenbergplatz fast an kulinarische Nestbeschmutzung. Heute ist alles anders. Ein Kommentar von Brigitte Charwat.

Das gute alte faschierten Laibchen, das Fasch-Schnitzchen, wie schon Katharina Prato in ihren altösterreichischen Kochbüchern die Vielfalt vom gehackten Fleisch in unzähligen sich heute ziemlich fremd anmutenden Rezepten beschrieb, gehört wie das Wiener Schnitzel und der Erdäpfelsalat einfach zur österreichischen Küche dazu. Und doch konnte sich die amerikanische Fast-Food Variante im Fleischlaberlland behaupten und setzt jetzt gerade zum Höhenflug 2.0 an.

Wie das österreichische Fleischlaberl im Laufe der Jahre in vielen Spielformen – vom feinen Kalbsbutterschnitzerl bis zu phantasievoll gefüllten Variationen - salonfähig wurde, hat sich auch das amerikanische Pendant – Katharina Prato möge diese Annäherung verzeihen – vom ziemlich ungesund propagierten simplen Rindfleisch-Käse-Ketchup-Zwiebel-Salat-Gurkerl-Laberl emanzipiert und ist jetzt endgültig im clean eating Zeitalter angekommen. Zumindest glaubt das die diesem neuen Food- und Ernährungstrend folgende Generation. Meine Geschmacksnerven geraten alleine beim Gedanken an die moderne Weiterentwicklung des guten, alten Burgers in Panik, aber Gusto und Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden. 

Alles, was sich heute schlicht Burger nennt, ist retro, denn in und chic ist, was Patty heißt und in den interessantesten Geschmacksvariationen daherkommt. Vorbei ist die Zeit, als man nur beim fröhlichen Ronald Mc Donald McDonald oder seinem königlichen Konkurrenten traditionelle Burger, am Fließband gefertigt, fix und fertig in der Pappschachtel verpackt, mit erdäpfelähnlichen Pommes, dafür mit ganz viel Ketchup und noch mehr Cola, den Kalorienschub völlig außer Acht lassend, als geschwinde Zwischendurchmahlzeit ehrlich und mit Freude genoss. Denn Burger, pardon, Patties, setzen gerade zum neuen und gesunden Höhenflug an, dem auch die zwei Platzhirschen der Systemgastronomie – wenn auch noch in abgespeckter Tofu-Version – folgen. 

Five Guyes, Le Burger, XO-Grill und andere coole Typen erobern mit ihren Patty-Burger Kreationen gerade Wien und Österreich. Der Phantasie scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein, je schräger, umso erfolgreicher. Und so reicht die Palette von Rindfleisch-Patties mit Gorgonzola-Note über vegane Süßkartoffel-, Spinat- oder Rote-Rüben Patties und vielem mehr. Dass auf eine exakte Ausgewogenheit von Kohlehydraten, Eiweiß und Fett größter Wert gelegt wird, ist im clean eating Zeitalter selbstredend, denn ein Burger, ein Patty, der heute etwas auf sich hält, muss vollwertig sein, um als gesund und zeitgemäß zu gelten. Darum gibt’s zwecks innerer Reinigung mitunter auch den Tierkohle-Patty und vielleicht schon bald einen Mehlwurm-Protein-Patty auf mancher Speisekarte zu finden. Lecker …

Dagegen macht sich good old Big Mac und das heimische Fleischlaberl ziemlich old school aus, aber ehrlich: Tierkohle hat in meinem Verständnis eine andere Zweckerfüllung, den Spinat esse ich lieber mit Spiegelei und feinem Erdäpfelschmarren und die noch so gesunden Mehlwürmer sind einfach nur für die Fisch. Big Mac UND Fleischlaberl, die zwei passen sehr gut zusammen, oder was meinen Sie?

(Autorin: Brigitte Charwat)

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten