30.12.2020

Perlen, die viel Spaß versprechen

Zum Jahresabschluss begeisterten die Sommeliervereine Oberösterreich und Salzburg noch mit einer hochkarätigen Online-Verkostung österreichischer Top-Sekte.

Das Format virtueller Tastings via Videocall hat sich als bewährtes Home-Schooling-Tool der heimischen Profisommeliers etabliert. Für den Jahresausklang ließen die Profis die Korken knallen und baten sechs Paradewinzer um „nicht alltägliche“ Kreszenzen. HGV PRAXIS war mit dabei, lesen Sie hier die Kostnotizen der sechs heimischen Sekte.

Pét Nat von Jurtschitsch

Alwin Jurtschitsch reichte einen Pét-Nat-Schaumwein ein. Die Abkürzung stammt von dem französischen „pétillant naturel“, was so viel wie natürlich schäumend bedeutet. Das Kürzel subsummiert somit die Naturweinbewegung, die auch vor der Sekterzeugung nicht haltmacht. Pét Nat unterscheidet sich von einem klassischen Schaumwein vor allem in einem Punkt: Die Weine durchlaufen nur eine Gärung. Diese startet im Fass und wird in der Flasche ohne Zusatz von Zucker und Hefen abgeschlossen. „Um so naturnah wie möglich zu arbeiten, handelt es sich eher um eine Kunst des Weglassens“, erklärt der Winzer.

Hillinger Brut Reserve

Hillinger-Kellermeister Peter Zuschlag stellte sich mit der Hill Brut Reserve 2015 ein. Im Duft zeigt er fruchtige Aromen, im Vordergrund mit Anklängen an Pfirsich, aber auch etwas Vanille und dropsige Exotik; im Hintergrund eine leichte Kräuterwürze spürbar, die fast schon etwas an Cava erinnert. Der Sekt moussiert stark und wird von einer etwas bitzeligen Säure getragen, was ihn bis zum Finish frisch und animierend hält. Insgesamt sehr schön zu trinken.

Rohsekt von Harkamp

Der südsteirische Sektguru Hannes Harkamp wurde dem Sommelier-Aufruf nach „nicht alltäglichen“ Kreszenzen mit einem Rohsekt ohne Dosage gerecht. Seine Brut Reserve, die im Mai 2021 auf den Markt kommt, ist eine Cuvée aus Pinot noir (40 %), Chardonnay (40 %) und Weißburgunder (20 %). Frische, knackige zitrus-blumige Töne täuschen nicht über die feine Ziselierung hinweg. Apfel, Birne, Limette sind eindeutig zuzuordnen, auf der Zunge herrscht eine Super-Balance mit einer schönen Länge. Der top-trainierte Körper erlaubt Nuancen einer Nussigkeit und zarte Töne nach Marzipan. Öffnet sich herrlich mit zunehmender Luft. Insgesamt ein Sekt mit burgundischem Hauch und einer typisch steirischen Handschrift.

Schlumberger Blancs de noir 2016

Die Einreichung aus Österreichs größtem Sekthaus Schlumberger stellte die Verkoster vor ein Rätsel. Ein reifer, fruchtbetonter, buttriger Auftritt in der Nase nach Toast, Brioche, gelber Apfel, reifer Pfirsich, ließ die Sommeliers zuerst an eine Blancs de blanc Große Reserve denken. Der kraftvolle Auftritt am Gaumen legte Aromen nach rotem Apfel bzw. getrockneten Ananas frei. Ein sehr schön gebauter Sekt mit harmonischem Zusammenspiel aller Komponenten. Es war jedoch ein Blancs de noir (100 % Pinot noir) aus Andau im Seewinkel, extra brut, mit 5,5 Gramm Säure, 12,5 Alkohol und aus dem Jahr 2016.

Bründlmayer Extra Brut

Dieses Gewächs des Langenloiser Paradeweinguts gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge; straff, geradlinig, mineralisch, vielschichtige, elegante Fruchtnoten nach Pfirsich, Marille, Honigmelone; äußerst präzise gearbeitet, sehr druckvoll am Gaumen, vom Antrunk bis zum Abgang voller Spannung, knochentrocken und mit einem wundervollen Grapefruit-Bitterl am Schluss, zeigt dieser Sekt aus je zur Hälfte Chardonnay und Pinot noir-Trauben, was er kann. Jahrgang 2016, 11,9 Alkohol, 4,5 Gramm Restzucker und 37 Monate auf der Hefe gereift.

Zwei Halbflaschen von Malat

Michael Malat schickte zwei Halbflaschen ins Rennen. Diese wurden anlässlich der Hoteleröffnung 2012 am Weingut befüllt, weil, so der Winzer, „wir was für die Bestückung der Minibar brauchten.“ Sein Blancs de noir sollte unbedingt ausreichend belüftet werden, damit er seine Trümpfe ausspielen kann; erdige Facetten im Duft, zarte Töne nach Ribisel und Elsbeere, wunderbar harmonisch am Gaumen, mit einer feinen Säure, die die herrliche Perlage unterstützt. Es ist eine Cuvée aus 80 % Pinot noir und 20 % Chardonnay.

Sein Rosé-Sekt wiederum besteht zur Gänze aus Pinot noir-Trauben und präsentiert sich fleischig-beerig am Gaumen, präsentiert sich super balanciert mit vollendeter Fülle und Cremigkeit; ganz klar etwas Reiferes. Befüllt 2012 und degorgiert 2019, somit 78 Monate auf der Hefe gereift.

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten