04.11.2019

Petition gegen Pitztal-Ötztal erreicht 45.000 Unterschriften

Der Widerstand gegen einen geplanten Zusammenschluss der Tiroler Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal hat zunehmend an Unterstützung gewonnen.

Eine Online-Petition gegen die "Gletscherehe" erreichte Montagmittag 45.000 Unterschriften. Doch vergangene Woche meldeten sich auch Befürworter des Projekts zu Wort. Die Plattform "Lebensraum Pitztal" erhofft sich wirtschaftlichen Aufschwung. Die Plattform, bestehend aus Pitztaler Jungunternehmern, wollte sich vorige Woche Gehör verschaffen und überreichte Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) einen offenen Brief. Der Tourismus sei wirtschaftliche Grundlage des Pitztales, "die infrastrukturelle Weiterentwicklung der Gletscherbahn ist somit eng mit der Weiterentwicklung der ganzen Region verbunden". Naturschutz und touristische Weiterentwicklung im Pitztal würden sich außerdem nicht ausschließen, hieß es darin.

Dem gegenüber stehen Umwelt-NGOs, etwa Alpenverein, WWF und die Naturfreunde. Sie machen schon seit geraumer Zeit gegen das Vorhaben mobil und fürchten eine nachhaltige Beeinträchtigung des Naturhaushaltes auf dem bisher unberührten Gletscher. Die Ausbaugrenzen seien schlicht erreicht. Dieser Ansicht ist auch Gerd Estermann, der die Online-Petition ins Leben gerufen hatte. Er fordert die Festlegung von verbindlichen Ausbaugrenzen und eine Novellierung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Er zeigte sich überzeugt, dass vor allem die geplante Sprengung des Berggipfels am Linken Fernerkogel die Menschen zum Unterschreiben der Petition mobilisieren würde, teilte er mit.

Unterdessen werden Gutachten für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeholt. Eine mündliche Verhandlung soll Anfang Dezember stattfinden. Da aber noch nicht alle Gutachten vorliegen, könnte sich das Prozedere verzögern. Die Tiroler Regierungsparteien ÖVP und Grüne berufen sich jedenfalls auf das Behördenverfahren. Im Regierungsprogramm hielt man fest, dass das Projekt "außer Streit gestellt" wird. Die Grünen sprachen sich aber gegen den Zusammenschluss in der geplanten Form aus und wünschen sich nur eine Überspannung zur Fusion der Skigebiete.

Großprojekt am Gletscher

Konkret geht es um die geplante Errichtung des "größten zusammenhängenden Gletscherskigebiets in Europa". Mit zusätzlichen 64 Hektar an Skipisten sollen die Lifte im Ötztal mit jenen im Pitztal verbunden werden. Drei Seilbahnen, ein asphaltierter Speicherteich und die Planierung, Überschüttung sowie Abtragung von 72 Hektar gewachsenem Gletscher stehen laut den Umweltorganisationen etwa am Plan. Auch ein 600 Meter langer Skitunnel und die Schleifung eines Berggrats am Linken Fernerkogel um 40 Höhenmeter sind vorgesehen.

 

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