21.02.2019

Plan T – Masterplan Tourismus wird am 21. März in Salzburg präsentiert

Der neue strategische "Plan T - Masterplan Tourismus" war heute Thema der aktuellen Aussprache mit Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Elisabeth Köstinger, im Tourismusausschuss. Die ÖHT bleibt auch nach Gesellschafterwechsel eigenständige Tourismusbank.

Tourismus müsse aber immer in der Lage sein, sich zu Trends neu zu erfinden. Insofern werde der Plan T kein Endprodukt, sondern ein Startschuss für eine neue Tourismuspolitik sein. Wichtig sei hier immer auch die Unterstützung von allen. Der rote Faden stelle dabei ein nachhaltiger Tourismus dar, so Köstinger, also die gesamthafte Betrachtung aller drei Säulen der Nachhaltigkeit - im Sinne einer erfolgreichen Tourismuspolitik für Gast, Unternehmen, Mitarbeitern, Bevölkerung und Umwelt.

Von Nächtigungs-Plattformen bis Overtourism-Hot-Spots

Im Hinblick auf Plattformen wie Airbnb sei das Ziel, einen fairen Wettbewerb zu schaffen, so Köstinger in der anschließenden Debatte auf entsprechende Nachfrage von Maximilian Unterrainer (SPÖ). Bundesseitig würde geprüft, wie Vermieter auch einen gerechten Beitrag leisten können, sowie in Abstimmung mit den Bundesländern eine Registrierungspflicht überlegt. Auch verpflichtenden Informationsaustausch sieht sie als eine Möglichkeit, wobei sich auch gezeigt habe, dass das nicht zielführend sein könne.

Zur Österreich Werbung (ÖW) und deren Finanzierung bestätigte sie einmal mehr, die entsprechende Finanzierung sei ihr ein großes Anliegen. Digitalisierung sei in diesem Zusammenhang ein intensiver, großer Aspekt. Hinsichtlich Indikatoren zur Messung von Tourismusdaten soll im Rahmen des Plan T das " Tourismus-Satellitenkonto" eine Grundlage darstellen. Die Details auszuarbeiten, werde massive Unterstützung der Bundesländer brauchen, so die Bundesministerin. In Bezug auf Herkunftsmärkte, wo es durchaus positive Entwicklungen gebe, werde evaluiert, wo zusätzliche Aktivitäten gesetzt werden können.

Ein von Konrad Antoni (SPÖ) thematisierter "Overtourism" betreffe einzelne Hot-Spots und könne daher nicht bundesweit geregelt werden, sagte Köstinger, die aber Bereitschaft zur Unterstützung und für enge Zusammenarbeit signalisierte.

Reisenzahn: Nächtigungszahlen allein sind nur die halbe Wahrheit

Themen der aktuellen Aussprache im Tourismusausschuss waren heute zudem die betriebliche Situation der Hotellerie sowie der Eigentümerwechsel bei der Österreichischen Hotel und Tourismusbank ÖHT. Der Experte Thomas Reisenzahn präsentierte in seinem Statement aktuelle Entwicklungen mit Betriebs-Kennzahlen für 2018, aber auch "Stresstests" für die Hotellerie. Auch wenn sich die Entwicklung mit einer durchschnittlich steigenden Auslastung und steigenden Gesamterlösen pro Nächtigung gut darstelle, gebe kostenseitig eine enorme Steigerung der Mitarbeiterkosten, Energiekosten und Provisionen zu denken, so der Experte, der auch als Kolumnist für Hotel & Touristik wichtige Wirtschaftsthemen behandelt. Die Nächtigungszahlen seien nur die halbe Wahrheit. So würden ein Stresstest exemplarisch zeigen, dass ein Dreifachschock in diesen drei steigenden Kostenbereichen eine 20-jährige-Entschuldungsdauer mit sich führen würden.

Reisenzahn brachte dazu eine Reihe von Vorschlägen für eine Steuerreform ein. So sei die Lohnverrechnung überkomplex und für Betriebe kaum mehr machbar, dessen müsse man sich annehmen. Er sprach sich außerdem für die Abschaffung der kalten Progression sowie hinsichtlich der Abschreibung für eine Senkung der Nutzungsdauer auf 33 bzw. für Wellness und Sanitär auf die effektive Dauer von 15 Jahren aus. Zudem müssten Investitionsfreibeträge von 20 % eingeführt werden, so Reisenzahn, der etwa auch Mitarbeiterbeteiligung, Altersvorsorge, das Thema Aushilfen und den Bereich Umsatzsteuer für Plattformen wie Airbnb ansprach.

Kleemann: eigenständige Tourismusbank bleibt

Die neue Eigentümerstruktur bei der Österreichischen Hotel und Tourismusbank (ÖHT) - die Anteile von Bank Austria und Erste Bank werden von der Kontrollbank (ÖKB) übernommen - ziehe, wie ÖHT-Generaldirektor Wolfgang Kleemann versicherte, keinerlei Auswirkungen auf die Förderstrategie nach sich. Da die ÖHT bereits jetzt über Anteile dieser beiden Banken verfügt, würden de facto nun zwei Gesellschafter von einer direkten Beteiligung in eine indirekte Beteiligung über die ÖKB wechseln. Am Anteil der Raiffeisen, die mit 31% den dritten Gesellschafter stellt, ändere sich zudem nichts. Man habe die Zusicherung seitens der ÖKB erhalten, dass die ÖHT die eigenständige Tourismusbank Österreichs bleiben werde. Auch werde das auf die KMU zugeschnittene Fördersystem weiter aufrecht erhalten. "Alles bleibt besser", resümierte Kleemann.

Kleemann nahm in seinem Statement auch zur wirtschaftlichen Lage der Tourismuswirtschaft in Österreich Stellung und meinte, das Rating der Tourismusbetriebe sei im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft insgesamt schlechter. Probleme bringe dies vor allem bei der Finanzierung. Die Situation habe sich nunmehr aber verbessert, berichtete Kleemann. So seien in den letzten fünf Jahren die Erlöse deutlicher gestiegen als die Aufwendungen, die Unternehmen würden operativ pro verfügbarem Zimmer wieder mehr verdienen. Die Marktbereinigung einiger Unternehmen habe der Branche jedenfalls nicht geschadet. Dringender Handlungsbedarf bestehe aber hinsichtlich der steuerlichen Rahmenbedingungen, um unrentablen Verlustbetrieben das "Zusperren" zu ermöglichen, mahnte Kleemann.

Was die Förderungen grundsätzlich betrifft, müssen nach Ansicht Kleemanns in Zukunft die Mitarbeiter - Stichwort Arbeitsbedingungen, Lebensumfeld, Kinderbetreuung - sowie das Thema Unternehmensnachfolge stärker in den Fokus gerückt werden. Besonderes Augenmerk sollte auch auf die Landgastronomie als Schnittstelle mit der Landwirtschaft gelegt werden. Mehr Impulse wünscht sich Kleemann zudem in Richtung alternativer Finanzierung über Crowdfunding-Modelle. Darüber hinaus gelte es, sich auf einen zu erwartenden Zinsanstieg einzustellen, der große Probleme für die Tourismusbranche bringen werde.

 

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