21.09.2021

Privatbrauereien gegen die Brau Union

Bier von österreichischen Privatbrauereien trägt jetzt ein Herkunfts-Siegel und will damit "Österreichs Braukultur" schützen. Der Marktmacht des größten Mitbewerbers will man sich vereint entgegenstellen.

Bereits sechs von zehn Bieren, die in Österreich getrunken werden, stammen von „internationalen Großkonzernen“, betonen die Privatbrauer in einer Presseaussendung. „Österreichische Privatbrauerei –100% unabhängig“ steht auf dem neu geschaffenen Siegel, das ab sofort die Flaschen, Dosen und Verpackungen der zehn Privatbrauereien ziert, die sich zur Vereinigung „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ zusammengeschlossen haben. In einigen Monaten werden rund 360 Millionen Kronenkorken mit dem neuen Siegel am österreichischen Markt zu finden sein.

Durch die Marktmacht der Brau Union Österreich – die rund zwei Drittel aller Biere in Österreich verkauft – sehen die Privatbrauereien „die Ursprünglichkeit der österreichischen Brautradition gefährdet“. Die Entscheidung liege bei den Biergenießern, wenn sie denn über transparente Informationen verfügen, argumentiert man bei der neuen Vereinigung. Das Herkunftssiegel könne ein solches liefern, da es den Konsumenten zeige, ob man zu einem Bier der Privatbrauer oder der Brau Union greift. Es zeichnet Unternehmen aus, die zu hundert Prozent in österreichischem Eigentum stehen.

„Wir wollen ein Zeichen setzen für unser Bier. Wir wollen österreichische Privatbrauereien stärken, die sich nicht von Großkonzernen vereinnahmen lassen“, begründet Aufsichtsrat der Ottakringer Brauerei Sigi Menz das Engagement seines Unternehmens. Ewald Pöschko, Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt und Obmann des neuen Vereins, ergänzt: „Unsere Botschaft lautet: Wir sind nicht von internationalen Großkonzernen abhängig, sondern erwirtschaften unsere gesamte Wertschöpfung im Inland und zahlen auch hier alle unsere Steuern.“

Kampf der Brauer

Auslöser für die Initiative sei die Marktverzerrungen am heimischen Biermarkt, die von den mittelständischen Privatbrauereien schon länger mit Sorge beobachtet werden. Denn als Folge von jahrelangen Fusionen und Übernahmen wird der österreichische Biermarkt heute von Konzernstrukturen dominiert. Die Pandemie hat die Situation zusätzlich verschärft, denn durch den monatelangen Ausfall der Gastronomie brach der Bierkonsum ein. „Die internationalen Großkonzerne reagierten darauf mit scharfen Preiskämpfen, bei denen die Privatbrauereien nicht mithalten können und wollen“, so der Vorwurf. 

„Wir haben eine paradoxe Situation“, findet Stiegl-Eigentümer Heinrich Dieter Kiener: „Auf der einen Seite zeigt sich die Bierszene in Österreich mit rund 300 Klein- und Kleinstbrauereien noch nie so dynamisch wie heute. Auf der anderen Seite sind zwei Drittel des Marktes in einer Hand.“

Die Vereinigung will wachsen

Im Hinblick auf das Ziel, die authentische, österreichische Braukultur zu fördern, hat die neue Vereinigung bestimmte Kriterien entwickelt. Die wichtigsten sind: Die Privatbrauerei und ihre Eigentümer müssen ihren Sitz in Österreich haben und dürfen unter keinem Einfluss eines ausländischen Unternehmens stehen. Sie muss seit drei Jahren gewerblich als Privatbrauerei in Österreich tätig sein und die Braustätte muss real existieren – nicht nur der Markenname.  Dafür spielt die Größe der Privatbrauerei keine Rolle, auch Kleinstbrauereien sind zugelassen, sofern sie die Kriterien erfüllen.  

Die Biere, die derzeit dieses Siegel tragen, machen einen Anteil von rund 28 Prozent des österreichischen Biermarktes (Inlandsausstoß 8 Millionen Hektoliter im Jahr 2020) aus. Die Initiative dieser zehnPrivatbrauereien soll aber nur der Startschuss sein. Die Vereinigung will weitere Mitglieder aufnehmen und eines Tages möglichst viele unabhängige Privatbrauereien Österreichs unter einem Dach vereinen. 

Teil der neuen Vereinigung sind die Ottakringer Brauerei (Wien), Stieglbrauerei zu Salzburg, Braucommune in Freistadt (Oberösterreich), Privatbrauerei Hirt (Kärnten), Mohrenbrauerei (Vorarlberg), Brauerei Murau (Steiermark), Brauerei Schloss Eggenberg (Oberösterreich), Trumer Privatbrauerei (Salzburg), Bierbrauerei Schrems (Niederösterreich) und Privatbrauerei Zwettl (Niederösterreich).

www.privatbrauereien

(Red)

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