05.11.2020

"Profis im Zusperren"

Tiroler Gastronomen und Hoteliers üben sich zum Teil trotz Coronakrise und Lockdown in Pragmatismus, der in Richtung zusperren und abwarten tendiert. Die Umsatzrückerstattung scheint für manche die unternehmerisch bessere Alternative zu Lieferservice und Take-away zu sein.

Viktoria Fahringer, Chefin des Kufsteiner Gourmet-Wirtshauses "Tiroler Hof" will es jedenfalls im zweiten Gastro-Lockdown anders als im Frühjahr angehen. "Der Lieferservice war damals purer körperliche Stress", sagte die 21-Jährige zur APA. Auch für Take-away ist sie dieses Mal nicht zu begeistern: "Da geht das Restaurantgefühl einfach zu sehr verloren."

Dieser sei schließlich keine echte Alternative zum Restaurantbetrieb, sondern schlicht eine Notlösung beim "Kampf ums Überleben", betonte sie. Trotz unternehmerischen Denkens setze sie deshalb im aktuellen Lockdown auf die Umsatzrückerstattung, die auf Basis des Vergleichszeitraums November 2019 errechnet werden soll.

Die Atmosphäre kann man nicht ersetzen

Auch Markus Schweiggl, Hausherr im "Stadtgasthaus Haymon" in Innsbruck, schließt sein Lokal im November komplett. "Es tut zwar weh, denn der November ist normalerweise einer der umsatzstärksten Monate im Jahr, aber Take-away & Co. sind für mich kein Thema", betonte er. Es gehe für ihn schließlich um einen perfekten Abend im Restaurant vor Ort und um die damit verbundene Atmosphäre, fügte er hinzu.

Die "Euphorie" im ersten Lockdown, dass man wieder aufsperren dürfe, sei bei ihm insgesamt verpufft. "Ich rechne derzeit nicht damit, dass es vor Mitte Dezember eine Gastro-Öffnung gibt", sagte er. "Da ich außerdem annehme, dass wir im Februar wegen Corona zum dritten Mal zusperren müssen, ist eine Schließung bis April eine echte Option", so Schweiggl. Zumal dann, wenn es gelinge die eigenen Kosten zu reduzieren und der Fixkostenzuschuss Phase zwei von der EU komme, meinte Schweiggl weiters. Wie genau das mit der 80-prozentigen Umsatzrückerstattung funktionieren wird, war für ihn noch unklar. "Hier braucht es dringend Klarheit", so Schweiggl. 

Eröffnung nach dem Lockdown

In eine ähnliche Kerbe schlägt die Chefin des Gasthauses "Canisiusbrünnl" in Rum, Julia Anzengruber. "Wir sind mit der Eröffnung im Lockdown gestartet", wies sie auf eine Besonderheit des Hauses hin. Am 15. Mai wurden dann erst offiziell die Pforten geöffnet. Zuvor habe man von Anfang April weg Essensabholungen angeboten, fügte sie hinzu. "Jetzt im zweiten Lockdown haben wir aber beschlossen ganz zuzusperren", strich sie heraus.

Grund dafür ist unter anderem das fehlende Qualitätsbewusstsein von potenziellen Take-away-Kunden. "Wenn es das Schnitzel anderswo deutlich billiger gibt, dann wird es dort gekauft", sagte Anzengruber. Zudem habe man in dem halben Jahr der Gasthaus-Existenz erst damit begonnen sich Stammgäste aufzubauen. Auf eine Umsatzrückerstattung für die Schließzeit hoffe sie.

Furcht vorm dritten Lockdown

Auch für Sonja Ultsch, die zusammen mit ihrem Mann Harald Ultsch unter anderem den "Schwarzen Adler" und das Hotel "Adlers" in Innsbruck führt, heißt es wieder schließen. Das Restaurant im "Adlers" hat zu und bleibt im November gänzlich dicht. "Mittlerweile sind wir schon Profis im Zusperren", meinte sie diesbezüglich launig.

Es sei dieses Mal zwar nicht so schockierend wie beim ersten Mal gewesen, so Ultsch. Man habe sich aber gewünscht, dass die Regierung den Gastro- und Hotel-Lockdown früher verkündet hätte. "Dann hätten wir die Karte reduziert und anders eingekauft", so Ultsch und fürchtet indes schon einen dritten Lockdown. "Dieser wird dann womöglich im April sein", mutmaßte sie. Damit das nicht geschehe, gelte es aktuell lieber "länger zuzusperren und dann ordentlich wieder aufzusperren", konstatierte die Unternehmerin.

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