01.02.2021

Prost zum Trost!

Willys Gastro-Wochenrückblick: Laut Global Drug Survey gaben nicht weniger als 43 Prozent der weltweit Befragten an, während der Pandemie öfter und zu mehr Alkohol gegriffen zu haben als vorher ...

… Das ist insofern interessant, da ja bekanntlich momentan und seit geraumer Zeit sowohl die normale Gastro als auch die Bars und andere Nachtlokale geschlossen haben. An der Spitze der Lockdown-Mehrsäufer stehen dabei die Schotten und die Engländer, knapp gefolgt von den Australiern. Dass die Schotten und Engländer da an der Spitze stehen, überrascht mich jetzt wieder überhaupt nicht, da grätscht ihnen der Brexit gehörig nachhelfend von hinten rein, aber die Australier? Ist eigentlich auch erklärbar, mit geschichtlich tradierter Solidarität. Und eventuell auch mit den vielen Bränden, die es zu löschen galt und deswegen so schwer versiegten.

Österreich spielt – wie so oft in Leistungsrankings – hierbei nur eine untergeordnete Rolle, kommt übers Mittelmaß nicht hinaus. Daher sollten wir echt darauf hinarbeiten, dass wir zumindest in dieser Statistik aufholen und Richtung Treppchen tendieren. Also, wenn wir alle zusammenhelfen, Bierbrauer, Winzer, Spirituosenhersteller und einschlägige Händler samt Kunden auf der einen Seite sowie Gastronomen, Hoteliers, Barkeeper samt geneigter Gästeschar andererseits, dann sollten wir doch locker die Top 3 schaffen.

Beim Bier gehts ja auch, da sind wir ja ohnehin schon seit geraumer Zeit Zweitbeste hinter den Tschechen. Und ja, Edelrivale Deutschland liegt beim Bier genau so hinter uns wie beim Wein. Wobei da kurioserweise der Vatikan vor Andorra liegt, Portugal, Frankreich, Italien und die Schweiz uns mit ihrer Liebe zur Wahrheit somit auf den insgesamt siebenten Platz verweisen. Hier ist also ebenfalls noch jede Menge Platz für Aufholjagden.

Sieht man sich das Ranking jener Staaten in Sachen Konsum von reinem Alkohol an, erkennt man sofort die wahre österreichische Schwäche: Es sind die harten Getränke, die uns nur auf weltweit Platz 13 (hier führen die Seychellen vor Uganda) wiederfinden lassen, was ich jetzt nicht unbedingt unserer ohnehin gut ausgeprägten Obstlerkultur zuschreibe, sondern unserer kaum vorhandenen Barkultur, wo ich nicht nur edle Jahrgangsrumsorten, junge Ginstilistiken und mildwürzige Armanacs vermisse, sondern auch stilvolle Cocktailkreationen für alle Geschmäcker und Kreditkarten.

Wer jemals einen Blick in die Barkunde-Bibel schlechthin, „Das Große Lehrbuch der Bar“ von Harry Schraemli, geworfen hat, weiß was ich meine. Wer zum Teufel kann heute noch einen gscheitn Pousse Cafe zubereiten und wo krieg ich einen sauguaten Gin österreichischer Provenienz?

Herrschaften, sobald ihr wieder öffnen dürft, starten wir doch gemeinsam eine grandiose Aufholjagd in Sachen Alkoholstatistik. Und weil ja bekanntlich Kinder nichts oder zumindest nur sehr wenig Alkohol trinken und somit die Statistik eh nur verfälschen, lancieren wir doch ein Joint Venture mit dem Abschiebe-Eiswürferl Nehammer und verschicken wir unseren Nachwuchs in Länder, wo sie den Alkoholkonsum von der Pieke auf lernen dürfen. Nach Georgien oder Aserbeidschan zum Beispiel. Prost zum Trost!

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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