28.04.2021

Rechnungshof sieht Schwachstellen bei Kärntner Tourismuswerbung

Laut Bericht des Kärntner Landesrechnungshofs ist etwa die Belebung der Nebensaisonen nicht gelungen, der Großteil der geförderten Events fällt nämlich in die Hauptsaisonen. Kärnten verzeichnete im Bundesländervergleich ein geringes Nächtigungswachstum und eine Werbeoffensive in China brachte einiges an Spesen, füllte aber kaum Betten.

15 Prozent der Bruttowertschöpfung Kärntens wurde 2015 im Tourismus erzielt. Die Nächtigungszahlen von 2010 bis 2019 gingen zwar um 8,8 Prozent nach oben, im Bundesländervergleich liegt die Kärntner Rate allerdings an vorletzter Stelle. Die Bettenanzahl in Kärnten sank in dem Zeitraum um 10,9 Prozent, wobei der Bereich Qualitätsbetten im Vier- und Fünfstern-Segment - ein Schwachpunkt des Kärntner Tourismus - um 2,5 Prozent wuchs. Im Österreich-Schnitt (ohne Kärnten und Wien) gab es ein Betten-Plus von 5,6 Prozent, bei Qualitätsbetten ein Plus von 16 Prozent. 60 Prozent der Kärntner Nächtigungen fallen in die Monate Mai bis August, 75 Prozent der Gäste kommen aus Österreich und Deutschland.

Die Belebung der Nebensaisonen ist ein Ziel der Kärnten Werbung. Die meisten von der Kärnten Werbung gesponserten Events fallen allerdings auf die Hauptsaisonen, kritisieren die Rechnungshofprüfer, eine Saisonverlängerung werde so nicht erreicht. Zum Beispiel solle das Sponsoring für "Wenn die Musi spielt" evaluiert werden, hier entspreche auch die Gästezielgruppe nicht der definierten Markenstrategie der Kärnten Werbung.

Ebenso für hinterfragenswert halten die Prüfer die Werbung in China. Seit 2016 kostete diese durchschnittlich 200.000 Euro jährlich. Durchschnittlich blieb ein Gast aus China 1,15 Nächte in Kärnten. Nur 0,2 Prozent der Nächtigungen in den vergangenen Jahren entfielen auf Chinesen. Stattdessen solle der Kärntner Gast umworben werden, rät der Rechnungshof. Immerhin kamen zuletzt mehr Kärntner Gäste aus dem eigenen Land als aus Italien.

Abgesehen von der Kritik an der Arbeit der Kärnten Werbung griff der Rechnungshof Vergabepraxis und Gehaltssteigerungen der Mitarbeiter auf. Von 2015 bis 2019 stiegen die Gehälter um 16 Prozent, bei zehn Mitarbeitern dabei um durchschnittlich 27 Prozent. Das genehmigte Personalbudget wurde teilweise deutlich überschritten. Eine variable Prämie für den Geschäftsführer wurde 2016 in einen fixen Gehaltsbestandteil umgewandelt, womit ein Steuerungselement verloren ging. Aufträge für Rechts- und Beratungsleistungen - knapp 400.000 Euro von 2015 bis 2019 - gingen meist als Direktvergaben an zwei Kanzleien. Bei anderen Auftragsvergaben ergab sich ein ähnliches Bild. Rechnungshofdirektor Günter Bauer: "Auch wenn man mit bewährten Partnern zusammenarbeitet, sollte man Vergleichsangebote einholen."

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