18.06.2020

Reed kontert: „Suchen den Schulterschluss“

Namhafte Aussteller wollen der diesjährigen „Gast“ fernbleiben, erklärte IGÖ-Sprecher Herbert Kregl. Stammgast.Online bat die operative Geschäftsführerin von Veranstalter Reed, Barbara Leithner, um eine Stellungnahme.

Stammgast.Online: Frau Leithner, laut Aussage des IGÖ-Sprechers Herbert Kregl muss die heurige „GAST“ ohne namhafte Großküchenausstatter auskommen. Was sagen Sie dazu?

Leithner: Uns als Veranstalter der „Alles für den Gast“ haben die Aussagen von Herrn Kregl, gelinde gesagt, ziemlich verwundert. Zum heutigen Tag (Anm.: 18. Juni) haben 31 Aussteller aus dem Bereichen Küchenausstattung und -technik schriftlich ihre Teilnahme als Aussteller an der kommenden „Alles für den Gast“ im November 2020 bestätigt. Im Vorjahr haben acht der IGÖ-Mitglieder ausgestellt – heuer haben sich von diesen acht bisher fünf angemeldet. Und unter diesen befindet sich auch die Firma Meiko, von der Herr Kregl Geschäftsführer ist. Von einem Boykott der Großküchenausstatter, wie in der Headline des Artikels angedeutet wird, kann da wohl keine Rede sein.

Die Regierung hat Messen vor wenigen Tagen ausdrücklich erlaubt, wenn auch mit Einschränkungen. Niemand rechnet ernsthaft mit einer „normalen“ GAST. Was tut Reed, um möglichst akzeptable Besuchsbedingungen zu schaffen?

Leithner: Ja, wir sind sehr froh, dass es seit Montag wieder erlaubt ist, Messen in Österreich zu veranstalten. Die derzeitigen Regelungen besagen im Wesentlichen, dass sofern der vorgeschriebene Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden kann, keine Maskenpflicht besteht und keine Begrenzung der Besucherzahlen, sowohl am Gelände als auch am Messestand, vorgeschrieben ist. Bei der Verabreichung von Nahrungsmittel gelten die bestehenden Gastronomieregeln. Da die Verordnung auch eine Regelung zur Steuerung der Besucherströme – insbesondere im Eingangsbereich – vorsieht, entwickeln wir gerade ein geeignetes Leitsystem, um die Besucher sicher und rasch auf die Messe zu bringen.

Also ist der Einwand seitens der Großküchenausstatter, dass es ohnedies weniger Besucher geben wird, gerechtfertigt?

Leithner: Auf welchen validen Fakten basiert die Aussage von Herrn Kregl, dass heuer bestenfalls die Hälfte der Besucher kommen werde? Wir haben vor einigen Tagen das Ergebnis einer repräsentativen Online-Umfrage unter den Fachbesuchern der „Alles für den Gast“, die bereits im Mai, noch vor den ersten Lockerungen für die Tourismusbranche durchgeführt wurde, vorliegen. Auf die Frage ‚Werden Sie Ihre Branchenmesse Alles für den Gast besuchen?‘, bejahten dies 75 Prozent. Aber mindestens gleich wichtig ist wohl die Frage nach der Entscheiderqualität unter den Fachbesuchern. 58 Prozent definieren sich laut Befragung als Geschäftsführer, Unternehmer oder in Einkaufspositionen. Und wir arbeiten seit mehreren Jahren daran, die Besucherqualität weiter zu steigern.

Die IGÖ übt auch Kritik am Veranstaltungsmodell „Messe“, beispielsweise, dass es sich – vereinfacht gesagt – immer um die gleichen Besucher handelt. Was entgegnen Sie?

Leithner: Am meisten bestürzt mich, dass Herr Kregl durch seinen Angriff auf das Marketinginstrument Messe einen wesentlichen Umsatzbringer seiner eigenen Kunden in Frage stellt. Denn Messen sind für die Hotellerie und Gastronomie – vor allem für den derzeit so stark betroffenen Städtetourismus – ein wesentlicher Wirtschaftsimpuls in der touristischen Nebensaison.

Auch diese Aussage, es handle sich immer um die gleichen Besucher, lässt sich durch die Daten aus der Besucherbefragung widerlegen. Derzufolge waren bei der „Alles für den Gast“ im Herbst 2019 exakt 23 % erstmals vor Ort. Die Besucherschicht durchmischt sich also von Jahr zu Jahr deutlich.

Das heißt, die Kritik am mangelnden Neukundengeschäft können Sie nicht nachvollziehen?

Leithner: Kann ich definitiv nicht nachvollziehen. 71 % der befragten Fachbesucher haben im Vorjahr auf der Messe neue Produkte oder Anbieter gefunden, auch die Kaufabschluss-Quote ist hoch: Denn 49 % haben bereits während der Messe ihren Einkauf getätigt. Das Interessensspektrum ist dabei breit gefächert, 30 % gaben an, die Messe auch wegen der Großküchenausstattung und Gastrotechnik zu besuchen. Davon hat auch die Firma Meiko nachweislich profitiert, indem sie durch die Messe einen Millionenauftrag an Land gezogen hat.

Es gab auch Kritik über Preiserhöhungen bei den Standmieten. Ist das in Zeiten wie diesen wirklich ein gutes Signal?

Leithner: Hier sind zwei wichtige Aspekte außen vorgelassen: Zum einen wurde die Preiskalkulation der „Alles für den Gast“ 2020 bereits im September 2019 gemacht, also weit vor der Pandemie bzw. Krise. Zum anderen wissen wir, dass es für die Hotellerie- und Gastronomiebranche gerade sehr schwer ist und dass viele Betriebe um das nackte Überleben kämpfen. Daher haben wir angesichts der COVID-19-Situation ein preisliches Unterstützungspaket für unsere Aussteller geschnürt. Dieses beinhaltet eine Reduktion des Quadratmeterpreises der Standfläche um 10 % sowie eine Reduktion der rückverrechneten Eintrittskartengutscheine um 50 %. Die Teilnahme an der heurigen „Alles für den Gast“ wird dadurch für die Aussteller sogar günstiger.

Letzte Frage: Meinen Sie nicht, das wäre der ideale Zeitpunkt, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und alles zu besprechen?

Leithner: Sie sprechen mir aus der Seele. Selbstverständlich sind wir sehr gerne dazu bereit. Und das hoffentlich bald. Wir stehen zu einem offenen Austausch und suchen das Gespräch mit Kunden, Ausstellern und Besuchern. Ich bin der festen Meinung, dass die Branche jetzt einen Schulterschluss braucht und keinen Streit.

Frau Leithner, vielen Dank für das Gespräch.

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